Archäologie

Wie man einen Silberschatz im Spargelfeld findet

Auf einem Spargelfeld in Beelitz schlägt der Metalldetektor eines Hobby-Archäologen an. Bodendenkmalpfleger werden dort tatsächlich fündig.

Foto: Thomas Kersting / BM

Am Ende des Regenbogens steht ein Topf voller Gold - das zumindest besagt eine alte irische Legende. Glaubt man diesem Mythos, so endete der Regenbogen im Herbst vergangenen Jahres auf dem Beelitzer Spargelfeld nordwestlich von Busendorf.

Hier entdeckte die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) einen vergrabenen Tonkrug gefüllt mit Münzen aus dem 13. Jahrhundert. Den entscheidenden Hinweis aber lieferte der Lehniner Hobby-Archäologe Mario Lippert (36). „Sowas hat man vielleicht einmal im Leben“, so Lippert.

Suche nach Resten eines Mittelalterdorfes

November 2015. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Mario Lippert (36)war nicht das erste Mal auf dem Beelitzer Spargelfeld. Bereits seit einigen Wochen durchkämmte er im Auftrag des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Archäologischen Landesmuseums das Spargelfeld. Ausgerüstet mit einem Metalldetektor, machte er sich auf die Suche nach einem Mittelalterdorf. „Heimatgeschichte ist mein Hobby“, erzählt Lippert, der hauptberuflich als KFZ-Sachverständiger arbeitet. So habe er nach eigener Recherche von der einstigen Wüstung Heensdorf erfahren.

In den Wochen vor dem großen Fund habe Lippert die eine oder andere Münze auf dem Feld entdeckt. Das habe ihn in seinem Vorhaben ermutigt, weiter zu suchen. Mitte November suchte Lippert den Rand der Wüstung ab - so werden aufgegebene historische Siedlungen oder Wirtschaftsflächen genannt, die durch Urkunden, Flurnamen oder Reste im Boden festgehalten und belegt sind.

Profis übernahmen die Grabung

„Auf einmal gab der Metalldetektor ungewöhnlich viele Signale von sich“, erinnert sich der Brandenburger. Die ersten Münzen lagen nur wenige Zentimeter unter der Erde. Manche waren sogar auf der Oberfläche sichtbar. Innerhalb von einer Stunde fand Lippert 70 verstreut liegende Denare, so der Fachbegriff für die zweiseitig geprägten Pfennige. Aufgeregt war er nicht sonderlich, erzählt Lippert. Viel mehr beschäftigte ihn die Frage, wo sich das „Epizentrum der Münzen, also der gefüllte Topf“ befand.

„Noch am selben Tag informierte ich die zuständige Behörde“, sagt Lippert. Am 24. November übernahm Thomas Kersting, der im Landesamt das Dezernat Bodendenkmalpflege leitet, die sogenannte archäologische Not- und Rettungsgrabung. Diese förderte noch mehr zutage.

Im Verlauf des Einsatzes fand sich eine größere Ansammlung von Scherben, darunter eine Vielzahl eng aneinander liegende Pfennige einen knappen Meter unter der Erdoberfläche. Offenbar sei der Krug mit Münzen versehentlich von Bauern beim Beackern des Bodens unterirdisch zertrümmert worden, sodass sich die Pfennige auf einer großen Fläche verteilten. Dennoch sei es erstaunlich, „wie gut die ganzen und die halbierten Münzen erhalten sind“, sagt Kersting.

Funde in der Region nicht selten

Der Schatz aus dem Spargelfeld ist nicht der erste spektakuläre Fund in dieser Region. Ebenfalls im Herbst vergangenen Jahres entdeckte der Hobby-Archäologe Frank Slawinski in einem Abhang in Lebus nördlich von Frankfurt (Oder) rund 2100 Silbermünzen. Diese stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert.

Überrascht von seinem Fund war auch der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Sieghard Wolter, als er im Januar 2014 auf einem Acker bei Götz einen Pott voller Silbermünzen ausgrub. Das Alter der gut 3000 Münzen geht auf das 13. bis 14. Jahrhundert zurück.

Schätze im Boden gehören dem Land Brandenburg

Die Münzen aus Busendorf stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Das ergab die numismatische Einordnung durch die Fachleute Hans-Dieter Dannenberg aus Potsdam und Wilko Krone aus Beelitz. Im Gegensatz zu der Legende aus Irland, bestehen die brandenburgischen Münzen aus Silber. Sie haben einen Durchmesser zwischen etwa 14,5 und 17 Millimeter und das mittlere Gewicht liegt bei 0,7 Gramm. Der aktuelle Marktwert der Silberpfennige beträgt rund 100 Euro.

Den Fund zu behalten und über das Internet zu verkaufen, kam Mario Lippert jedoch nie in den Sinn. Zum einen gehöre der Fund laut Denkmalschutzgesetz dem Land Brandenburg, erklärt der Hobby-Archäologe. „Zum anderen ist es für mich viel mehr wert, ein weiteres Puzzle-Teilchen zu der Geschichte der Region beitragen zu können.“