Berlin für alle

Diese Berliner Jazz- und Rock-Clubs sollte man kennen

Neu in Berlin? Oder schon länger dabei? Wir stellen die besten Clubs für alle Musik-Fans vor - egal ob Anfänger oder Profi.

Olaf Daehmlow, Betreiber und Inhaber des Musikclubs Yorckschlösschen

Olaf Daehmlow, Betreiber und Inhaber des Musikclubs Yorckschlösschen

Foto: Amin Akhtar

Für Anfänger

Yorckschlösschen – Wo alles herkommt

Läden wie diesem dichtet man gerne an, dass hier die Zeit stehen geblieben sei. Seit 120 Jahren gibt es das Yorckschlösschen in Kreuzberg, seit mehr als 30 Jahren ist die rustikale ehemalige Eckkneipe mit rund 120 Plätzen und im Sommer nochmal so vielen auf der Terrasse eine international bekannte Adresse für Livemusik. Hier kann man jenen Sound erleben, ohne den es den Pop, wie wir ihn heute kennen, nicht geben würde. Blues und Boogie, Rhythm 'n' Blues und Jazz, Swing und Soul stehen an vier Abenden in der Woche (Mi., Fr. bis So.) auf dem Programm, meist mit weltläufigen Berliner Musikern wie Blueslegende Guitar Crusher aus New York, Kat Baloun aus El Paso oder New-Orleans-Drummer Roger Raddatz aus Berlin. Olaf Dähmlow hat hier seit Jahrzehnten den Hut auf und beherbergt und pflegt ein auch altersmäßig bunt gemischtes Publikum. Wer nah an der kleinen Bühne sein will, sollte einen Tisch reservieren. Denn bei Konzerten wird es richtig eng.

Yorckschlösschen Yorckstr. 15, Kreuzberg, Tel. 215 80 70, Mo.–Fr., 17–3 Uhr, So., 10–3 Uhr, Eintritt bei Konzerten 4 bis 8 Euro.

Rickenbacker's Music Inn – Hier wird gerockt

Dass der Laden mal ein Irish Pub war, ist nicht zu übersehen. Und das verleiht dem Rickenbacker's Music Inn an der Bundesallee auch eine gewisse Gemütlichkeit. Hier kann man zum gepflegten Bier Livemusik unterschiedlichster Couleur hören. Oldiesbands treten ebenso auf wie Rockformationen oder Folkbands. Und zwar an sieben Tagen der Woche. Es sind vornehmlich Berliner Musiker, die hier ihre Spielwiese haben, und die Qualität ist enorm. Nachwuchs steht hier ebenso auf der kleinen Bühne wie alte Hasen, Ulli & die Grauen Zellen beispielsweise, oder die Hanno Bruhn Gang, oder Sherman Noir & The Highway Surfers. Montags bis mittwochs gibt es Jam Sessions, von Donnerstag bis Sonntag stehen Konzerte auf dem Programm der rund 100 Plätze fassenden Musikkneipe. Hier kann man bei freiem Eintritt oder zu moderaten Eintrittspreisen einfach in gemütlicher Atmosphäre handgemachte Musik ganz nah erleben.

Rickenbacker's Music Inn Bundesallee 194 b, Wilmersdorf, Tel. 0179 323 18 86, täglich ab 18 Uhr geöffnet, Livemusik ab 21 Uhr, sonntags bereits
ab 20 Uhr

Schlot – Moderner Jazz im schicken Souterrain

Die Kunstfabrik Schlot existiert seit Anfang der 90er-Jahre, zunächst in Prenzlauer Berg, im April 2000 öffneten sich die Türen zum neuen Domizil in einem schicken Souterrain in den Edisonhöfen in Mitte. Rund 200 Besucher finden in dem Jazzclub Platz. Eine Besonderheit des Ladens ist die im Verhältnis zur Raumgröße relativ große Bühne, auf der gut und gerne 20 Musiker Platz finden. Weshalb im Schlot auch immer wieder großformatige Ensembles auftreten. Schlot-Chef John Kunkeler will eine lebendige Musikszene fördern. Da ist es nur konsequent, im Schlot nebenbei auch eine Musikschule zu betreiben. Neben Jazzkonzerten gibt es Reihen wie den stets ausgebuchten "Lars Mittwoch" mit Schauspieler Lars Redlich sowie literarische Frühschoppen. Im Schlot kann man Jazz in all seiner Vielfalt live kennenlernen, von Bebop über World Jazz bis zum Big-Band-Sound. Der Eintritt ist meist frei oder kostet bei speziellen Konzerten zwischen 5 und 15 Euro.

Kunstfabrik Schlot Invalidenstraße 117 (in den Edisonhöfen), Mitte, Tel. 448 21 60, tägl. 20 Uhr (Sommerpause bis 30.8.)

Für Fortgeschrittene

Quasimodo – Eine Berliner Legende

Dieser Club atmet Geschichte. Mitte der 70er-Jahre von Georgio Carioti gegründet, machte sich das Quasimodo in Charlottenburg schnell einen weltweit guten Ruf als Jazz- und Rockclub. Stars wie Dizzy Gillespie, Chet Baker oder Branford Marsalis traten hier auf, selbst Größen wie Prince, Supertramp oder Maceo Parker konnte man hier erleben. Heute lenkt Klaus Spiesberger die Geschicke des traditionsreichen Ladens mit einem Programm, das sich auf Blues und Funk fokussiert. Von September an gibt es hier auch eine Dependence des Kabaretts Die Wühlmäuse.

Quasimodo Kantstr. 12 a, Charlottenburg, Tel. 318 045 60 (Sommerpause bis 31.8.)

