City-West

So will die CDU den Hardenbergplatz umgestalten

Der Masterplan für das Gelände rund um den Bahnhof Zoo ist veraltet. Die CDU hat neue Ideen für den Platz.

So könnte der Hardenbergplatz in Zukunft aussehen

So könnte der Hardenbergplatz in Zukunft aussehen

Der Hardenbergplatz ist einer der wichtigsten Plätze in der Berliner Innenstadt. Aber schön ist er nicht. Berlin gönnt sich in bester Citylage einen großen, hässlichen Pkw-Parkplatz. Alle Bestrebungen, die Stellflächen unter die Erde zu verlagern, sind bislang gescheitert.

Auch Zoodirektor Andreas Knieriem beklagte kürzlich die mangelhafte Aufenthaltsqualität des Platzes und mahnte mehr Grün an. Stefan Evers, umtriebiger stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, meint, dass in den fünf Jahren der nun zu Ende gehenden Legislaturperiode an dieser Stelle zu wenig Stadtplanung betrieben worden sei. Er legte jetzt eine Vision vor, die nicht nur den Hardenbergplatz umfasst. Evers möchte das gesamte Quartier rund um den Bahnhof Zoo neu gestalten.

Büros und preisgünstige Wohnungen

Es gibt einen Masterplan des Senats für den Campus der beiden Universitäten in Charlottenburg. Letztlich geht es dabei um das gesamte Gebiet zwischen Bahnhof Zoo, Hardenbergstraße, Ernst-Reuter-Platz, Straße des 17. Juni, Landwehrkanal und Zoologischem Garten. Der Masterplan sei zehn Jahre alt und berücksichtige nicht die Renaissance der City West, moniert Evers.

Er müsse weiterentwickelt werden, um die planerische Grundlage dafür zu schaffen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof Zoo ein Zukunftsquartier nicht nur für Wissenschaft, sondern auch für Wirtschaft und Wohnen zu entwickeln. Büros und preisgünstige Wohnungen, etwa für Studenten, würden dringend gebraucht. Auch die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte gefordert, den Masterplan fortzuschreiben. CDU-Politiker Evers kann sich dabei gut ein paar Hochhäuser vorstellen, etwa an der Hardenbergstraße oder auf dem sogenannten Riesenradgelände an der Hertzallee.

„Am Bahnhof Zoo müssen wieder Fernzüge halten“

Seit 2015 gehört das Areal einer Münchener Investorengruppe. Der Senat sowie die Bezirksämter Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf wünschen sich dort Wohnungsbau, Büros und Flächen für die Technische Universität (TU) und die Universität der Künste (UdK). Dafür müsste das Baurecht geändert werden. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat erklärt, mit den Investoren im Gespräch zu sein. Es werde aber wohl zwei Jahre dauern, bis erste Projekte genehmigt werden könnten.

Die AG City und Architekt Christoph Langhof hatten 2014 vorgeschlagen, auf dem Riesenradgelände ein Hochhaus zu errichten. Dem Entwurf für einen 209 Meter hohen Wolkenkratzer erteilte allerdings der Bezirk eine klare Absage, auch viele Landespolitiker reagierten entsetzt. So hoch hinaus will Evers nicht, deutlich höher als die übliche Berliner Traufhöhe will er allerdings gehen.

Ein Dorn im Auge sind dem CDU-Abgeordneten die 70er-Jahre-Bauten nördlich der Jebensstraße. Evers würde die Gebäude, zu denen auch die Zen-trale der Berliner Bank zählt, am liebsten abreißen lassen und die Grundstücke neu entwickeln. Sie gehören zum großen Teil dem Bund. Ob sich der Bund damit anfreunden könnte, ist bislang offen. Der Unionspolitiker indes ist überzeugt: „Der städtebauliche Zustand des Quartiers ist für diese Adresse nicht akzeptabel.“

"Eine politische Grundsatzentscheidung fehlt“

Das gelte auch für den Hardenbergplatz. Evers will dort von privaten Investoren eine Tiefgarage bauen lassen. Er ist, anders als der Bezirk, überzeugt, dass es dafür Interessenten gibt und fordert eine vom Senat beauftragte Marktabfrage, um eine Entscheidungsgrundlage zu bekommen. In der Tiefgarage könnten auch Ladestationen für Elektroautos und sichere Fahrradstellplätze untergebracht werden. Dann könne der Platz oberirdisch neu gestaltet werden, fußgängerfreundlich, mit neuer Anordnung der Bushaltestellen und mehr Grün. „Geld ist vorhanden, aber es passiert nichts, weil eine politische Grundsatzentscheidung fehlt“, kritisiert Evers.

In den Leitlinien für die City-West der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es zwar, für den Hardenbergplatz müsse eine neue Planung entwickelt werden. Bislang aber wurde keine Planung umgesetzt. Bereits vor zwei Jahren hatten auch AG City, die Industrie- und Handelskammer sowie prominente Anrainer eine „große Lösung“ für Platz und Umfeld gefordert.

In einem Punkt immerhin ist sich Stefan Evers mit Stadtentwicklungs- und Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) einig: „Am Bahnhof Zoo müssen wieder Fernzüge halten“, sagt Evers. Geisel hatte dies im Mai gefordert. Die Bahn reagierte zurückhaltend, allerdings nicht völlig ablehnend.

Mehrere Hochhäuser vorgesehen

Hinter dem ungeliebten Platz tut sich allerdings bereits etwas. Die verlängerte Hertzallee soll ausgebaut werden. Dafür wurde Mitte Juni der erste Spatenstich gesetzt. Das Projekt dient dazu, den Campus der Technischen Universität zu öffnen und besser mit der City-West zu vernetzen. Zudem baut die TU mehrere große Wissenschaftseinrichtungen.

Das aber ist noch nicht der geforderte große Wurf. Mit dem hatte sich vor mehr als drei Jahren auch das renommierte Architekturbüro Kleihues + Kleihues beschäftigt. Das Büro hatte für das 120.000 Quadratmeter große Grundstück zwischen Hardenberg- und Müller-Breslau-Straße sowie Jebens- und Fasanenstraße ein ganzes Stadtquartier mit Wohn-, Büro- und Geschäftsflächen konzipiert. Wie Stefan Evers ist auch Jan Kleihues überzeugt, dass das Areal hinter dem Bahnhof Zoo viel Potential birgt. Es sei aber in den vergangenen Jahrzehnten unterschätzt und vernachlässigt worden. Auch Kleihues sieht in seinen Entwürfen mehrere Hochhäuser vor.