Für Anfänger und Profis

Ausflüge: So lernen Sie Berlin noch besser kennen

Sie wohnen erst seit kurzem in Berlin - oder sind alteingesessen, wollen die Stadt aber noch besser kennenlernen? Hier ein paar Tipps.

Der Orientalische Garten im Erholungspark Marzahn

Der Orientalische Garten im Erholungspark Marzahn

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Für Anfänger

Gärtnerische Weltreise

Chinesisch, japanisch, koreanisch – Die Gärten der Welt in Marzahn ermöglichen einen Ausflug in Traditionen und Gestaltungsideen ferner Länder. Auf 21 Hektar Fläche sind neun Beispiele für internationale Gartenkunst zu besichtigen. Aktuell sind der Balinesische Garten und der Italienische Renaissancegarten zwar nicht zugänglich. Doch die Wassergärten, Pavillons, Arkaden und Rabatten der sieben anderen Anlagen lohnen noch immer den Weg in den Erholungspark Marzahn. Ein Spaß für Familien ist sicher das Gartenlabyrinth aus Eiben. Ein Englischer Garten soll im kommenden Jahr im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) eröffnet werden. In Vorbereitung auf das Großereignis schließen die Gärten der Welt am 17. Oktober bis zum IGA-Start am 13. April 2017. Nicht mehr viel Zeit also, um das exotische Gartenparadies zu genießen.

Eisenacher Straße 99, S7 Marzahn, U5 Cottbusser Platz, Bus 195 bis „Gärten der Welt“. Geöffnet bis 17. Oktober, täglich ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Kasse: 9–20 Uhr, ab Oktober bis 18 Uhr. Eintritt 5, erm. 1,50 Euro. Thematische Führungen, Tel. 28 01 81 19

Mit dem Dampfer zur Märcheninsel

Eine Dampferfahrt auf der Unterhavel ist eine Tour durch Berlins grüne Seite. Das Ufer ist gesäumt von Grunewald, Villen und Gärten. Die Sacrower Heilandskirche liegt meist auf der Route, St. Peter und Paul in Nikolskoe und die legendäre Glienicker Brücke. Zum Pflichtprogramm gehört ein Besuch der nur per Fähre erreichbaren Pfaueninsel. Das verwunschene Eiland war für König Friedrich Wilhelm II. und seine Mätresse Wilhelmine Encke ein Liebesnest. Sie ließen das Lustschlösschen im Ruinenstil bauen. Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise nutzten die 67 Hektar große Havelinsel als Sommersitz. Freilaufende Pfauen geben ihr den Namen. Hunde sind deshalb nicht gestattet.

Mehrere Reedereien laufen den Anleger gegenüber der Pfaueninsel an: Reederei Lüdicke vom Spandauer Lindenufer, Reederei Hartmut Triebler ab Spandau oder Wannsee. www.ms-heiterkeit.de, www.reederei-h-triebler.de. Die Fähre pendelt täglich ab 9 Uhr, August bis 20, September bis 19, Oktober bis 18 Uhr. 4, erm. 3 Euro. Schlossbesichtigung nur mit Führung Di.–So. 10–17.30 Uhr, 3, erm. 2,50 Euro

Karaoke im Grünen

Aus den ehemaligen Grenzanlagen zwischen Wedding und Prenzlauer Berg ist ein grüner Treffpunkt für Berliner und Berlin-Touristen geworden. Hier wird sich gesonnt, gepicknickt, gespielt, jongliert, musiziert und natürlich gesungen. Die sonntäglichen Karaoke-Veranstaltungen im Amphitheater haben längst Kultcharakter. Langeweile kommt auf der grünen Spange zwischen dem früheren Ost- und dem alten West-Berlin niemals auf. Auf dem Weddinger Teil der Anlage ist jeden Sonntag Flohmarkt. An 150 Ständen verkaufen Händler und Nachwuchsdesigner Trödel, Antiquitäten und Neuwaren. Der Flohmarkt ist immer sehr gut besucht. Die bunte Kneipe „Mauersegler“, in der es auch Gegrilltes gibt, lädt ebenfalls sonntags zu Livemusik. Das „Schönwetter“ im Mauerpark hat Strandbar-Flair. Zum Cocktail im Liegestuhl gibt es abends Elektrosounds.

