"Aktenzeichen XY"

Anruferin will vermissten Aref bei Berlin gesehen haben

Seit 4. April wird der fünfjährige Aref aus Hessen vermisst. Eine Zeugin will das Kind und den mutmaßlichen Entführer gesehen haben.

Die undatierte Aufnahme zeigt den jetzt fünf Jahre alten Aref, der seit dem 4. April vermisst wird

Die undatierte Aufnahme zeigt den jetzt fünf Jahre alten Aref, der seit dem 4. April vermisst wird

Foto: Polizeipräsidium Nordhessen / dpa

Seit fast drei Monaten schon wird das vierjährige Flüchtlingskind Aref verzweifelt gesucht. Sein Schicksal ist völlig ungewiss. Von einem kleinen Ort bei Eschwege in Hessen führen Spuren nach Berlin. Nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ gibt es nun neue Hinweise. Eine Zeugin will den afghanischen Jungen in Begleitung eines älteren Mannes in einem Berliner Café gesehen haben. Ein anderer Fernsehzuschauer will den Fahrer eines BMW kennen, der am Tag des Verschwindens des Kindes mehreren Zeugen in dem Ort Wanfried aufgefallen war. „Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren“, sagte ein Sprecher der Polizei Eschwege am Donnerstag der Berliner Morgenpost.

Die Familie Ismaili ist aus Afghanistan geflüchtet und im Februar dieses Jahres in eine Unterkunft in der 4200-Seelen-Gemeinde Wanfried im Werra-Meißner-Kreis gezogen. Am Nachmittag des 4. April geht Mozhdah Ismaili mit ihren Kindern zum historischen Hafen des Ortes an der Werra, der Schlagd. Dort spielen zahlreiche Kinder. Während sich der ältere Bruder allein auf den Rückweg zur Flüchtlingsunterkunft macht, bleibt die Mutter noch zurück. Sie unterhält sich mit einer Bekannten aus dem Ort. In diesen Minuten verschwindet der kleine Aref. Mutter Mozhda geht zunächst noch davon aus, dass er mit seinem Bruder gegangen sei.

Als sie sich vom Spielplatz auf den Heimweg macht, geschieht etwas Eigenartiges. Ein schwarzer Geländewagen stoppt vor der Personengruppe, der Fahrer sieht die Mutter erschrocken an, sagt offenbar etwas und winkt. „Da habe ich große Angst bekommen“, sagte die Mutter am Mittwochabend in der Fernsehsendung zu Moderator Rudi Cerne. „Es hat alles nur einen Augenblick gedauert.“ Sie rennt zur Unterkunft, aber der kleine Aref ist nicht dort. Auch an anderen bekannten Stellen im Ort, die die Pfarrerin mit der Mutter anfährt, wird er nicht gefunden.

Zunächst besteht der Verdacht, der Junge sei beim Spielen in die Werra gefallen und ertrunken. Mehrfach wird an den folgenden Tagen der Fluss abgesucht. Auch eine Unterwasserdrohne kommt zum Einsatz. Sogar der Flusspegel wird in einem bestimmten Bereich abgesenkt, aber der Gesuchte wird nicht gefunden.

„Es fühlt sich an, als wolle der Tod mich holen“

„Wir ermitteln in alle Richtungen, es könnte durchaus sein, dass Aref einer Straftat zum Opfer gefallen ist und entführt wurde“, sagte Ermittlungsleiter Michael Jung von der Polizei Eschwege im ZDF. Für die Eltern ist die Ungewissheit entsetzlich. „In der Nacht fühlt es sich an, als wolle der Tod mich holen“, sagte Mozhda Ismaili. Ihr Mann Abdullah bittet mögliche Entführer, Aref wieder zurückzubringen.

Für die Polizei ist besonders wichtig zu klären, welche Rolle der schwarze Geländewagen vom Typ BMW X 5 spielt. Ein Zeuge hatte den Wagen mit Berliner Kennzeichen am 4. April mittags im Halteverbot vor der Flüchtlingsunterkunft gesehen. „In das Auto stieg eine Frau, die aus der Unterkunft herauskam, auf der Beifahrerseite ein“, sagte Ermittlungsleiter Jung. Sie soll 1,55 bis 1,60 Meter groß, auffällig dünn sein, dunkelblonde, bis zur Hüfte reichende Haare haben und vermutlich Ende 30 sein. Der Wagen fuhr anschließend Richtung Werra davon. Zu dieser Zeit soll laut Zeugen auch der kleine Aref in diese Richtung auf einem Dreirad unterwegs gewesen sein.

Anschließend kam es zu der Begegnung zwischen dem Wagen und Arefs Mutter. Nach ihrer sowie der Beschreibung weiterer Zeugen handelt es sich bei dem Mann am Steuer vermutlich um einen Deutschen im Alter von 60 bis 70 Jahren. Er hat einen lockigen, weiß-grauen Haarkranz und eine markante Nase. Das vermisste Kind ist etwa einen Meter groß, hat schwarze, lockige Haare, dunkle Hautfarbe und spricht nur afghanisch.

Nach der Sendung gingen nach Polizeiangaben 32 Hinweise von Zuschauern ein. Die beiden Hinweise auf Berlin gelten als „interessant“, führten bis Donnerstag aber zu keiner heißen Spur. Weitere Hinweise nehmen die Polizei Kassel unter 0561/910 44 44 sowie jede andere Dienststelle entgegen. Es ist eine Belohnung von 3000 Euro ausgesetzt.