Verknapptes Angebot

Mieten für Büroflächen in Berlin steigen rasant

Spitzen-Lagen kosten 26 Euro pro Quadratmeter. Durchschnittlich werden 16 Euro verlangt. Teuerstes Pflaster ist der Pariser Platz.

Wer am Pariser Platz ein Büro sucht, muss tief in die Tasche greifen

Wer am Pariser Platz ein Büro sucht, muss tief in die Tasche greifen

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Nicht nur auf dem Berliner Wohnungsmarkt wird es eng. Auch Unternehmen, die Büroflächen in der Stadt suchen, müssen mit einem sich verknappenden Angebot und höheren Preisen rechnen. Die Spitzenmieten in den Berliner Top-Lagen von Mitte sind 2016 um 6,6 Prozent auf fast 26 Euro gestiegen. Im Durchschnitt müssen ­Büronutzer in Berlin 15,60 Euro bezahlen. Das geht aus dem Büromarktbericht des Immobilienberaters Savills für das erste Halbjahr 2016 hervor.

In fünf Jahren sind damit die Büromieten in der Hauptstadt um rund 25 Prozent gestiegen. „Die Mieten gehen durch die Decke“, sagt Christian Leska, Managing Director bei Savills. Derzeit arbeiten etwa 700.000 der insgesamt 1,8 Millionen Erwerbstätigen in Berlin in Büros. Die wachsende Wirtschaft sorgt wieder für eine rege Nachfrage nach Büroflächen. Vor allem IT-Firmen, Behörden und Dienstleister haben zuletzt neue Flächen bezogen. Dabei bleibt das Geschäft für die Makler kleinteilig. Mehr als zwei Drittel der Kunden nahmen weniger als 500 Quadratmeter, auf denen etwa 250 Mitarbeiter Platz finden. Nur elf Mal wurden mehr als 5000 Quadratmeter am Stück vergeben.

In den ersten sechs Monaten 2016 wurden 635 Verträge abgeschlossen und 4,6 Prozent mehr Flächen vergeben als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zwar werden weitere Bürogebäude errichtet, aber die steigende Nachfrage wird nicht ausgeglichen. Allein im ersten Halbjahr breiteten sich Start-ups, neu angesiedelte Firmen, wachsende etablierte Unternehmen, Berater und Kanzleien mit zusätzlichen Aktivitäten auf 190.000 Quadratmetern aus. Die Autoren der Studie rechnen für das Gesamtjahr damit, das Unternehmen für Erweiterungen, Neuansiedlungen oder Neugründungen 350.000 Quadratmeter mehr brauchen werden, als gleichzeitig an alten Flächen aufgegeben wird. So viel zusätzliche Nachfrage nach Büros hat es in Berlin seit 1993 nicht gegeben.

Für das ganze Jahr 2016 erwartet Savills aber nur die Fertigstellung von knapp 160.000 Quadratmetern. Entsprechend sinkt der Leerstand und nähert sich einer Quote von drei Prozent. „Wir dürften zum Ende des Jahres Flächenknappheit haben“, sagt Leska. Unternehmen, die erweitern wollen und größere Flächen brauchen, müssten langfristiger planen und eigene Gebäude errichten. „Der Markt gibt nichts mehr her“, so der Experte.

Denn trotz des Booms ist der spekulative Bau von Bürohäusern, die ohne feststehenden Nutzer von Immobilienentwicklern hochgezogen werden, noch unterentwickelt, weil die Banken solche Projekte ungern finanzieren. Nur 11.500 Quadratmeter werden im laufenden Jahr in diese Kategorie fallen. Das entspricht rechnerisch gesehen einem größeren Bürohaus. Insgesamt legt der Neubau von Büroflächen in Berlin seit Jahren nur langsam zu. So sehen sich immer mehr Unternehmen genötigt, Mieten von mehr als 20 Euro pro Quadratmeter zu akzeptieren. In diesem Preissegment wurden dreimal mehr Flächen vermietet als zuletzt. Die Hälfte der Kunden zahlt zwischen 15 und 20 Euro. Die höchsten Preise akzeptieren Anwälte, Berater und Medienfirmen. Sparsamer sind Behörden, Händler und Schulungsanbieter.

Die höchsten Mieten werden mit durchschnittlich 18,10 Euro in Mitte bezahlt, in Friedrichshain, Tiergarten und Prenzlauer Berg über 16 Euro. Die größten Preissprünge gab es mit 49 Prozent Plus in Treptow und mit 25 Prozent in Wilmersdorf.

Nur in Charlottenburg gingen die Durchschnittsmieten leicht zurück. Berlins teuerstes Pflaster ist der Pariser Platz mit 32 Euro, gefolgt vom Potsdamer Platz (24), Leipziger Platz (21), Unter den Linden (20,50), Friedrichstraße (19,50) und Kurfürstendamm (19).