Erweiterung

Wie der Berliner Mauerpark einmal aussehen soll

Nach 22 Jahren haben die Arbeiten im Mauerpark begonnen. Er wird erweitert und soll Wedding mit Prenzlauer Berg verbinden.

"Ich hoffe, dass die besten Zeiten des Mauerparks noch vor uns liegen", sagte Bausenator Andreas Geisel (SPD) – und spielte damit auf den mehr als zwei Jahrzehnte währenden, konfliktreichen Planungsprozess an, der mit dem Baubeginn an diesem Montag ein Ende findet. Noch sind zwar nicht sämtliche Fragen geklärt. Doch eines ist sicher: Der Park wird in den kommenden drei Jahren um fünf Hektar wachsen. Dazu kommen weitere zwei Hektar an der Bernauer Straße, an denen die von den Gaststätten Mauersegler und Schönwetter sowie dem sonntäglichen Flohmarkt genutzten Gewerbeflächen gesichert werden.

"Nach jahrelangem Stillstand wächst der Mauerpark auf die Größe, die notwendig ist, um die große Zahl an Besuchern aufzunehmen", sagte der Senator bei einem Baustellenrundgang. Neuer und alter Park würden zusammen 15 Hektar umfassen und die durch die Mauer einst getrennten Ortsteile Wedding und Prenzlauer Berg verbinden.

Gestaltet wird die Erweiterungsfläche nach dem Entwurf des Landschaftsarchitekten Gustav Lange, der auch bereits den vorhandenen Mauerpark vor rund 22 Jahren plante. "Die hohe Qualität des Lange-Entwurfs zeigt sich daran, dass seine Vorgaben nach mehr als 20 Jahren noch zeitgemäß sind", lobte Christoph Schmidt, Geschäftsführer der landeseigenen Grün Berlin. 2019, so Schmidt, werde der Park fertig sein – Teile der Erweiterungsfläche könnten auch schon früher der Öffentlichkeit übergeben werden. "Ob ich die Fertigstellung wohl noch erlebe?", kommentierte der mittlerweile 77-jährige Landschaftsarchitekt die lange Bauphase. Diese jedoch liege nicht in den Händen der Grün Berlin, so Schmidt. Der Geschäftsführer verwies auf die Baustraße, die am Rande des Erweiterungsareals zum nördlich des Gleimtunnels gelegenen Wohnungsbauareal führe.

Dort baut die Berliner Groth Gruppe 700 Wohnungen auf einem Areal, das ebenfalls zum Bahngelände gehörte. Damit überhaupt auf dem im Privatbesitz befindlichen Gelände ein Park entstehen konnte, hatte das Land Berlin 2012 mit der Grundstückseigentümerin einen städtebaulichen Vertrag geschlossen. Im Gegenzug für die sieben Hektar Parkerweiterung erhielt die Eigentümerin Baurecht für das 3,5 Hektar große Areal oberhalb des Gleimtunnels. Gegen diesen Grundstücksdeal hatte es heftige Proteste gegeben, denn die ursprünglichen Planungen sahen vor, dass die gesamte Bahnhofsfläche dem Mauerpark zugeschlagen werden sollte. Doch die klamme Stadtkasse hatte dies verhindert. "Mit dem Kompromiss", so Landschaftsarchitekt Lange, "kann ich gut leben, Wohnungen werden schließlich auch gebraucht."

Gestaltung in enger Absprache mit den Bürgern

Auch die Anwohner-Proteste gegen das Wohnungsbauvorhaben sind leiser geworden, zumal nun nicht mehr nur teure Eigentumswohnungen entstehen, sondern überwiegend Mietwohnungen, darunter 120, die zu einem geförderten Mietzins von 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden.

Der Bauprozess für den Park wird nun in enger Absprache mit den Bürgern gestaltet, die sich in der "Bürgerwerkstatt Mauerpark fertigstellen" engagieren. Auf deren Wunsch wird etwa ein ehemaliges Gewerbegebäude, die "Kartoffelhalle" auf Höhe der Lortzingstraße erhalten und in einen nicht kommerzieller kulturellen Treffpunkt verwandelt. Ebenfalls auf ausdrücklichen Wunsch der Anwohner im Brunnenviertel auf der Weddinger Seite werde es im neuen Parkteil vorerst auch keine weiteren Grillplätze geben, sagte Schmidt. Abgelehnt haben die Anwohner auch weitere Löcher in der Ziegelmauer, die das ehemalige Bahnareal zum Wohngebiet hin abgrenzte. "Die Anwohner wollen lieber ihre Ruhe behalten", so Schmidt. Vorgesehen ist in Nord-Süd-Richtung eine großzügige, von 280 Platanen beschattete Promenade. In einem Teilbereich dieser Promenade wird eine große Spielfläche gebaut. Nördlich der Promenade schließt sich ein noch namenloser Platz an, der den Parkeingang vom Brunnenviertel markiert. Rund sechs Millionen Euro sollen die Bauarbeiten kosten.

Bis es richtig grün wird auf der Erweiterungsfläche, wird noch einige Zeit vergehen. In den kommenden Monaten wird nun erst einmal die mit Asphalt und Beton versiegelte Fläche freigelegt. Erst 2017 werden die ersten Grünpflanzen gesetzt. Auch im alten Parkteil wird es zunächst ungemütlich. Schuld sind jedoch nicht die Landschaftsplaner, sondern die Berliner Wasserbetriebe, die einen Stauraumkanal errichten. Diese Baumaßnahme wird besonders die Eingangsbereiche an der Eberswalder Straße und an der Gleimstraße betreffen. Ungemütlich wird es auch noch einmal für den Senator: Der muss mit der Eigentümerin noch klären, wer für die Sanierung des baufälligen Gleimtunnels am nördlichen Rand des Parks zahlen muss. "Es ist offen, ob eine gütliche Einigung noch möglich ist", so der Bausenator.

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