Berliner Perlen

An der Käsetheke für Genießer

Etwa 50 verschiedene Käsesorten hält Fritz Lloyd Blomeyer in seinem Charlottenburger Geschäft bereit - allesamt von deutschen Produzenten

In seinem Käseladen darf man alles probieren: Fritz Lloyd Blomeyer

In seinem Käseladen darf man alles probieren: Fritz Lloyd Blomeyer

Foto: Sergej Glanze / Glanze

„Die Römer sind ja leider nicht bis nach Norddeutschland vorgedrungen. Deshalb kommen viele Käsesorten eher aus dem Süden“, sagt Fritz Lloyd Blomeyer. Hühnengroß steht der 1,94-Meter-Mann hinter der Käsevitrine in seinem kleinen Laden am westlichen Ende der Charlottenburger Pestalozzistraße.

Zu seiner Figur passen der gepflegte Vollbart und die zum Pferdeschwanz gebundenen langen Haare. Wie ein Urgermane wirkt der gebürtige Berliner, der ein ausgezeichneter Verkäufer ist. „Zum ausrasten gut, fantastisch, irre“, preist er seine Käsesorten an. Nur wenige in Berlin kennen sich mit den gereiften Milchprodukten so gut aus wie er.

„Unsere germanischen Vorfahren kannten sehr wohl Milch, aus der sie Joghurt, Quark und einen dem Harzer ähnlichen Käse gewannen. Die Raffinesse römischer Käseproduktion allerdings kannten sie nicht. „Natürlich wird seit vielen Jahren in Deutschland ausgezeichneter Käse produziert. Am meisten halt in Süddeutschland“, erklärt Blomeyer.

Quark aus der ältesten Privatmolkerei Deutschlands

Von dort stammen auch die meisten der rund 50 Sorten, die er derzeit verkauft. Über das Jahr sind es rund 80, allerdings gibt es nicht immer alles zur gleichen Zeit. Seit einigen Wochen finden sich viele Ziegenkäse im Sortiment, die im Winter seltener produziert werden.

„Bei mir können die Kunden alles probieren“, erklärt Blomeyer seine Geschäftsphilosophie. Die hat er mit 14 Jahren kennen gelernt, als er zum ersten Mal in den Niederlanden war. „Schon damals liebte ich Käse. Von dem unglaublichen Angebot in Holland war ich überwältigt. An einem Stand, an dem ich drei verschiedene Käsesorten kaufen wollte, schnauzte mich der Händler an: ,Du willst doch nicht etwa Käse kaufen, ohne zu probieren?’ Das hat mich beeindruckt. Am Ende kaufte ich acht Stück.“

Sagt’s und reicht einen Löffel mit Quark über die Theke. Wunderbar mild und cremig zergeht der 40-Prozentige der Molkerei Hüttental im hessischen Odenwald auf der Zunge. „Die älteste Privatmolkerei Deutschlands“, sagt Blomeyer.

Nur Milch von grasgefütterten Kühen wird verarbeitet

Er schwärmt von der Quarkzentrifuge aus den 50er-Jahren. „Die machen saubere Arbeit aus sauberer Milch, die Tiere sind alle grasgefüttert. 1,59 Euro kostet der 250-Gramm-Becher, doppelt so viel wie im Supermarkt. Aber eben auch ein Geschmackserlebnis erster Güte.“ Gleiches lässt sich vom kräftigen buttergelben Weinbauernkäse „Classico“ sagen, der von der Käserei Geifertshofen im Landkreis Schwäbisch-Hall exklusiv für Blomeyer hergestellt wird. Bei denen habe er einige Zeit das Handwerk des Käsens erlernt.

Der Weinbauernkäse wurde damals nach sechs Monaten Reifezeit ausgeliefert, Blomeyer wünschte sich eine längere Reifung des Kuhmilchkäse und bekommt nun einen zwölf Monate lang gereiften. Wie eine Landbrotkruste sieht die dunkelbraune Rinde aus, auf der Rotweinhefen siedeln, die aus Barriquefässern stammen.

„Mir gefällt die Idee, des nachhaltigen Produzierens“, führt er aus, „normalerweise werden diese Reste bei der Weinherstellung weggeworfen.“ Der nussig-milde Rohmilchkäse „Rheingauer Kristall“ passt vorzüglich zu einem kräftigen Rotwein, aber auch zu einem restsüßen Weißen.

Jeder Kunde erhält den Reifegrad, den er wünscht

„Oder einfach zu Butter und Brot“, ergänzt Anne Michalla, Blomeyers „Laden-Königin“, die vor Öffnung des Geschäfts alle Käse in der Vitrine in Augenschein nimmt, Anschnitte entfernt, bei den Hartkäsen austretende Salzkristalle abwischt und die Reifegrade der Weichkäse überprüft. „Bei uns erhält jeder Kunde den Reifegrad, den er wünscht“, erklärt die ehemalige Restaurantleiterin von Frühsammers Restaurant.

Kein einfaches Geschäft hat sich Blomeyer ausgesucht, schließlich leben seine Produkte. Das bedeutet, dass sie auch sterben können, denn der Reifeprozess lässt sich nicht beliebig lange unterbrechen. Mitte 2000 hatte er nach Abitur und längerem Aufenthalt in Kapstadt entschieden, mit Käse zu handeln.

„Ich schmecke die Welt, habe von Großmutter väterlicherseits und meiner Mutter die Lust auf gutes Essen mit auf meinen Weg bekommen. Nach dem Grundstudium Jura wusste ich, was ich nicht wollte, und was doch. Damals gab es niemand, der sich für deutschen Käse interessierte.“

Am Anfang verkaufte er auf Berliner Wochenmärkten

Es folgten drei Jahre Wanderschaft von Süd nach Nord durch Käsereien in Deutschland. Blomeyer interessierte sich für die Herstellung, wusste aber, „mein Ding ist der Handel“. Schon als Sechsjähriger hatte er im Volkspark Wilmersdorf auf der Decke Spielsachen verkauft, als Schüler und Student handelte er regelmäßig auf Flohmärkten.

2009 begann er, Käse auf den Märkten am Kollwitzplatz und am Kranoldplatz zu verkaufen. Allerdings musste er bald feststellen, dass sein Sozialleben nicht mehr stattfand. So beschloss er, die gehobene Gastronomie zu beliefern.

Vor knapp einem Jahr kam der Laden hinzu. „Er passt gut in den Kiez. Nebenan befindet sich die Traditionsmanufaktur von Wald-Marzipan, zwei Häuser weiter die Weingalerie mit portugiesischen Weinen und ein Uhrmacher. Sie verkaufen handwerklich hergestellte Produkte, so wie ich“, erklärt Fritz Lloyd Blomeyer und steckt sich ein Stück Käse in den Mund.

Blomeyers Pestalozzistraße 54a, Charlottenburg, Tel. 23 92 64 40, Di.-Fr. 12-19 Uhr, Sbd. 10-19 Uhr, www.blomeyer.biz