Irreführende Werbung

Verdacht auf falsche Sterne bei Berliner Hotels

Zehn Prozent der Häuser in der Hauptstadt werben irreführend, wie eine Recherche in rund 1000 Häusern deutschlandweit ergeben hat.

Hotelzimmer

Hotelzimmer

Foto: Jan Haas / picture alliance / Jan Haas

Laut Recherchen des „ZDF“ wirbt jedes vierte deutsche Hotel unrechtmäßig mit Sternen. Von diesem Ergebnis berichtete Journalist Andreas Baum in den Sendungen „Zoom“ am Mittwoch und „Frontal 21“ am Dienstag. 25 Prozent der von ihm im April und Mai diesen Jahres getesteten Hotels würden mit falschen oder mit Sternen, die abgelaufen und daher nicht mehr gültig sind, werben. Insgesamt testete Baum mit seinem Team 1000 Hotels in zehn Städten.

Auf dem Spitzenplatz der Sternesünder liegt demnach Köln mit 34 Prozent. Berlin ist mit zehn von 100 Hotels, die irreführend werben oder deren Klassifizierung abgelaufen ist, noch auf dem positiven letzten Platz gelandet. Als Beispiele wurden der „Zarenhof“ in Friedrichshain, der „Potsdamer Hof“ sowie das „Sofitel Berlin Gendarmenmarkt“ angeführt.

Der „Zarenhof“ hat von drei Häusern bislang nur zwei klassifizieren lassen, auf den Seiten aller drei leuchten jedoch vier Sterne. Auf den Seiten des „Potsdamer Hof“ waren am Donnerstag keine Sterne mehr zu entdecken, wie auch auf der Seite des „Sofitel“. Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost hieß es von Direktorin Tina Senfter, dass das Haus die Berichterstattung ernst genommen habe und die Sterne auf der Seite entfernt hat. „Wir bedauern diese fehlerhafte Darstellung“, heißt es. Der „Zarenhof“ sowie der „Potsdamer Hof“ waren am Donnerstag zu keiner Stellungnahme bereit.

"Gute Quote" für Berlin

Vergeben werden in Deutschland ein bis fünf Hotelsterne ausschließlich vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Das Ausmaß illegitimer Sternewerbung scheint erheblich zu sein“, sagte Markus Luthe vom Bundesverband am Donnerstag. „Wir werden vor diesem Hintergrund unsere Eigenrecherchen intensivieren.“ Die in einen Bundes- und Landesverbände gegliederte Interessenvertretung klassifiziert Hotels anhand von 270 Kriterien wie der Frage nach einem Telefon (drei Sterne), einer Minibar (vier Sterne) oder einem Safe auf dem Zimmer (fünf Sterne). Diese Klassifizierungen, die je nach Bundesland und Größe der Hotels bis zu 2000 Euro kosten, sind für drei Jahre gültig.

In Berlin kümmert sich lediglich eine Mitarbeiterin des Dehoga um die Klassifizierung. Christine Vitt sprach am Donnerstag von einer „guten Quote“ für Berlin. „Jedes Haus, das wir bei irreführender Werbung entdecken, sprechen wir an“, so Vitt. „Wir sind da sehr hinterher.“ Einige Häuser entscheiden sich jedoch generell dagegen. So sind in Berlin das „Waldorf Astoria“, das „Intercontinental“ und „Das Stue“ nicht sterneklassifiziert. Fünf Häuser, so Vitt, befinden sich derzeit im Antragsverfahren. Nachdem sie auf ihre irreführende Werbung aufmerksam gemacht worden waren.