Studie

Studenten wohnen am liebsten in Neukölln oder Wedding

Mieten, Verkehr, Freizeit und Shopping: Zwei neue Studien haben ermittelt, wo Studenten am liebsten wohnen

„Wedding ist super. Ich wohne in der Voltastraße, das ist zwar nicht in der hippesten Ecke, aber mir gefällt’s“, sagt dieser Philosophiestudent

„Wedding ist super. Ich wohne in der Voltastraße, das ist zwar nicht in der hippesten Ecke, aber mir gefällt’s“, sagt dieser Philosophiestudent

Foto: Reto Klar

Wer in Berlin studieren will, sollte sich eine Bleibe in Neukölln suchen. Das empfiehlt eine Studie des Fachverlags für Verbraucherinformation, die seit Ende August auf dem Internetportal www.verbraucherwelt.de zu finden ist. Sie will Abiturienten helfen, die Berlin als Hochschulstadt gewählt haben oder wählen wollen. Wer die Stadt noch nicht kennt, kann anhand der Studie erfahren, welches die zehn besten Viertel sind, in denen man relativ preiswert wohnen kann, schnell zur Universität oder Hochschule kommt, viele Parks findet und die ein gutes Freizeitangebot und Einkaufsmöglichkeiten bieten.

Der Verlag hat knapp 1000 Studenten in der Hauptstadt dazu befragt, welches aus ihrer Sicht diese zehn besten Quartiere sind. Spitzenreiter Neukölln hat relativ günstige Warmmieten vorzuweisen. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt nach Recherchen des Verlages bei 10,21 Euro. Es gibt „jede Menge Bars und Kneipen“ und genügend Möglichkeiten zum Einkaufen. Sehr gut ist die Verkehrsanbindung. Mit Bussen, U- und S-Bahn kommt man schnell in andere Bezirke.

Im Ranking der zehn besten Berliner Stadtviertel bekommt Neukölln die Note 1,4. Auf Platz zwei liegt Wedding, das mit 1,6 bewertet wird und vor allem mit preiswertem Wohnen punktet. Der Quadratmeterpreis liegt bei 9,49 Euro. Gute Einkaufsmöglichkeiten sind an der Müllerstraße und am Leopoldplatz zu finden. Wedding hat aus Sicht des Fachverlages das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Freizeitangebote und Nachtleben sind allerdings nicht so stark ausgeprägt wie in Neukölln.

Prenzlauer Berg erreicht nur Rang sieben

An dritter Stelle folgt Schöneberg mit einer Gesamtnote 1,8. Prenzlauer Berg erreicht nur Rang sieben und die Bewertung 1,9. Zwar werden die Lage, die Freizeitangebote und das Nachtleben als sehr gut eingeschätzt, doch die Mieten als hoch. Das trifft auch für Friedrichshain zu, das den achten Platz im Berliner Vergleich belegt. An zehnter und letzter Stelle im Vergleich wird Pankow genannt. Es gebe nur vereinzelt Kneipen, heißt es bei der Bewertung. Die Lage – also Verkehrsanbindung, Grünflächen und Einkaufsmöglichkeiten – bekommt nur vier von fünf möglichen Punkten.

Die Studie warnt jedoch die Abiturienten, die sich Berlin als Studienort aussuchen. „Die Hauptstadt ist teuer!“, heißt es in der Empfehlung. Die durchschnittliche Warmmiete liege bei 11,25 Euro pro Quadratmeter. In Mitte seien es 16,47 Euro, in Kreuzberg 13,37 Euro, in Spandau durchschnittlich 7,16 Euro. Allerdings habe Berlin vier Universitäten, vier Kunsthochschulen, sieben Fachhochschulen sowie 24 private Hochschulen und soviel Kultur zu bieten wie kaum eine andere Stadt.

Hervorgehoben werden die Einkaufsmöglichkeiten in Mitte: „Shopaholics werden hier glücklich.“ Am Kurfürsten-damm könne man am besten „Sehen und gesehen werden“. Prenzlauer Berg habe kleine Lokale und außergewöhnliche Modeboutiquen zu bieten, und sei der bevorzugte Ort für Start-up-Unternehmen. Neukölln sei ein Stadtteil mit Gegensätzen, es gebe neben wunderschönen auch dunkle Ecken.

Die meisten Hochschulstandorte haben Durchschnittsmieten von unter zehn Euro

Neben Berlin betrachtete der Verlag, der seinen Sitz in Bochum hat, 22 weitere Universitätsstädte und ließ auch sie von Studenten bewerten. Wer sein Geld zusammenhalten muss, sollte an ein Studium im Ruhrgebiet denken – es sei „der Geheimtipp der Verbraucherwelt-Redaktion“. Oft sei die Miethöhe ausschlaggebend für die Wahl des Studienortes. Die meisten gelisteten Hochschulstandorte haben Durchschnittsmieten von unter zehn Euro. Ein Gesamtranking für die 23 Hochschulstädte enthält die Studie nicht.

Wohin genau es Jung-Berliner innerhalb des Stadtgebietes zieht, damit beschäftigt sich auch eine Studie, die das Moses Mendelssohn Institut (MMI) gemeinsam mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de veröffentlicht hat. WG-Zimmer sind längst nicht mehr nur bei Studierenden beliebt. „Sie werden auch von Auszubildenden, Trainees oder anderen jungen Berufstätigen genutzt“, so Stefan Brauckmann, Direktor des MMI. Im bundesweiten Großstadtvergleich erweisen sich Berliner Zimmer als günstig. Durchschnittlich müssen hier 370 Euro, in München dagegen 505 Euro pro Monat gezahlt werden. Auch Hamburg (415 Euro) ist für Studenten deutlich teurer.

Auf WG-Gesucht.de lässt sich ablesen, welche Standorte in Berlin gefragt sind. Im vergangenen Jahr entfielen demnach 20,3 Prozent aller WG-Gesuche auf Kreuzberg. Auf Platz zwei folgt Friedrichshain mit 13,8 Prozent, auf Platz drei Neukölln mit 13,6 Prozent. Prenzlauer Berg fällt dagegen ab: Lediglich neun Prozent der WG-Gesuche entfallen auf diesen Ortsteil – wohl auch, weil ein Zimmer mit 390 Euro deutlich teurer ist als in Neukölln (367 Euro) und immerhin noch fünf Euro teurer als in Friedrichshain und Kreuzberg (je 385 Euro).

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