Städtebau

Investoren bieten Studentenapartments zu Luxuspreisen

Private Firmen bieten Apartments für 20 Euro pro Quadratmeter an. Günstiger sind die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Das Interieur scheint schick, die Lage halbwegs angesagt, aber die Mieten sind mit um die 20 Euro pro Quadratmeter saftig. Statt Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft ist in Berlin offenbar bei Hochschülern zunehmend Wohnen im möblierten Designambiente privater Investoren gefragt. „Das singuläre Wohnen liegt voll im Trend“, bestätigte ein Immobilienexperte der Berliner Morgenpost.

22,75 Euro brutto warm kostet beispielsweise der Quadratmeter einer 24 Quadratmeter kleinen Einzimmerwohnung im neuen „Medienfenster Adlershof“, macht im Monat 546 Euro. „Die größeren Wohnungen“, sagte eine Mitarbeiterin des Vermietungsbüros der Berliner Morgenpost, „sind pro Quadratmeter etwas günstiger.“ So kostet in der neuen Wohnanlage an der Rudower Chaussee 5 A–C beispielsweise die mit 28 Quadratmeter etwas größere Single-Wohneinheit monatlich 612 Euro Warmmiete. Und für bereits berufstätige Pendler gibt es die voll möblierte 83 Quadratmeterwohnung für 1232 Euro Warmmiete.

80 Prozent der Wohneinheiten in Adlershof sind aber kleinere Singlewohnungen, von denen ein Großteil noch nicht belegt sei. Der Investor der Wohnanlage mit 153 Studentenapartments, die Grundstein Development GmbH, feiert heute unter anderem im Beisein von Staatssekretär Engelbert Lüdtke Daldrup (SPD) großes „Übergabefest“. Das neue Wohn- und Geschäftshaus bildet laut Werbetext auf der Homepage des Vermieters „das Tor zum Medien- und Technologiestandort Adlershof und liegt direkt in der Nähe zum Campus Adlershof der Humboldt-Universität zehn Minuten zu Fuß.“

Ein mit mehr als 400 Wohneinheiten größeres Projekt entsteht derzeit an der Jülicher Straße in Mitte. Dort vermietet das in München beheimatete Unternehmen Campus Viva ab Oktober Studentenapartments. Die möblierte 21-Qudratmeter-Wohnung kostet 460 Euro Warmmiete, was einem Quadratmeterpreis von fast 22 Euro entspricht. Zur Anlage gehören unter anderem ein Fitnessraum, ein Kickerraum, ein Waschcenter, ein Lernraum, eine Gartenterrasse mit Liegewiese sowie eine Dachterrasse. Selbst Tiefgaragenplätze können die Bewohner für 50 Euro im Monat mieten.

„Mut zu Micro“ lautet die Devise für Singleapartments

Mit gerade mal 16 Quadratmetern müssen sich Studenten begnügen, die künftig ein Apartment von Berlinovo in Lichtenberg beziehen wollen. „Mut zu Micro“ lautet hier das Konzept für Singleapartments, die auf kleinstem Raum Wohnen, Schlafen, Essen und Sanitär unterbringen – für voraussichtlich 315 Euro brutto warm, also etwas mehr als 19 Euro pro Quadratmeter. „Micro“ scheint auf die Fläche bezogen auch die Devise weiterer im Bau oder in Planung befindlicher Studentenapartments in Kreuzberg oder auch in Charlottenburg. Der Hamburger Asset- und Investment-Manager MPC Capital plant für seine sogenannte Micro Living-Plattform Staytoo den Umbau eines Bürogebäudes auf einem 1231 Quadratmeter großen Grundstück an der Leibnizstraße 3–4. Auch an der Dudenstraße am Lokdepot entsteht bis 2017 ein Wohnhaus mit kleinen Studentenapartments. Die Preisgestaltung, so Stefan Zenker von MPC in Hamburg, stehe noch nicht endgültig fest.

Fest steht, dass die Mieten landeseigener Wohnungsbaugesellschaften wie der Degewo, die bereits in Adlershof 31 Wohnungen im Quartier „Wohnen am Campus“ errichtet hat, weitaus günstiger sind. Die Nettokaltmiete liegt dort bei 6,50 Euro pro Quadratmeter ­– und ist laut Sprecher Lutz Ackermann auf das Budget von Studenten zugeschnitten. Nach Angaben Ackermanns plant das Unternehmen ab dem zweiten Quartal 2017 auch weitere Wohnungen für 126 Studenten in Marzahn.

Die kommunale Gewobag will Ende 2016 mit Bauarbeiten in Wedding starten. Insgesamt sollen in zwei Objekten Wohnungen für mehr als 120 Studenten entstehen. Voraussichtlich von Anfang 2017 an will die ebenfalls landeseigene Gesobau 141 Plätze in Mitte schaffen. In Charlottenburg will die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte in Modulbauweise errichtete Flüchtlingsunterkünfte später an Studenten vermieten. Der genaue Termin steht laut Sprecherin Steffi Pianka noch nicht fest. „Fakt ist, dass wir hier preiswerte kleine Wohnungen planen.“ mit dpa