Berlin

Bauherr und Bildhauer Karsten Klingbeil gestorben

Er war einer der ganz Großen im alten West-Berlin. In den 70er- und 80er-Jahren wurde Karsten Klingbeil mit der nach ihm benannten Bauträgergruppe zum erfolgreichsten Bauunternehmer in der hoch subventionierten Halbstadt. Dabei hat ihn lange gegrämt, dass ihm der Abriss des alten, schon maroden Sportpalastes an der Potsdamer Straße vorgehalten wurde wie auch die Verantwortung für den Neubau, eine Wohnmaschine, die die Berliner flugs zum „Sozialpalast“ abstempelten.

Aller unternehmerische Erfolg war für ihn eigentlich nur Mittel zum Zweck, um irgendwann seine wahre Berufung auszuleben. Das war die Bildhauerei. 1925 in Stettin geboren und 1936 mit dem Eltern nach Berlin umgezogen (sein Vater wurde S-Bahn-Chef), hat er sich vor dem Kriegsdienst in Berliner Bildhauerateliers (unter anderem bei Renée Sintenis) ausbilden lassen. Nach dem Krieg studierte er an der Hochschule für Bildende Künste. Mit 60 Jahren hatte er genug verdient, um sich fortan ganz der Kunst zu widmen. Endlich war er Bildhauer, stellte seine Skulpturen im eigenen großen Garten in Wannsee aus, auch in Monte Carlo, Paris oder Verona, mit mehreren Preisen wurde er ausgezeichnet.

Zum zweiten großen Lebensglück wurde seine vierte Ehe. Ulla, einst seine Sekretärin, wurde schnell Teil der feinen West-Berliner Gesellschaft. Die „Hutpartys“ im Hause Klingbeil am Wannsee, verbunden mit Spenden für gute Taten, waren legendär. Nach einem Schlaganfall war Karsten Klingbeil an den Rollstuhl gefesselt. Zuletzt war es um das Paar ruhig geworden.

Vor einigen Tagen ist Patron Karsten im Alter von 91 Jahren in Berlin gestorben.

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