White Trash Fast Food – Burger und Rock

Draußen ein "apokalyptischer Zen-Garten", drinnen exzellente Burger und nahezu täglich Live-Rock: Das White Trash Fast Food ist der richtige Laden für alle, die ein großes Herz für Rock 'n' Roll haben. Wer hier nur Essen will, zahlt trotzdem Eintritt für Band oder DJ, allerdings meist nur ein oder zwei Euro. Denn das eine ist nicht ohne das andere zu haben. Hier treten internationale Acts auf, die vielleicht noch nicht ganz so bekannt sind. Hier lassen sich Entdeckungen machen. Und manchmal taucht auch jemand wie Pete Doherty zum Spontanauftritt auf.

White Trash Fast Food Am Flutgraben 2, Treptow, Tel. 551 50 65 87, tägl. ab 12 Uhr

Tempodrom – Ein Showzelt aus Stahlbeton

Ob Patti Smith oder Iggy Pop, ob Tanzshow oder Musical, ob Klassikevent oder Volksmusik: Das Tempodrom in Kreuzberg ist einer der außergewöhnlichsten Orte der Stadt, um Musik zu erleben. Einst als alternatives Zirkuszelt am Potsdamer Platz an der Mauer eröffnet, dann umgezogen in den Tiergarten, schließlich 2001 als fester Bau in Kreuzberg wiedereröffnet, ist das Tempodrom heute vor allem Konzerthalle, in der Stars wie Morrissey oder Madness gastieren. Und zum Jahresende auch Bernhard Pauls "Circus Roncalli".

Tempodrom Möckernstraße 10, Kreuzberg, Tel. 74 73 70, Infos zu Konzerten unter www.tempodrom.de

Für Profis

A-Trane – Die Top-Adresse in der City West

Wer den Jazz liebt, kommt an diesem Club nicht vorbei. Keine Frage, das A-Trane in Charlottenburg ist Berlins Jazzclub Nummer 1. Gerade mal 100 Besucher passen an die Tische und die Bar in dem stilvoll eingerichteten Laden mit der Zwölf-Quadratmeter-Bühne. Viel näher kann man Musikern bei der Arbeit nicht sein. Seit Sedal Sardan das Lokal 1997 übernommen hat, machte er das A-Trane durch kluge und umsichtige Programmplanung zu einem international geschätzten Spielort. Wynton Marsalis und Herbie Hancock traten hier schon auf, Lee Konitz und Larry Coryell, Diana Krall und immer wieder Till Brönner, ein Freund des Hauses. Mehrfach ausgezeichnet mit Preisen wie dem "Echo" oder dem Live Entertainment Award LEA ist das A-Trane genau der richtige Platz, um Musik hautnah zu erleben. Auch bietet Sedal Sardan der breit gefächerten Berliner Jazzszene immer wieder die Möglichkeit, hier aufzutreten. Die Top-Adresse in der City West.

A-Trane Bleibtreustraße 1, Ecke Pestalozzistraße, Charlottenburg, Tel. 313 25 50, tägl. 20–1 Uhr, Fr. u. Sbd. 20 Uhr bis open end

Columbiahalle – Rock für die Massen

Wenn's ein bisschen größer sein soll, ist die Columbiahalle in Tempelhof genau der richtige Ort, um Musik auch körperlich zu erfahren. Selbst die Britpop-Helden Oasis, die Rock-'n'-Roller AC/DC oder Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen standen hier schon auf der Bühne. 3500 Zuschauer finden Platz. Dann wird es aber kuschelig eng. Auch Galas, Events und Messen nutzen die Halle. Der Schwerpunkt aber liegt auf der Musik. Seit 1998 wird die ehemalige Sporthalle der in Berlin stationierten US-Soldaten als Konzerthalle genutzt, 2014 wurde die Columbiahalle aufwendig renoviert, es gibt verschiedene Themenbars und eine schicke Lounge im Obergeschoss. Die Bühne erfüllt die Erwartungen internationaler Bands, Gruppen wie
3 Doors Down, In Extremo, Alter Bridge, Silly oder Royal Republic werden demnächst auftreten, aber auch Heinz Rudolf Kunze oder Bosse. Direkt nebenan ist übrigens noch das kleinere, ebenfalls renovierte Columbia Theater.

Columbiahalle Columbiadamm 13–21, Tempelhof, Tel. 69 81 28 14, Infos im Netz unter columbiahalle.berlin

JazzFest Berlin – Der Leuchtturm im Herbst

Alle haben sie hier gespielt. Die großen Namen des Jazz: sie waren und sind immer im Herbst beim JazzFest Berlin der Berliner Festspiele zu erleben. 1964 gingen in der Philharmonie die ersten "Berliner Jazztage" über die Bühne. Größen wie Miles Davis, Coleman Hawkins, Sonny Stitt und Roland Kirk wurden aufgeboten, um den Jazz der Hochkultur näherzubringen. Vom 1. bis zum 6. November geht das 53. JazzFest über die Bühne des Hauses der Berliner Festspiele. Im zweiten Jahr ist der britische Musikjournalist Richard Williams der künstlerische Leiter des Spitzentreffens der Weltklasse-Jazzer. Diesmal lässt er 16 Jazzformationen und fünf Duo-Kombinationen auftreten. Zu den Gästen zählen etwa Jack DeJohnette, Brad Mehldau, Joshua Redman oder Myra Melford. Nirgendwo sonst kann man zeitgenössischen Jazz so kompakt, direkt und vielfältig erleben wie bei diesem international renommierten Festival.

JazzFest Berlin 1.–6. 11. 2016, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, Wilmersdorf, Tel. 254 89-279, der Vorverkauf beginnt am 26. September

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