Glogauer Straße

Kreuzberg stoppt Wohnhaus-Verkauf an Investor

Milieuschutzgebiet: Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat offenbar bei einem Wohnobjekt im Bezirk ein Vorkaufsrecht angemeldet.

Seit 1950 wurden in Berlin mehr als 300.000 Wohnungen in privates Eigentum umgewandelt

Seit 1950 wurden in Berlin mehr als 300.000 Wohnungen in privates Eigentum umgewandelt

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa Themendie

Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat nach Informationen des "rbb" bei einem weiteren Objekt in seinem Bezirk ein Vorkaufsrecht angemeldet. Laut dem Bericht wollte der jetzige Eigentümer ein Mietshaus in der Glogauer Straße 3 eigentlich an einen Investor aus Luxemburg verkaufen. Weil das Haus aber im sogenannten Milieuschutzgebiet "Luisenstadt" liegt, habe der Bezirk ein Vorkaufsrecht, das er auch über einen Dritten geltend machen kann - in diesem Fall soll das die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag sein.

"Es ist ein bekanntes Geschäftsmodell, Mietshäuser in Eigentumswohnungen umzuwandeln und dann teuer zu verkaufen", sagte der zuständige Baustadtrat Hans Panhoff von den Grünen dem "rbb". Das sei auch in diesem Fall zu erwarten und zu befürchten. Um dem vorzubeugen, setze der Bezirk auf das Vorkaufsrecht. Ein entsprechendes Schreiben soll laut "rbb" bereits Mitte Juni an die Beteiligten gegangen sein. Anders als der ursprüngliche Käufer soll sich die Gewobag dazu verpflichtet haben, die betroffenen Miet- nicht in Eigentumswohnungen umzuwandeln, solange das Gebiet unter Milieuschutz stehe.

Seit 1950 wurden in Berlin mehr als 300.000 Wohnungen in privates Eigentum umgewandelt. Die meisten Umwandlungen erfolgten dabei in den Bezirken Pankow (3749), Friedrichshain-Kreuzberg (3406) und Charlottenburg-Wilmersdorf (2872), die wenigsten in Marzahn-Hellersdorf (26) und Spandau (163). Die Eigentumsquote in der Stadt ist damit auf 23 Prozent gestiegen.

Da Wohnungen meist saniert werden, bevor sie verkauft werden, liegen die Mieten deutlich über den Mieten in nicht verkauften Wohnungen und tragen so zum Verdrängungsdruck bei. Um einzelne Gebiete vor einer weiteren Flut an Umwandlungen zu schützen, haben inzwischen mehrere Bezirke ein Umwandlungsverbot erlassen. Zuletzt hatte Neukölln beschlossen, für den Reuterkiez einen Milieuschutz zu erlassen.

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf ist das Thema aktuell. Sechs Gebiete werden in Hinblick auf einen Milieuschutz geprüft, darunter das Quartier Kaiserin-Augusta-Allee, Karl-August-Platz und Brabanter Platz. Tempelhof-Schöneberg hat zum Juli 2015 für die Schöneberger Insel eine soziale Erhaltungsverordnung erlassen, für drei andere Gebiete gilt sie bereits seit Herbst 2014.

In der BVV Steglitz-Zehlendorf sind mehrere Wohnviertel im Gespräch, darunter die Bruno-Taut-Siedlung, Lauenburger Platz und Augustaplatz. Insgesamt gibt es mehr als 20 Quartiere mit Milieuschutz in Berlin. Zehn gehören zu Pankow. Der Bezirk gibt sukzessive immer mehr Altbauquartieren diesen Status. Ebenso verfährt Friedrichshain-Kreuzberg, das bereits sieben solcher Gebiete hat - unter anderem das sogenannte Milieuschutzgebiet "Luisenstadt", in dem das Mietshaus in der Glogauer Straße 3 liegt.