Das intelligente Zuhause

Das digitalisierte Haus ist im Kommen. Alle Geräte werden künftig „smart“ gesteuert. Auf der Funkausstellung sind zahlreiche Innovationen zu sehen

Elena Rovati und Ulrike Mascherek (r.) in einem komplett mit OLED-Fernsehern verkleideten Tunnel

Elena Rovati und Ulrike Mascherek (r.) in einem komplett mit OLED-Fernsehern verkleideten Tunnel

Foto: Sergej Glanze

Neugierig schaut sich ein Paar in der Küche des e-Hauses um. Carsten Fröchtenicht drückt einen Button auf dem iPad, das neben dem Kühlschrank in der Wand eingelassen ist. „Ich versuche gerade, den Herd zu programmieren“, sagt er zu seiner Frau Katrin und lacht. In der Küche der Zukunft lassen sich Kaffeemaschine, Kühlschrank, Backofen oder Geschirrspüler mit Mobilgeräten bedienen. Über W-Lan sind sie mit Smartphone, Tablet oder PC vernetzt. Am Freitag schlendern die Göttinger über die Internationale Funkausstellung IFA, um sich über die neuesten Technik-Trends zu informieren. Das intelligente Haus – Smart Home – ist einer der Messe-Trends.

Das digitalisierte e-Haus umfasst neben der Küche noch andere Bereiche. Auch die Beleuchtung wird „smart“ gesteuert, ebenso wie Unterhaltungselektronik oder Sicherheitssysteme. Im Bad genügt ein Klopfen auf eine Kachel mit Sensoren, um die Rollladen herunterzufahren, wie Standbetreuer Batur Dayani Besuchern demonstriert. Im Schlafzimmer lässt sich Dayani auf eine Matte mit Sensoren fallen, worauf das Display des Tablets an der Wand aktiv wird und Alarm auslöst: eine Beruhigung für immobile Menschen, die nicht mehr ohne Hilfe aufstehen können. Erstmals zu erleben ist im e-Haus auf der Messe auch die Sprachsteuerung: Statt Schalter zu drücken, kann man mit Befehlen wie „Jalousie hoch“ oder „Licht aus“ Verdunkelung und Beleuchtung regeln.

Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz gleichzeitig steuern

Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz ließen sich im Smart Home gleichzeitig steuern, sagt Jan Voosen, Pressesprecher des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. Der ZVEH betreibt das e-Haus mit anderen Verbänden und kann bereits am ersten Messemorgen von „einen großen Besucherinteresse“ berichten. „Die Technik wird sich durchsetzen, schon vor dem Hintergrund des Generationswandels“, ist Voosen überzeugt. Die beiden Fröchtenichts sind noch verhalten. „Die Heizung über mobile Geräte zu steuern, auch Sicherheitstechnik – das kann ich mir gut vorstellen“, sagt Carsten Fröchtenicht. „Aber ob ich unterwegs Fotos vom Inneren meines Kühlschranks brauche?“ Er lächelt: „Was drin ist, habe ich im Kopf.“ Seine Frau wirkt überzeugter: „Wenn man ein Haus baut, würde ich mir das alles noch genauer ansehen.“

Smart-Home-Technik gibt es auch in Halle 17. Hier hat das Berliner Unternehmen AVM, bekannt für seine „Fritz!Box“, einen großen Stand, der dicht umlagert ist. Auf der Messe präsentiert der Hersteller neben einer intelligenten Steckdose auch erstmals seinen Heizkörperregler „Fritz!DECT 300“, der im Oktober in den Handel kommen soll. Der Regler wird laut AVM-Sprecherin Doris Haar an gängigen Heizkörperventilen angebracht und lässt sich über Handys, Tablets oder den PC steuern – das alles läuft über das Funksystem DECT. So lässt sich die heimische Heizung auch vom Büro aus steuern. Mit dem IFA-Verlauf ist die Sprecherin am ersten Tag zufrieden: „Es brummt.“

Auch Kochen geht intelligent

Intelligentes Kochen, auch das geht. Große Küchengerätehersteller leisten sich zur IFA gerne Star-Köche, die demonstrieren, wie man mit digitalisierten Produkten wohlschmeckende analoge Gerichte zubereitet. Die Stände von Sternekoch Johann Lafer oder von TV-Koch Ralf Zacherl sind am Freitag sehr gut besucht. Mit dem Auto­Cook von Bosch demonstriert Zacherl unterhaltsam, wie sich mit wenig Aufwand eine Tortilla – verfeinert mit Curry und Koriander – kochen lässt, die nicht anbrennt. Besucherin Sabine Bukowski macht jede Menge Handyfotos vom Star-Koch. Schließlich ist sie extra aus Hof angereist, um auf der IFA möglichst viele Promis zu sehen. Auch bei Lafer war sie schon.

Die Halle 15.2 ist für junge Messebesucher gedacht. Am Freitagmittag ist der Besucherandrang bei der „Young IFA“ noch recht übersichtlich. Auf der Bühne rockt sehr engagiert die dreiköpfige Berliner Band „Kicker Dibs“. Am Stand des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme nimmt Marvin interessiert einen Roboter in Augenschein, der sich über einen Tisch bewegt. „Den kann man programmieren“, erzählt der 15-Jährige aus Templin und sieht begeistert aus. Im Programmierlabor der Fraunhofer-Lerninitiative „Roberta“ können junge IFA-Besucher Roboter zum Leben erwecken.

Großer Andrang in den Heim-Elektronik-Hallen

Deutlich mehr los ist am Mittag in den Heim-Elektronik-Hallen. Die großen Fernseher-Hersteller setzen auf die OLED-Technologie, die eindrucksvolle Bilder liefert: Selbstleuchtende Pixel im OLED-Display, die eine Hintergrundbeleuchtung überflüssig machen, sorgen für Super-Kontraste und ein größeres Farbenspektrum als bei herkömmlichen LED-Geräten. Die Berlinerin Ulrike Mascherek und die Italienerin Elena Rovati, die über die IFA schlendern, zeigen sich beeindruckt von den Bildern, die in einem komplett mit Fernsehern verkleideten Tunnel über die Displays laufen: Wale, ein gewaltiger Sternenhimmel und Wüstenlandschaften ziehen an den Besuchern vorbei. „Eine schöne Impression“, sagt Mascherek. Smart Home hin oder her – auch 2016 muss die IFA Bilder liefern.