Berliner Verwaltung

Diese Frau ist Berlins oberste IT-Expertin

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Andreas Abel
 Ines Fiedler leitet seit dem 1. Mai den zentralen IT-Dienstleistungsbetrieb der Berliner Verwaltung. Sie wohnt in Steglitz

Ines Fiedler leitet seit dem 1. Mai den zentralen IT-Dienstleistungsbetrieb der Berliner Verwaltung. Sie wohnt in Steglitz

Foto: ITDZ Berlin/Christoph Petras

Ines Fiedler steht an der Spitze des landeseigenen IT-Dienstleistungszentrums – und vor großen Herausforderungen.

Der Zustand der Informations- und Kommunikationstechnologie in den Berliner Behörden ist ein steter Quell des Ärgers und der Kritik. Die zielt häufig auch auf das IT-Dienstleistungszen­trum (ITDZ) Berlin, den zentralen IT-Dienstleister der Senatsverwaltungen, Bezirke und öffentlichen Einrichtungen. Wobei der Begriff „zentral“ schon missverständlich sein kann, denn längst nicht alle Verwaltungen sind dort Kunden. Das ist auch ein Teil des Problems. Das ITDZ sei zu teuer, zu wenig dienstleistungsorientiert und eher unattraktiv für die Verwaltung, kritisierten etwa SPD- und Grünen-Abgeordnete. Welche Schwierigkeiten sich aus dem Berliner IT-Flickenteppich ergeben, zeigte sich zuletzt bei den Tests der Software für die Abgeordnetenhauswahl im September.

Alle 40 Führungsstellen neu besetzt

Im Dienstleistungszentrum an der Berliner Straße in Wilmersdorf verkennt man die Probleme nicht und will besser werden. Dazu wurde eine Strategie „ITDZ 2020“ aufgelegt, um das Haus neu aufzustellen, wurden alle rund 40 Führungskräftepositionen neu ausgeschrieben. Seit 1. Mai steht auch ein neuer Vorstand an der Spitze, genauer gesagt eine Vorständin: Ines Fiedler. Die 52-Jährige hat das Metier von der Pike auf gelernt, ist nach dem Studium an der Humboldt-Universität in vielen Sparten der Branche tätig gewesen, als Programmiererin, Softwareentwicklerin und Betreuerin von Datenzentren. Seit rund 17 Jahren managt sie IT-Projekte, auch im Dienstleistungsbereich. Vor zweieinhalb Jahren kam sie ans ITDZ, zunächst als Leiterin der wichtigen Abteilung „Infrastruktur und Basisdienste“. Nun ist die Mutter zweier erwachsener Kinder Chefin in einer Männerdomäne.

„Wir wollen Berater auf Augenhöhe werden“

Eine andere der insgesamt fünf Abteilungen heißt „Kunden und Lösungen“. An der Schnittstelle zwischen IT-Dienstleistungszentrum und den Kunden in der Verwaltung haperte es bislang oft, daher rührt auch das Image des ITDZ. „Wir müssen die Qualität verbessern, unsere Kunden besser verstehen und mit ihnen gemeinsam Projekte managen“, sagt Ines Fiedler selbstkritisch. Das bedeute mehr Kundenservice, mehr Verlässlichkeit, mehr Effizienz. „Wir wollen der professionelle IT-Partner der Verwaltung und Berater auf Augenhöhe werden.“ Heute werde das Haus häufig nur als Infrastrukturbetreiber wahrgenommen.

Das von der rot-schwarzen Regierungskoalition kürzlich beschlossene E-Government-Gesetz stellt dabei eine große Herausforderung dar, bietet aber auch Chancen. Bis 2023 muss verbindlich in der gesamten öffentlichen Verwaltung die E-Akte eingeführt sein. Zudem werden alle Behörden verpflichtet, ihre IT-Technik über das ITDZ zu beschaffen. Im Gegenzug müssen die Dienstleister aber Hard- und Software zu marktüblichen Preisen anbieten. Gleichzeitig wird mit den Vorgaben des E-Government-Gesetzes auch erreicht, dass die IT-Architektur der Berliner Verwaltungen standardisiert wird.

Demografischer Wandel zwingt zur Digitalisierung

Mit der E-Akte werde eine große Veränderung einhergehen, dabei müssten die Mitarbeiter intensiv begleitet werden, sagt Fiedler. Die Frage, ob 2023 zu früh oder zu spät sei, stelle sich nicht. „Es ist eine Notwendigkeit“, betont sie. Der demografische Wandel und damit die Pensionierungswelle in den Ämtern zwinge zur Digitalisierung, die jüngeren Berliner würden sie zudem auch erwarten. In den kommenden Monaten müsse mit allen Verwaltungen der Übergang in die neuen Strukturen besprochen werden. Auch, wo deren IT-Personal künftig arbeitet, müsse geklärt werden.

Gewissermaßen das Herzstück des ITDZ sind die beiden Rechenzentren. Eines ist im Haus an der Berliner Straße untergebracht und verarbeitet diejenigen Daten der Verwaltung, die nicht besonderen Sicherheitsanforderungen unterliegen. Spannender ist das andere, das in der Sprache der Fachleute High Secure Data-Center (HSDC) heißt. Zur Sicherheit gehört auch, dass sein Standort absolut geheim gehalten wird. Nur so viel sei verraten: Es liegt unterirdisch in Wilmersdorf. Mehrere Sicherungssysteme mit Kameras, Kartenlesegeräten und Schleusen sorgen dafür, dass dort nur hineinkommt, wer auch berechtigt ist.

Hort der gesamten digitalen Identität aller Berliner

Das hochsichere Rechenzentrum existiert seit rund 20 Jahren, wird ständig erweitert und modernisiert. Zurzeit sind dort 1900 physische und 2500 virtuelle Server untergebracht. Auf ihnen liegen unter anderem alle wichtigen personengebundenen Daten, die landesweit gesteuert werden, von Melde- und Steuerdaten über diejenigen vom Bürgeramt und der Kfz-Zulassungsstelle bis zur Polizeiakte, sofern vorhanden – also die gesamte digitale Identität der Berliner. Darum der Aufwand. Der umfasst auch zwei Diesel-Notstromaggregate, falls mal der Strom ausfällt. Trotz des hohen Sicherheitslevels gebe es regelmäßige Versuche, das Rechenzentrum zu hacken, erzählt Ines Fiedler. Alle habe man abwehren können.

Der Dienstleister in Zahlen

Umsatz: Das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und finanziert sich über die eigenen Leistungen. Der Gesamtumsatz liegt bei 133 Millionen Euro pro Jahr.

Mitarbeiter: Im ITDZ arbeiten 582 Menschen, davon 54 Auszubildende und duale Studenten. Sie betreuen unter anderem 12.500 der rund 70.000 IT-Arbeitsplätze in der Verwaltung und zwei Drittel aller Verfahren.

Bürgertelefon: Das ITDZ betreibt auch das zentrale Bürgertelefon mit der Rufnummer 115. Im vergangenen Jahr liefen dort eine Million Anrufe auf, im Service-Center insgesamt 2,8 Millionen Anrufe.