Haupteingang Bernauer Straße 6, U8 Bernauer Straße, Flohmarkt So. 9–18 Uhr. Lokal „Mauersegler“, 14–2 Uhr,
Tel. 97 88 09 04, Lokal „Schönwetter“ im Sommer Mi.–Sbd. ab 18 Uhr, So. ab 9.30 Uhr geöffnet

Für Fortgeschrittene

Dem Müller auf die Finger schauen

Der Besuch einer klappernden Mühle ist wie ein Kurztrip in die Vergangenheit. Die Britzer Mühle ist dieses Jahr 150 Jahre alt. Und wie beim Mühlenmeister Dörfer wird in der Holländermühle noch heute Getreide gemahlen. Der Britzer Müller Verein bietet Führungen an. An einem Stand gibt es mit Windkraft gemahlenes Mehl und Britzer Brot. Im alten Müllerhaus befindet sich das Restaurant Britzer Mühle. Ein Spaziergang durch den Britzer Garten, gleich nebenan, rundet den Familienausflug ab.

Buckower Damm 130, Bus M44, Führungen So. 11–16 Uhr und nach Vereinbarung (0171-316 24 53), 3 Euro, erm. 2,50, Kinder 1,50 Euro. Brot- und Mehlverkauf: Fr. 12–17, Sbd. So. 11–16, Restaurant tgl. 9–24 Uhr

Picknick auf dem Flugfeld

Familien kommen mit Grill und Kühltasche, ein Paar zieht bereits auf der Straße die Rollerblades an. Nach der Schließung des Flughafens ist das Tempelhofer Feld Berlins größter Freizeitpark geworden. Auf 300 Hektar haben Erholungsuchende und Sportler ideale Bedingungen. Die Start- und Landebahnen eignen sich gut für Radfahrer und Skater. Wer sich nicht selbst verpflegt, findet Biergärten. Das 1,2 Kilometer lange Flughafengebäude ist die Kulisse für Sonnenuntergänge.

Eingänge Tempelhofer Damm, Columbiadamm, Oderstr., U6 Platz der Luftbrücke, Aug. 6–21.30, Sept. 6–20.30, Okt. 7–19 Uhr. Führungen Gebäude Tel. 200 03 74-41

Mit der Tram zum Hauptmann von Köpenick

Die Route der 68 nach Alt-Schmöckwitz ist eine der schönsten Straßenbahnstrecken Deutschlands. Ausstiege lohnen. Zum Beispiel am Rathaus Köpenick, in dem vor 110 Jahren der Schuster Friedrich Wilhelm Voigt als Hauptmann verkleidet die Stadtkasse raubte. Das Rathaus ist Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Altstadt und zum Schloss. Weiter fährt die „Uferbahn“ an der Dahme ins Grüne. Zwischen Grünau und Schmöckwitz gibt es gemütliche Ausflugslokale und belebte oder versteckte Badestellen.

Tram 68, ab S-Bahnhof Köpenick, alle 20 Minuten, BVG-Tagesticket 7, erm. 5,70 Euro. www.tkt-berlin.de

Für Profis

Oase mit Havelblick

Der Landhausgarten Dr. Max Fränkel in Kladow ist ein Kleinod. Die drei Hektar große Anlage macht der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft entlang der Havel alle Ehre. In der Tradition Peter Josef Lennés hat der Berliner Gartenbaudirektor Erwin Barth in den 1920er-Jahren für den jüdischen Bankier Fränkel einen Park mit vielen Ruheinseln und Sichtachsen geschaffen, die immer wieder überraschende Ausblicke bieten. Beim Spaziergang auf den Kieswegen kann man über die Havel bis zum Strandbad Wannsee gucken. Jahrzehntelang war das Areal im Schatten der Mauer verwildert. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten ist es seit Frühjahr dieses Jahres wieder geöffnet. Im Wirtschaftsgebäude und dem Pferdestall des begeisterten Reiters Fränkel ist ein Besucherzen­trum entstanden. Hier gibt es auch ein Café, das selbst gemachten Kuchen und Snacks anbietet.

