Abi in Berlin

Volle Punktzahl: Das ist Berlins beste Abiturientin

Die Zehlendorferin Antonia Arndt schaffte mit 900 Punkten die höchste Punktzahl im Abitur, die bisher in Berlin vergeben wurde.

Bestes Abitur 2016 Antonia Arndt machte auf dem Arndt-Gymnasium Dahlem das beste Abitur Berlins. Sie erreichte die Höchstpunktzahl 900 Punkte.

Bestes Abitur 2016 Antonia Arndt machte auf dem Arndt-Gymnasium Dahlem das beste Abitur Berlins. Sie erreichte die Höchstpunktzahl 900 Punkte.

Foto: Marion Hunger

Die ultimative Lobhudelei hört sich in diesem Fall so an: „Sie ist nicht nur supergut in der Schule“, sagt Julian Passinger. „Sie ist auch cool.“ Ähnlich äußern sich auch andere Mitschülerinnen und Mitschüler über Antonia Arndt, Berlins beste Abiturientin. Passinger hatte mit der 18-jährigen Antonia gemeinsam den Biologie-Leistungskurs besucht. „Als Streberin hat sie keiner gesehen.“

Mit 900 Punkten hat die 18-jährige Zehlendorferin die höchste Abiturpunktzahl erreicht, seitdem es die zentrale Abiturauswertung in Berlin gibt. Und die gibt es seit ungefähr zehn Jahren. Andere sprechen sogar vom besten Abitur Berlins seit der Einführung des Punktesystems. Und die Benotung nach Punkten gibt es seit mindestens 30 Jahren. Antonia Arndt hat ihr Abitur zufälligerweise auch am gleichnamigen Dahlemer Arndt-Gymnasium gemacht.

Ohne Ausnahme haben die Lehrer jeden Kurs, jedes Fach und jede Prüfung mit Eins plus benotet, egal, ob schriftlich oder mündlich. 600 Punkte hat sie sich während des laufenden Semesters erarbeitet, 300 Punkte in den Abiturprüfungen.

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Latein und Biologie im Abitur

„Als Leistungskurse hatte ich Latein und Biologie im Abitur“, sagt Antonia. „Als drittes Prüfungsfach Mathematik und in der mündlichen Prüfung Politik.“ Die fünfte Prüfung sei eine Präsentation gewesen. „Welche Lehren können wir aus der Geschichte der Migration und Integration der Hugenotten in Brandenburg und Preußen für die Flüchtlingskrise 2015 ziehen?“, war das Thema. Daran habe sie ungefähr sechs Monate gearbeitet. „Ich habe lange für die Themenfindung gebraucht, bis ich in der Zeitung darüber etwas gelesen hatte“, sagt sie. „Das Thema hat mich sehr interessiert, und dann habe ich die Quellenlage überprüft und mich an die Arbeit gemacht.“

Auf das Ziel „900 Punkte“ hat sie nach eigenen Angaben nicht hingearbeitet. Es habe ihr schon immer Spaß gemacht, zu recherchieren. „Wenn ich für eine Klausur gelernt habe, dann habe ich mich schon aus eigenem Interesse tiefer in das Thema eingearbeitet, als für die Prüfung eigentlich nötig gewesen wäre“, sagt sie. „Ich habe jedes Fach mit dem gleichen Interesse verfolgt.“

Antonia ist ab der siebten Klasse auf das Arndt-Gymnasium gegangen. Grund dafür war auch ein Infoabend an der Schule, auf dem überzeugend für Latein geworben wurde. „Ich hatte eigentlich kein großes Interesse an der alten Sprache“, sagt sie. „Aber da wurde mir Latein richtig schmackhaft gemacht.“ Offenbar mit großem Erfolg. Später belegte sie den Leistungskurs Latein und wählte die Sprache auch als Prüfungsfach. „Das lag aber auch an der Lehrerin“, sagt sie. „Wir haben neben der Sprache auch viel über Geschichte und Philosophie gelernt.“

"Eine freundliche, offene junge Frau“

Die vergangenen beiden Jahre wurde sie von ihrer Tutorin Susanne Lorenzen unterrichtet. „Meine zehn Schülerinnen und Schüler waren alle sehr engagiert“, sagt die Lateinlehrerin. „Antonia hat immer tiefgründig und länger nachgedacht“, sagt Lorenzen. Sie habe immer erst ihre Gedanken sortiert und dann geantwortet. „Antonias schriftliche Arbeiten waren brillant und in äußerstem Maße erfüllend. Besser geht es nicht.“ Mit der kleinen Gruppe wurden freiwillig Wochenendseminare veranstaltet, und sie ist gemeinsam nach Rom gereist. „Antonia ist bescheiden, sozial engagiert und nicht abgehoben“, lobt die Tutorin Antonia. „Sie ist eine freundliche, offene junge Frau.“

Druck zum Lernen habe sie von ihren Eltern, einem Lehrerehepaar, nie bekommen. Sie hat sich selbst diszipliniert. „Viele Klassenkameraden sind direkt nach der Schule zum Sport gegangen oder haben sich mit Freunden getroffen“, sagt Antonia. Das war bei ihr anders: „Ich konnte mich einfach nicht entspannen und meine Freizeit genießen, wenn ich nicht vorher meine Hausaufgaben gemacht hatte.“ Sie selbst beschreibt sich als „zielstrebig und ehrgeizig“.

So wie sie sich für alle Fächer interessiert, probierte sie sich auch in diversen Sportarten aus. „Turnen, Badminton, Leichtathletik, Kampfsport“, zählt sie auf. „Ich wollte aber etwas im Team machen.“ Antonia hat sich vor etwas mehr als einem Jahr für Volleyball entschieden. Viermal in der Woche geht sie zum Training. Für den Volleyballverein, VfK Südwest hat sie sich auch entschieden, weil dort Sport für Flüchtlingsmädchen angeboten wird. Dafür hat sie sich vom Klavierunterricht verabschiedet. „Ich spiele noch hin und wieder Klavier, nehme aber keinen Unterricht mehr.“

Freiwilligenjahr in Berliner Sportverein

Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes wird sie ein Jahr in einem Sportverein arbeiten und bei der Organisation eines internationalen Turnfestes mitwirken. Nebenbei möchte sie Vorlesungen an der Universität besuchen, da sie sich noch nicht für ein Studienfach entschieden hat.

„Management, Verwaltung, Politikwissenschaften und Wirtschaft. In diese Richtung könnte es gehen“, sagt Antonia. „Das war das Ergebnis eines Interessentests im Internet.“ Ihre Eltern machen ihr auch in dieser Hinsicht keinen Stress. „Meine Mutter wollte, dass ich eine Auszeit nehme, und mein Vater sagte mir, dass ich in Ruhe suchen soll.“ „Du musst aber auch nicht studieren“, so der Rat des Vaters. Bei dem Notendurchschnitt hat sie aber die freie Wahl.