Berlin für alle

Diese 11 Berliner Museen sind einen Besuch wert

Neu in der Stadt oder schon länger dabei? Wer Berlin kennenlernen will, kommt an den Museen nicht vorbei. Ein paar Tipps.

Die Büste der Nofretete im "Neuen Museum" in Berlin

Die Büste der Nofretete im "Neuen Museum" in Berlin

Foto: Markus Schreiber / AP

Für Anfänger

Nofretete und Ischtar-Tor auf der Museumsinsel

Für Neu-Berliner und Berlin-Besucher ist die Museumsinsel in der historischen Stadtmitte eine der ersten Adressen. Aber auch Alteingesessene können sich hier nicht sattsehen. Das Ensemble der fünf Museumsbauten zwischen Spree und Kupfergraben gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und beherbergt weltberühmte Sammlungen aus der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte sowie des Mittelmeerraums wie die Büste der Nofretete (Foto): Altes Museum (Antikensammlung), Alte Nationalgalerie (Gemälde und Skulpturen von der Goethezeit bis zum Realismus), Neues Museum (Ägyptisches Museum), Bode-Museum (Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst; Münzkabinett), Pergamonmuseum (Antikensammlung, Vorderasiatisches Museum und Museum für Islamische Kunst). Den Pergamonaltar kann man dort bis zum Jahr 2019 leider nicht sehen. Wegen Sanierungsarbeiten sind zurzeit nur der allerdings sehenswerte Südflügel mit dem Ischtar-Tor und dem Marktplatz von Milet sowie das Museum für Islamische Kunst geöffnet. Über die nördliche Monbijoubrücke vor dem Bode-Museum gelangt man im Anschluss zur Strandbar Mitte zum Entspannen an der Spree.

Museumsinsel, Mitte; Tel. 030 – 266 42 42 42 (Mo.–Fr., 9–16 Uhr); Di.–So. 10–18 Uhr, außer Do. 10–20 Uhr; Eintritt: Altes Museum, Alte Nationalgalerie: 10, erm. 5 Euro; Bode-, Pergamon- und Neues Museum je 12, erm. 6 Euro; Museumsinsel alle Ausstellungen: 18, erm. 9 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei; www.smb.museum

Picasso, Klee und Giacometti am Schloss

Drei Jahre lang wurde der Erweiterungsbau saniert, doch seit Mitte Juni ist das Museum Berggruen wieder komplett. Ein Besuch in diesem überschaubaren, aber feinen Museum lohnt sich. Beherbergen der Stülerbau und das benachbarte Kommandantenhaus am Schloss Charlottenburg doch eine beeindruckende Sammlung der klassischen Moderne, darunter Werke von Picasso, Klee, Matisse und Giacometti (Foto), für die das Haus nach dem Auszug der Antikensammlung auf die Mueumsinsel extra umgebaut wurde. Der Privatsammler Heinz Berggruen hatte die Werke der Stadt 1995 als Leihgabe überlassen, 2000 konnte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Sammlung, die noch erweitert werden soll, für die Nationalgalerie erwerben. Wer nach einem Rundgang noch Energie hat, muss nur die Schloßstraße überqueren, um auch noch die Surrealisten in der gegenüberliegenden Sammlung Scharf-Gerstenberg zu besichtigen.

Museum Berggruen, Schloßstr. 1, Charlottenburg; Tel. 266 424 242; Di.–Fr. 10–18, Sbd./So. 11–18 Uhr; Eintritt: 10, erm. 5 Euro (gilt mit für Sammlung Scharf-Gerstenberg)

Wo stand eigentlich die Berliner Mauer?

Wer Berlin besucht, will auch die Mauer sehen – oder was davon übrig ist. An der Gedenkstätte Berliner Mauer, die an die Teilung der Stadt und die Todesopfer erinnert, gibt das letzte erhaltene Stück des ehemaligen „antifaschistischen Schutzwalls“ einen Eindruck vom Aufbau der ehemaligen Grenzanlagen (Foto). Über die Geschichte der Berliner Mauer, Angebote der Gedenkstätte sowie die Orientierung auf dem Außengelände informiert das Besucherzentrum. Im Dokumentationszentrum widmet sich eine Ausstellung der Teilung Berlins und ihrer Auswirkungen. Im privat betriebenen Mauermuseum am Checkpoint Charlie werden die Dauerausstellung „Die DDR und die Berliner Mauer“ und dramatische Fluchtgeschichten gezeigt.

