Hauptstadtflughafen

Ex-BER-Prokurist gibt Schmiergeld-Erhalt zu

Ein ehemaliger Flughafen-Bereichsleiter hat vor Gericht erklärt, 150.000 Euro Bestechungsgeld von einer Firma erhalten zu haben.

Der unter Korruptionsverdacht am Hauptstadtflughafen BER stehende ehemalige Mitarbeiter der Flughafengesellschaft FBB

Der unter Korruptionsverdacht am Hauptstadtflughafen BER stehende ehemalige Mitarbeiter der Flughafengesellschaft FBB

Foto: Patrick Pleul / dpa

Am 21. Dezember 2012 abends trafen sich zwei Männer auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Stolpe Süd. Der 43-jährige Oliver B. holte einen Umschlag, der unter seinem Mantel auf der Rückbank lag, und übergab ihn an den 45-jährigen Francis G. Anschließend fuhren sie zurück, der eine nach Berlin, der andere nach Hamburg. Am Dienstag gab es ein neues Treffen. Diesmal im Landgericht Cottbus. Francis G., zur Tatzeit Bereichsleiter Planung/Bau bei der Flughafengesellschaft FBB, ist der Bestechlichkeit angeklagt. Oliver B. und sein ehemaliger Chef Klaus B. müssen sich wegen Bestechung verantworten. Alle drei legten umfassende Geständnisse ab.

Francis G. hatte im September 2012 beim FBB seine Tätigkeit aufgenommen. Er beschrieb die Situation auf der BER-Baustelle als „Chaos“. So hätten sich mehr als 3500 Nachforderungen von Baufirmen angesammelt. „Es gab gegenseitig Vorwürfe. Die Kommunikation war so gut wie unmöglich.“ Um das zu verbessern, will Francis G. angeblich Kontakt zu Oliver B. aufgenommen haben, den er schon einige Jahre kannte. B. arbeitete für die Firma Imtech Deutschland. Die war auf dem BER-Bauplatz für technische Ausrüstungen zuständig und hatte Forderungen von mehr als 60 Millionen Euro an den FBB. Auf Wunsch von Francis G. vermittelte Oliver B. auch einen Termin mit dem Chef – dem heute 61 Jahre alten Klaus B.

Zuliefernde Firma stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit

So wurde ein Treffen in der Imtech-Zentrale in Hamburg organisiert. Über das Anbahnen der Schmiergeldzahlung gibt es verschiedene Varianten. Francis G. sagt, dass ihm Oliver B. schon in ersten Gesprächen deutlich gemacht habe, dass Imtech Provisionen von ein bis drei Prozent zahle. Im Gegenzug, sagte G., habe er Imtech bei der Begleichung von deren Forderungen unterstützen wollen. „Manchmal hakt es an Kleinigkeiten, und da kann man helfen.“ Oliver B. hat das anders in Erinnerung: Francis G. habe schnell deutlich gemacht, dass er an Zahlungen interessiert sei. Er habe ihm angeboten, ihn zu beteiligen, das habe er jedoch konsequent abgelehnt. „Meine Intention war es, der Firma in einer schwierigen Situation zu helfen“, so B. Sein Chef Klaus B. habe später gesagt: „Der Typ hat nicht alle am Zünder“, und von Millionenforderungen gesprochen.

So schien das Thema vom Tisch. Die Situation der Firma wurde aber bedrohlicher, so Klaus B. „Imtech hatte Liquiditätsprobleme.“ Am Ende habe er schließlich zugestimmt, an Oliver B. 170.000 Euro zu zahlen. „Mir war damals auch sofort klar, dass es ein Fehler war.“ Gelohnt hat sich die Schmiergeldzahlung für keinen. Oliver B. bekam am Ende nur 150.000 Euro, hat aber seinen Job beim FBB verloren. Klaus B. musste Anfang 2013 bei der Imtech ausscheiden, im August 2015 war die Firma insolvent. Klaus B. kündigte vorher, seinen neuen Posten bei einer anderen Firma musste er wegen des Strafverfahrens niederlegen. Der Prozess wird fortgesetzt.