Karten mit Weißraum

Warum nicht nur die DDR-Karte von Ost-Berlin ein Loch hat

West-Berlin ist auf einer DDR-Karte von 1988 „Terra incognita“. Das Comedy-Duo „Map Men“ knöpft sich auf Youtube solche Karten vor.

Die „Map Men“ („Karten-Männer“) Jay Foreman and Mark Cooper-Jones beschäftigten sich auf ihrem amerikanischen Youtube-Kanal mit allerhand Karten von Städten und Ländern. In einer der wenige Minuten langen Folgen befassen sie sich mit einer Berlin-Karte von 1988.

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Die zeigt natürlich Berlin. Oder, im wörtlichen Sinne: nicht ganz. Weil die Karte aus der „Hauptstadt der DDR“, also aus dem Osten der Stadt stammt, zeigt sie neben dem sowjetischen Sektor auch noch „400 Hektar Weiß“, wie Foreman und Cooper-Jones erklären. „Das ist aber sehr verdächtig“, sagt einer der beiden. „Das ist es auch“, meint der andere. Für alle Unkundigen - das Video richtet sich eher an Amerikaner denn an Berliner - geben sie die Erklärung dazu:

Dieser Teil da in der Mitte der Karte, zwischen Berlin-Mitte und Potsdam, das sei West-Berlin - abgetrennt vom Rest Deutschlands von der Berliner Mauer. Was die DDR-Führung natürlich nicht wollte, so sagen die beiden, sei eine Karte vom florierenden Westen der Stadt, mit Flughäfen, Einkaufszentren und Familienangehörigen, die man vor dem Mauerbau noch besuchen konnte. (Dass es mit Schönefeld natürlich auch einen Flughafen für Ost-Berlin gab, wissen die Youtube-Comedians offenbar nicht.)

Für eine Kriminalitätskarte von Berlin benötigt man laut den „Map Men“ auch nur Weiß

Egal, den beiden geht es um etwas anderes: „Nur weil auf einer Karte etwas nicht zu sehen ist, heißt das noch nicht, dass die Karte verkehrt ist“, sagen sie. Schließlich müssten sich die Macher einer jeden Karte entscheiden, was sie grafisch darstellen und was nicht. Je nachdem, wofür die Karte gedacht sei. Da gebe es zum Beispiel Berlin bei Google Maps bzw. Street View. Und eine Kriminalitätskarte von Berlin. Die hat - in der Darstellung von Foreman und Cooper-Jones - nicht nur ein weißes Loch, sondern ist komplett weiß. Berlin sei nämlich sehr, sehr sicher. „Naja, relativ“, möchte man als Berliner da einwenden.

Aber der Punkt sei folgender: Sämtliche theoretisch darstellbaren Informationen könne eine Karte nie enthalten. Und da, so die Logik des Comedy-Duos, Ost-Berliner ja ohnehin nicht in den Westen reisen durften, sei die Karte für Ost-Berliner eben ja doch irgendwie akkurat, aber - so viel Kritik an den Verhältnissen in der DDR gibt es dann doch - sehr, sehr albern.

Eine Frankreich-Karte zeigt Weißraum statt Paris

Gleichwohl: Das ist bei weitem nicht die einzige Karte dieser Art. Es gibt nämlich noch viel mehr „Maps with gaps“, Karten mit Lücken also. Foremann und Cooper-Jones haben ein paar Beispiele gesammelt: Von Frankreich gibt es eine Karte, die die Hauptstadt Paris einfach komplett ausspart - weil sie ohnehin in ihrem Detailreichtum nicht darstellbar sei. Also klafft anstelle von Paris ein weißes Loch in der Karte. Eine Karte aus Südkorea wiederum zeigt - ähnlich wie in der DDR - den Norden des Landes nur als weißes Niemandsland. Der Grund laut den beiden: Der kommunistische Machthaber Kim Jong-un lasse keine Kartografen ins Land.

Auch auf vereinfachten Karten von Grönland finden sich nur eine Handvoll Städte - und sonst Weißraum. Inzwischen aber, so erklären die Amerikaner ihrem Publikum, habe es ja in Europa die deutsche Einheit gegeben. Und darum gebe es heute eben Karten, die ganz Berlin zeigen. Und das mache die Karte aus Ost-Berlin von 1988 eben so interessant.