Gedenkstätte: Bernauer Straße 111–119, Mitte; Tel. 030 – 467 986 666; Zentren Di.–So. 10–18 Uhr, Außenausstellung tägl. 8–22 Uhr, Eintritt frei, öffentliche Überblicksführung So. 15 Uhr; www.berliner-mauer-gedenkstaette.de; Mauermuseum: Friedrichstraße 43–45, Kreuzberg, am U-Bhf. Kochstraße; tägl. 9–22 Uhr; Eintritt: 12,50, erm. 6,50–9,50 Euro

Für Fortgeschrittene

Zeitgenössisches im historischen Kopfbahnhof

Die historische Bahnhofshalle ist eine Traumkulisse für moderne Kunst und wirkt auch bei minimalistischen Exponaten wie den Bodenplatten des US-Bildhauers Carl Andre, die derzeit dort zu sehen sind, erhebend. Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart wurde 1996 für die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Nationalgalerie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eröffnet, die zu den bedeutendsten weltweit gehört. Seit 2004 beherbergt das Gebäude des 1884 stillgelegten Kopfbahnhofs zudem als Dauerleihgabe die Sammlung Flick, für die die ehemaligen Speditionshallen ausgebaut wurden. Zurzeit sind dort sechs Ausstellungen zu sehen, darunter „Das Kapital. Schuld – Territorium – Utopie“ mit Werken zahlreicher Künstler (Foto). Im Ostflügel können sich Besucher im Café-Restaurant von Sarah Wiener mit Terrasse am Kanal stärken.

Invalidenstraße 50–51, Mitte; Tel. 030 – 266 42 42 42; Di., Mi., Fr. 10–18, Do. 10–20, Sbd./So. 11–18 Uhr; Eintritt mit Sonderausstellungen: 14, erm. 7 Euro, bis 18 Jahre frei

Die Handschrift der Berliner Festspiele

Der denkmalgeschützte Martin-Gropius-Bau mit seinem imposanten Atri-um ist ein Juwel in Fußnähe der Neubauten am Potsdamer Platz. 1881 als königliches Kunstgewerbemuseum eröffnet, wird der im Renaissancestil gehaltene Bau heute von den Berliner Festspielen betrieben, die hier jährlich zehn Ausstellungen zeigen, darunter Ausflüge in die Kulturgeschichte wie 2015 zu den Wikingern (Foto), zeitgenössische Kunst und Fotografie – häufig in Kooperation mit internationalen Partnern. Zurzeit sind unter anderem Fotografien von Berenice Abbott (1898–1991), einer der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, und die Ausstellung „Gegenstimmen. Kunst der DDR 1976–89“ zu sehen.

Niederkirchnerstraße 7, Mitte; Tel. 030 – 254 86-0; Mi.–Mo. 10–19 Uhr; der Eintrittspreis variiert

Ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte

Die DDR und die Stasi – auch das ist ein Thema, das im Leben vieler Berliner Spuren hinterlassen hat. Wer nachvollziehen will, wie die SED-Diktatur Regimegegner bespitzelte, verfolgte und bestrafte, kann sich im Stasimuseum im ehemaligen Dienstsitz des Ministers für Staatssicherheit der DDR in Lichtenberg und bei einem zusätzlichen Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einer ehemaligen Untersuchungshaftanstalt, informieren. Ausstellungen und Zeitzeugen wie Christian Halbrock (Foto) führen durch dieses dunkle Kapitel DDR-Geschichte.

Stasimuseum, Ruschestr. 103, Haus 1; Tel. 030-553 6854 ; Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd./So. 11–18 Uhr, Führungen Sbd./So. 13 Uhr, Eintritt: 6, erm. 4 Euro, Schüler ab 12 Jahren 2,50 Euro; www.stasimuseum.de
Gedenkstätte Hohenschönhausen, Genslerstraße 66; Tel. 030 – 986 082-30; Führungen für Einzelbesucher und Kleingruppen bis 6 Pers. jede volle Stunde 10–16 Uhr; Ticket: 6, erm. 3, Schüler 1 Euro

Für Profis

Schauder bei 300 Jahren Medizingeschichte

Für das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité sollten Besucher nicht allzu zart besaitet sein. 300 Jahre Medizingeschichte und Forschung, da sind neben segensreichen Entdeckungen auch Behandlungsmethoden festgehalten, die in der Rückschau wie die reine Folter wirken. Auch die Körperteile und Organe in Glasbehältern sind für den Laien nicht immer ein einfacher Anblick. Etwa 750 Objekte (Foto) und Präparate sind in der Sammlung, die aus dem pathologischen Museum Rudolf Virchows hervorging, zu sehen. Der Zugang über die Ruine des alten Hörsaals, die als Veranstaltungsort gebucht werden kann, bringt Besucher mit medizinischem Hintergrund oder interessierte Laien in die angemessen morbide Stimmung.

