Baukultur

Tag der Architektur: Am Wochenende Berliner Häuser erkunden

Am Wochenende können Berliner zum 21. Tag der Architektur Wohnungen, Villen und Büros von Planern überall in der Hauptstadt besichtigen.

Wer die im Bau befindliche Villa M an der Gneiststraße im vornehmen Grunewald besichtigen möchte, muss sich vorher anmelden

Wer die im Bau befindliche Villa M an der Gneiststraße im vornehmen Grunewald besichtigen möchte, muss sich vorher anmelden

Foto: Jörg Krauthöfer

Wollten Sie schon immer wissen, wie es sich in einer vornehmen Grunewald-Villa lebt – zumal, wenn diese hochmodern ist und wie eine Kunstskulptur aussieht? Oder interessieren sie sich mehr für das studentische Gemeinschaftswohnen in rostigen Containern? Dann haben Sie an diesem Wochenende die Chance, hinter die Fassade von Privatunterkünften zu schauen, die neugierigen Blicken normalerweise verschlossen sind. Möglich macht es der 21. Tag der Architektur, der an diesem Wochenende, am 25. und 26. Juni, bundesweit stattfindet und in Berlin unter dem programmatischen Motto „Architektur für alle!“ steht.

Wie jedes Jahr am letzten Juniwochenende hat die Architektenkammer Berlin ein opulentes Besichtigungsprogramm zusammengestellt. Über das Stadtgebiet verteilt können an 54 Orten in Berlin fertiggestellte Bauten und Freiräume unter sachkundiger Führung der jeweiligen Architekten besucht werden. Zahlreiche Planergruppen laden zudem in ihre Büros ein, erlauben Einblicke in ihre Arbeitsweise und aktuelle Projekte. Bei den meisten der insgesamt 97 Einzeltermine, davon 67 am Sonnabend und 30 am Sonntag, liegt der Themenschwerpunkt dieses Jahr bei den Wohnprojekten. „Die gestalterische und konzeptionelle Qualität der vorgestellten Bauten zeigt die Notwendigkeit von Vielfalt und Innovation für einen zeitgemäßen Wohnungsbau“, sagt Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer Berlin. Gerade in Zeiten des Wachstums dürfe sich gute Architektur nicht auf Luxusprojekte beschränken.

Auch die Bereiche Gesundheit und Soziales berücksichtigt

Und so können am Tag der Architektur eben nicht nur edle und hochmoderne Villen besichtigt werden, sondern ebenso moderne Mietwohnungen. Die Zeiten, wo ein Grundriss für alle Mieter passen musste, sind glücklicherweise vorbei: Wer sich davon überzeugen will, sollte das 120 Meter lange „Tetris“- Wohnhaus in Adlershof besichtigen: Für die rund 70 Wohnungen wurden 16 unterschiedliche Grundrisse entwickelt (Groß-Berliner Damm 136–138, Adlershof, Führung am Sbd.: 13, 15 und 17 Uhr).

Der Aspekt des preisgünstigen Wohnens stand insbesondere bei der Sanierung und dem Umbau des Studentendorfs Schlachtensee im Vordergrund. Der erste, von amerikanischen Vorbildern inspirierte Wohncampus in der jungen Bundesrepublik ist in Abschnitten noch Baustelle. Neben fertig sanierten Häusern sind deshalb auch die aktuellen Baumaßnahmen zu besichtigen, die nicht nur Energieeinsparungen von rund 60 Prozent ermöglichen, sondern auch den ursprünglich sehr offenen Charakter des Dorfes wieder herstellen sollen. (Führungen: Sbd. 11 und 14 Uhr; Treffpunkt: Marktplatz vor dem Rathaus des Studentendorfes, Wasgenstraße 75, Zehlendorf)

Neben Wohnbauten werden auch Projekte aus den Kategorien Büro, Gesundheit, Freizeit und Soziales vorgestellt, die sonst nicht zugänglich sind. Auch Innen- und Landschaftsarchitekten stellen Projekte vor und bieten Führungen an. So gibt es etwa Führungen mit den Architekten über den Stadt- und Skaterplatz im Kreuzberger Böcklerpark (Sbd., 16 Uhr, Treffpunkt Prinzenstraße Ecke Uferpromenade).

Bebauung von einstigen Freiräumen oft umstritten

Seit rund zehn Jahren wächst die Zahl der Einwohner in Berlin kontinuierlich, der Zuwachs lag in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr jeweils deutlich über 40.000. Auch in den kommenden Jahren, so die Prognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, soll das Wachstum anhalten. Bis 2030 könnte Berlin die Vier-Millionen-Marke reißen. Stadtplanung geht daher alle Bürger an, denn überall im Stadtgebiet werden derzeit Brachen bebaut, Supermärkte aufgestockt und Baulücken geschlossen. Gute Architektur sei somit mehr denn je gefragt, so die Kammerpräsidentin. „In der Architektur geht es nicht um Fassaden, sondern um effiziente Grundrisse, um Barrierefreiheit und die bestmögliche Bebauung eines Grundstücks. Dabei geht es stets aufs neue darum, die jeweils beste Lösung zu finden“, so Christine Edmaier. Die Architekten könnten durch intelligente und hochwertige Entwürfe zwar dafür sorgen, dass auch bei dichterer Bebauung die Lebensqualität nicht leide. Allerdings werde es auch der beste Entwurf nicht schaffen, es allen Recht zu machen, so Edmaier weiter.

Deshalb müssten die Behörden auf Landes- und Bezirksebene auch dafür sorgen, dass „wohlabgestimmte und viel diskutierte Verfahren“ nicht auf Druck einzelner Bürgergruppen und Anwohnerinitiativen wieder gekippt würden, so Edmaier in Anspielung auf zwei Hochhausprojekte auf der Fischerinsel in Mitte und an der Spree in Treptow. Diese waren, wie am Donnerstag bekannt wurde, trotz regulärer Wettbewerbsverfahren vom Bezirksamt Mitte ablehnend beschieden beziehungsweise von den Bezirksverordneten in Treptow-Köpenick vertagt worden (siehe nebenstehenden Artikel).

„Die Architektenkammer protestiert dagegen, dass das Ergebnis eines ordentlichen und mit allen abgestimmten städtebaulichen Wettbewerbs vom zuständigen Bezirk einfach abgelehnt wird“, sagt Edmaier.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen des Tags der Architektur ist frei, manchmal ist aber eine Anmeldung nötig und die Teilnehmerzahl limitiert. Das Programm ist an vielen Orten kostenfrei erhältlich, etwa bei Touristeninformationen. Infos und Programm unter: www.tag-der-architektur.de.