Berlins City West

Fast neun Millionen Euro für Kudamm und Tauentzien

Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende wollen fast neun Millionen Euro in die Gestaltung von Kurfürstendamm und Tauentzien investieren

Wie auf dieser Simulation könnte der Mittelstreifen des Tauentziens umgestaltet werden

Wie auf dieser Simulation könnte der Mittelstreifen des Tauentziens umgestaltet werden

Foto: Büro Lützow7

Das Budget beträgt 8,7 Millionen Euro brutto für fünf Jahre. Und im Frühjahr nächsten Jahres könnte es schon losgehen, dass der Kurfürstendamm und die Tauentzienstraße zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße verschönert werden. Grundeigentümer und Gewerbetreibende haben sich am Dienstag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche getroffen, um die Pläne zur Umgestaltung und den Weg dorthin zu besprechen. Die Mittelstreifen sollen durch Pavillons und Blumenschmuck aufgewertet, die Reinigungsintervalle erhöht werden. Zusätzlich sollen City Guides – mehrsprachig und in hellen Kostümen und Anzügen gut zu erkennen – die Fragen der Touristen beantworten.

Einzelhandel erwartet mehr Umsatz

Baustadtrat Marc Schulte begrüßte die Initiative von Eigentümern für Eigentümer. Der SPD-Politiker betonte, dass es etwas Neues sei, wenn sich Eigentümer freiwillig dazu bereit erklärten, Abgaben zu zahlen. Aber das Konzept zur Verschönerung von Kudamm und Tauentzien sei ja auch schlüssig.

Nach Jahren der Vorbereitung und des Austausches mit Städten wie Hamburg, wo mit solchen Konzepten schon seit vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht werden, will die AG City in Kürze ihr Konzept für ein „Business Improvement District“, kurz BID genannt, bei Baustadtrat Schulte einreichen. Ziel solch eines BID ist die Steigerung des Umsatzes und die Werterhaltung der Immobilien.

Tochter der AG City managt das Vorhaben

In der Initiativgruppe dafür sind nicht nur die AG City, sondern auch Eigentümer wie die Familienunternehmen Pepper und Gutman, Becker & Kries, RFR, die gerade das Upper West bauen, sowie die Gedächtniskirche und die Aachener Grund. Geredet über die Umgestaltungspläne wurde auch mit Vertretern von KaDeWe und Karstadt sowie dem Kranzler Eck.

Fachleute des Projektsteuerungsunternehmens Drees + Sommer beraten die AG City bereits und werden die Händlervereinigung als Bauherren vertreten. Für die neue Aufgabe wird die AG City eine Tochter gründen. „Es soll keine Vermischung der Aufgaben geben. Alles wird 100-prozentig transparent sein“, versicherte Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der AG City.

Pflege der Pflanzen nicht vernachlässigen

Bei der Vorstellung der Projekte zeigte Tim Hagenhoff vom Büro Lützow7 anschaulich, wie der Mittelstreifen des Tauentziens vom Wittenbergplatz bis zur Rankestraße – bisher eher eintönig gestaltet – attraktiver gemacht werden könnte: mit einer jahreszeitlichen Wechselbepflanzung, mit unterschiedlich hohen Hecken und auch Gehölzen.

Auch Pavillons mit Tischen und Stühlen könnten die Aufenthaltsqualität verbessern. Die Pflanzkörbe, die im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter mit unterschiedlichen Farbkompositionen dem Grünzug Leben einhauchen könnten, könnten flexibel in verschiedene Bereiche gesetzt werden.

Das Geld für die Pavillons ist im Budget nicht enthalten, denn die dafür veranschlagten 555.000 Euro brutto sollen sich durch eine Vermietung refinanzieren. So wie Tim Hagenhoff machte aber auch Hartmut Balder, Professor an der Beuth Hochschule, der sich schon lange mit dem Grün des Kurfürstendamms beschäftigt, deutlich, dass die Pflege solcher Pflanzarrangements nicht vernachlässigt werden dürfe.

Antrag beim Bezirksamt gestellt

Für den Kurfürstendamm sei es nach 100-jähriger Bepflanzung mit Platanen an der Zeit, ihn angesichts von Klimawandel und Pflegekosten zu verbessern. Der Mittelstreifen sei gesund und vital, aber spätestens im nächsten Frühjahr sollten alle Platanen bis zum Halensee noch mehr beschnitten werden als bislang. Die grüne Situation des Boulevards mit den Bäumen als „Rahmengeber“ und dem Rasen des Mittelstreifens als „grüner Bühne“ lobte er. Mit einzelnen Kübeln und saisonalem Blumenschmuck könnten Sommerfrische oder Palmenstrand-Gefühl für den Boulevard inszeniert werden.

Rechtsanwalt Klaus Jankowski erläuterte zum Schluss noch die Formalitäten. Der Antrag, der beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf gestellt wird, werde öffentlich ausgelegt. Die Hauseigentümer in dem Gebiet hätten dann noch die Gelegenheit Nein zu sagen. Wenn mehr als ein Drittel dagegen seien, werde aus dem Vorhaben nichts. Wenn dem nicht so sei, gingen die Unterlagen zur Senatsverwaltung, wo daraus eine verbindliche Rechtsvorschrift werde mit einer Abgabenpflicht der Eigentümer.