Zugang über Charitéplatz 1 (ehemals: Schumannstraße 20/21), Mitte; Tel. 030 – 450-536 156; So., Di., Do., Fr. 10–17 Uhr, Mi. u. Sbd. 10–19 Uhr, Eintritt: 7, erm. 3,50 Euro

Wie Produkte unseren Alltag prägen

Was haben der Butterkeks, ein altes Philetta-Radio von Philips (Foto) und Wasserkessel des AEG-Designers Peter Behrens (Foto) zusammen in einem Museum zu suchen? Diese und andere Fragen kann das Museum der Dinge in Kreuzberg beantworten. Es ist ein Museum der Design- und Alltagskultur des 20. und 21. Jahrhunderts und zeigt, wie diese von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägt ist. Ein bisschen ist es auch eine Wiederbegegnung mit der Welt der Eltern und Großeltern, eine Zeitreise von den Schnörkeln der Jahrhundertwende zu einem funktionalen, leicht reproduzierbaren Design. Kern des Museums ist das Archiv des Deutschen Werkbundes, einer 1907 gegründeten Vereinigung von Künstlern, Indus-triellen und Kulturpolitikern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensform auch im Design manifestieren wollte. Ein Beispiel im Museum ist die „Frankfurter Küche“ von 1926, der Vorläuferin der Einbauküche, die streng nach den Bedürfnissen der Nutzerinnen konzipiert wurde und das Arbeiten darin vereinfachen sollte. Zurzeit wird neben der Dauerausstellung auch „Masse und Klasse – Gebrauchsgrafik in der DDR“ gezeigt.

Oranienstraße 25, Kreuzberg; Do.–Mo. 12–19 Uhr, Di./Mi. geschlossen, Eintritt: 6, erm. 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 J. frei; Führungen So. 14 Uhr und auf Anfrage; jeden 3. Sbd. im Monat, 14 Uhr, Workshops für Familien mit Kindern ab 6 J.; Tel. 030 –
92 10 63 -11; www.museumderdinge.de

Das „Feuerland“ Berlins von unten

Wer durch die glattsanierten Straßen von Mitte streift, weiß nicht unbedingt, dass er sich auf „Feuerland“ bewegt. So wurde der einstige Industriebezirk am Oranienburger Tor ab 1830 genannt. In einem versteckt liegenden, etwas düsteren Souterrain an der Linienstraße kann man sich darüber aufklären lassen. Die Künstler Rainer Görß und Ania Rudolph haben in den Kellern eines Hauses aus dem Jahr 1795, in denen sich noch bis 1995 auch eine Gießerei befand, eine kleine Wunderkammer aufgebaut, in die schmale Treppen im Hinterhof des Hauses führen. Das Untergrundmuseum (Foto) ist eine eigenwillige, zuweilen ironische künstlerische Interpretation von Industrie-, Stadt- und Gesellschaftsgeschichte in neun Themenräumen, die sich als „subversives Fragezeichen unter der monumentalen Berliner Museumslandschaft“ versteht. Die Sammlung, die auch aus zahlreichen Objekten aus 50 nach der Wiedervereinigung hastig abgewickelten Industriebetrieben besteht und von den Künstlern in 25 Jahren aufgebaut wurde, ist ausdrücklich weder didaktisch, ideologisch noch politisch korrekt. Sie wirft vielmehr ganz assoziativ Fragen auf, die bei den Führungen verhandelt werden können. (Noch) ein Geheimtipp für Kunststudenten, Familien und andere Neugierige.

U144 Untergrundmuseum, Linienstraße 144; Tel. 0174 482 2416; Besuch und/oder Führung (90 Min.) nur nach Anmeldung; Eintritt: 5, erm. 3 Euro