Predictive Policing

Polizei testet Software im Kampf gegen Einbrecher

Ein Computerprogramm soll vorhersagen, wann und wo Einbrecher in Berlin zuschlagen. In zwei Direktionen laufen derzeit Tests.

Wohnungseinbrecher

Wohnungseinbrecher

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr bislang um rund zehn Prozent gestiegen. Jetzt will die Berliner Polizei neue Wege beschreiten, um den Kampf gegen Einbrecher zu verschärfen.

Mit einem in Eigenregie programmierten Analyseinstrument sollen die Prognosen über Einbruchsschwerpunkte und mögliche künftige Einbrüche verbessert werden. „Die Forderung nach so einem Instrument steht seit langem im Raum“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Mittwoch. „Jetzt haben wir einen Prototyp entwickelt, der im Probelauf vielversprechende Ergebnisse geliefert hat.“ In zwei Polizeidirektionen wird die Software laut Polizei derzeit schon getestet.

Spezialisten der Polizei haben in den vergangenen Monaten die bestehenden Analyse-Instrumente der Polizei in einem Programm gebündelt und werten die Daten jetzt jeden Morgen aus. So sollen vor allem Tatmuster von Intensivtätern erkannt werden, die für einen Großteil der Wohnungseinbrüche verantwortlich sind. Nach Stephan Harnau, Chef-Analytiker der Berliner Polizei, steht nicht unbedingt im Vordergrund, Täter auf frischer Tat zu überführen, sondern durch Prävention Einbrüche zu vermeiden und die Bewohner vor möglichen Folgetaten zu sensibilisieren.

>>>Wo Einbrecher in Berlin zuschlagen<<<

„Wir erwarten keine schnellen Erfolge, wir brauchen den langen Atem“, sagte Kandt. Das Analyseprogramm soll in der „dunklen Jahreszeit“ – also ab dem Herbst - in allen Direktionen zum Einsatz kommen. In diesem Jahr verzeichnete die Polizei bereits 6690 Wohnungseinbrüche. Das sind 590 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Aufklärungsquote ist gering. Im gesamten vergangenen Jahr lag sie bei 4,2 Prozent, in diesem Jahr liegt sie derzeit bei 5,6 Prozent. Drei Viertel davon werden nach Angaben Kandts durch aufmerksame Nachbarn aufgeklärt.

In anderen Bundesländern wie Bayern und im Ausland wird vergleichbare Software bereits eingesetzt. Wie gut sogenanntes Predictive Policing wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch Datenschützer äußerten sich teils kritisch. Die Polizei erklärte dagegen in einer Mitteilung, dass nur rechtmäßige Daten Verwendung fänden, die nicht an externe Partner herausgegeben würden.