Prozess

Denny H: Falscher Arzt wollte eigene Firma gründen

Denny H. verklagte erfolgreich seinen Arbeitgeber, die Deutschen Stiftung Organtransplantation, und bekam 35.000 Euro Abfindung.

Der Angeklagte Denny H.

Der Angeklagte Denny H.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Denny H. alias Dr. med. Cato H. hatte auf seiner ersten Station als falscher Arzt den idealen Arbeitsplatz gefunden. Der Leiter der Region Nord-Ost der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) Dr. med. Detlef Bösebeck sagte am Montag vor einer Moabiter Strafkammer, dass Denny H. absolut unauffällig gewesen sei: „schüchtern, aber durchaus engagiert“. Bösebeck war im Jahr 2010 wenigen Wochen nach Denny H.s Beschäftigungsbeginn beim DSO aus Bayern nach Berlin gekommen. Sein Vorgänger hatte ihm Denny H. als „erfahrenen Mann“ vorgestellt. Auch anderen Kollegen sei später nicht aufgefallen, dass der DSO-Koordinator Denny H. gar kein Arzt ist. Das sei auch dadurch begünstigt worden, so Bösebeck, weil beim DSO erfahrene Krankenpfleger mit einer speziellen Anästhesieausbildung arbeiten und es große Überschneidungen mit dem Tätigkeitsgebiet der Ärzte gibt.

Senator Mario Czaja schaltete sich in Ermittlungen ein

Am 12. November 2013 wurde Denny H. dann aber doch fristlos gekündigt - aber nicht weil entlarvt wurde, dass er Krankenpfleger ist. Als Gründe wurden Arbeitszeitbetrug und Dokumentendiebstahl genannt. Er habe vorgehabt, eine eigene Firma zu gründen, sagte Bösebeck. „Er plante eine Parallelorganisation zur DSO“. Denny H. habe dafür während der Arbeitszeit auch schon Kontakte zu Ärzten verschiedener Kliniken aufgenommen. Ein Chefarzt des Berliner Unfallkrankenhauses habe ihn damals angerufen und über das merkwürdige Vorgehen des BSO-Koordinators Dr. H. informiert, sagte Bösebeck

Weitere Recherchen führten bis zum Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), der seinen Büroleiter beauftragte, diesen Fall zu prüfen. Denny H. hatte sogar eine Gesetzesänderung vorgeschlagen und ein Konzept zum Thema Organtransplantation vorgelegt - „das Waren Raubkopien unseres eigenen Konzeptes“, so Bösebeck.

Nach seiner fristlosen Kündigung besaß Denny H. auch noch die Frechheit, vor dem Arbeitsgericht dagegen zu klagen. Er bekam in erster Instanz Recht. Das BSO legte Berufung ein, einigt sich mit Denny H. vor dem zweiten Prozess jedoch außergerichtlich. Er konnte eine Abfindung von 35.000 Euro einstreichen und erhielt - auch das gehörte zum Vergleich - eine Beurteilung, in der er als hervorragender Arzt gelobt wurde.

Die 35.000 Euro Abfindung, 300.000 Euro an Gehältern und eine vom BSO gezahlte Altersrücklage von 7000 Euro wird Denny H. wohl zurückzahlen müssen. Und es kommen noch weitere Einnahmen hinzu, die der Hochstapler als Schiffsarzt von der Aida Cruises erhielt. Das wird Thema der nächsten Prozesstage sein.