Landhausgarten Dr. Max Fränkel, Lüdickeweg 1, Kladow, Busse X34, 134 Hottengrund, oder mit der BVG-Fähre ab Wannsee, 30 Minuten Fußweg. Das Café ist bis 16. Oktober Fr.–So. 10–18 Uhr geöffnet. Der Garten zusätzlich Mo.–Do. 7–14 Uhr, Eintritt frei. Führungen So. 12 Uhr, 3 Euro

Wo Wildnis auf Technik trifft

Das Gelände eines früheren Güterbahnhofs hat sich die Natur zurückerobert. So gründlich, dass Teile des 18 Hektar großen Areals inzwischen Naturschutzgebiet sind. Das Schöneberger Südgelände ist ein Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. Den Reiz des Areals aber macht das Gemisch aus Wildnis und Technik aus. Denn nicht nur Gleisanlagen, sondern auch eine funktionsfähige Drehscheibe und eine alte Dampflok sind Relikte aus Bahnzeiten. Die alte Lokhalle nutzt eine Künstlergruppe, die den Naturpark mit Metallskulpturen gestaltet hat, aber auch die Rollgitter über den Wegen und den 50 Meter hohen Wasserturm wartet. In den Sommermonaten gibt es auf dem Gelände Theatervorstellungen und andere Kulturprojekte. Es werden regelmäßig Führungen angeboten. Fräulein Brehm erklärt das Tierleben. Das Café Paresüd in der Brückenmeisterei bietet sonntags Brunch.

Haupteingang über S-Bhf. Priesterweg (S2, S25), Eintritt 1 Euro (bis 14 J. frei), tgl. 9 Uhr bis zur Dunkelheit. Café Paresüd: bis Okt. Fr. 13–18, Sbd.+So. 11–18 Uhr. www.gruen-berlin.de/natur-park-suedgelaende

Kleine Flucht aus dem Großstadttrubel

Es ist ein besonderer Ort, ein Ort der Stille und der Besinnung. Das Buddhistische Haus in Frohnau war das erste seiner Art in Europa. Der Berliner Arzt Paul Dahlke, Wegbereiter des Buddhismus in Deutschland, ließ die Gebäude 1924 errichten. Wer heute durch das Tor mit den Elefanten tritt, entdeckt abseits des Großstadttrubels die Langsamkeit. 72 Stufen führen zu Dahlkes einstigem Wohnhaus, in dem Meditationskurse und Vorträge angeboten werden. Jeder, der die Schuhe ausgezogen hat, darf im Tempel mit dem goldenen Buddha meditieren oder mindestens innere Ruhe finden. Im Garten, wie die Gebäude unter Denkmalschutz, sind zwischen Buddha-Statuen und Schlangenmauer überall grüne Plätze zum Abschalten. Auf dem Rückweg zum S-Bahnhof Frohnau bietet sich eine Visite der Wohnstraßen an. In den 20er-Jahren war die Gegend angesagt, viele Unternehmer und etablierte Künstler ließen stattliche Villen bauen. Die Villa Worch (Zeltinger Straße 6), zeitweise Offizierscasino der Franzosen, ist als Centre Bagatelle nun Kulturzentrum. Am denk­malge- schützten Zeltinger Platz pflegt das Frohnauer Kaffeehaus Zeltinger Tradition.

Edelhofdamm 54, S1 Frohnau, Tempel tgl. 9–18, Kaffeehaus Zeltinger Mo–Fr 8.30– 18.30, Sbd./So. 9–18.30 Uhr, Tel. 401 10 17

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