Musikfestival

Heftige Wortgefechte im Treptower Rathaus zu Lollapalooza

Die Anwohner des Treptower Parks sind wütend. In einer Versammlung machen sie ihrem Ärger gehörig Luft.

Aufgebrachte Bürger stemmen sich gegen Musikfestival

Anwohner des Treptower Parks machten ihrer Empörung bei einer Bürgerversammlung Luft. Bezirksverwaltung und Veranstalter stellten sich am Donnerstagabend ihren Fragen. Anwohner haben beim Verwaltungsgericht Klage gegen das Musikfestival eingereicht.

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Die Vorbereitungen auf das Lollapalooza-Festival am 10. und 11. September schreiten voran. Große Teile des Treptower Parks sind bereits gesperrt. Die Veranstalter des Festivals lassen derzeit Gummiplatten für die Baufahrzeuge verlegen, damit diese Gerüststangen für die Bühne über den Rasen transportieren können. Zahlreiche öffentliche Parkplätze am Park sind ebenfalls gesperrt.

Währenddessen wächst die Unmut der Anwohner gegen die Veranstalter des Musikevents. Rund 130 verärgerte Anwohner versammelten sich am Donnerstag zu der Bürgerversammlung, zu der die Bezirksverwaltung zuvor geladen hatte. Auf dem Podium standen die Vertreter vom Lollapalooza-Veranstalter, vom Bezirk, der Lärmschutzbehörde und der Polizei Rede und Antwort.

Bei der Bürgerversammlung machten Anwohner ihrem Ärger Luft

Die Stimmung in dem Saal heizte sich schnell auf. Die Anwohner beklagten sich über die Sperrungen, von der das Figurentheater Grashüpfer an der Puschkinallee sowie das am Karpfenteich gelegene Geburtshaus betroffen sind. Ein weiterer massiver Störfaktor sei die enorme Lärmbelästigung in der Vorbereitungsphase, vor allem aber während des Events. "90 Dezibel von vier Bühnen – das ist zu viel für ein Wohngebiet, das nicht mal 100 Meter entfernt ist", so Sigrid Schubert. Am Mittwoch reichten sie deshalb die erste Klage beim Verwaltungsgericht ein, die Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen.

Das Straßen- und Grünflächenamt vom Bezirksamt Treptow-Köpenick sowie die Untere Denkmalschutzbehörde hatten dem Veranstalter am 24. August eine Ausnahmegenehmigung für die einmalige Durchführung es Festivals auf dem denkmalgeschützten Gelände erteilt. Deren positiver Bescheid wurde mit der „herausragenden Bedeutung der Veranstaltung für Berlin“ begründet, zitiert die Berliner Zeitung. Desweiteren heißt es, die „erheblichen Belästigungen“ seien der Nachbarschaft unter erheblichen Auflagen zumutbar.

Ersatz-Unterbringung für 1615 Wohnungen

Auf 15 Seiten werden insgesamt 1615 Wohnungen aufgelistet, für die die Veranstalter Ersatz-Unterbringung besorgen müssen. Es ist das erste Mal in Berlin, dass bei Veranstaltungen so entschieden wurde, so die Zeitung. Die Senatsverwaltung beziehe sich dabei auf das Berliner Immissionsschutzgesetz. Danach können Veranstaltungen im Freien genehmigt werden, wenn „dies unter Berücksichtigung des Schutzbedürfnisses der Nachbarschaft zumutbar ist“.

Das wiederum bedeutet: Für alle 1615 Wohnungen wurde der zu erwartende Veranstaltungslärm berechnet. Beträgt er einen halben Meter vor dem geöffneten Fenster mehr als 80 Dezibel, haben die Bewohner am Veranstaltungstag Anspruch auf Ersatzquartiere.

„Leider kann ich Ihnen kein Hotelangebot machen“

Dem Bericht zufolge werden die Auflagen anscheinend jedoch nicht vom Veranstalter umgesetzt. Demnach bekomme eine Anwohnerin keine Ersatz-Wohnung, obwohl ihre auf der Liste stehe. „Leider kann ich Ihnen kein Hotelangebot machen“, soll es demnach in einer E-Mail des zuständigen Lollapalooza-Mitarbeiters heißen. Für wie viele Wohnungen bislang Ersatz angeboten wurde, konnte der Veranstaltungs-Sprecher Tommy Nick demnach am Donnerstag nicht sagen.

Das Festival "Lollapalooza" fand 2015 auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Da das Gelände nun als Notunterkunft für Geflüchtete genutzt wird, musste ein neuer Austragungsort gefunden werden. Nachdem elf weitere mögliche Veranstaltungsorte in der Hauptstadt, geprüft worden waren, fiel die Wahl aus infrastrukturellen Gegebenheiten wie Lage, Anbindung und Größe auf den Treptower Park. Insgesamt 140.000 Menschen werden zum diesjährigen Festival erwartet. 45 Bands spielen an beiden Tagen auf den vier Bühnen. Zum Programm gehören unter anderem Auftritte von Radiohead, Kings Of Leon, Major Lazer, Paul Kalkbrenner, Philipp Poisel und New Order.

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