Schulen in Berlin

Lehrermangel: Berlin will Referendare früher einstellen

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres will Lehramtsanwärter schon nach sechs Monaten Vollzeit an Schulen beschäftigen.

Noch rund 1350 Lehrerstellen müssen zum neuen Schuljahr besetzt werden

Noch rund 1350 Lehrerstellen müssen zum neuen Schuljahr besetzt werden

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Berlin.  Der massive Lehrermangel in Berlin treibt immer neue Lösungsvorschläge zu Tage. Der jüngste kommt von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD): Nach ihrem Willen sollen Referendare jetzt bereits nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit als Vollzeitlehrer arbeiten.

Ihre Ausbildung sollen sie nebenbei zu Ende machen. So das Angebot an die Lehramtsanwärter, die im Februar in ihren Vorbereitungsdienst an den Grundschulen gestartet sind. Dabei soll das Referendariat künftige Lehrer nach ihrem Studium auf den Einsatz an der Schule vorbereiten.

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Der Vorsitzende der Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, wertet das Vorgehen der Bildungsverwaltung dann auch als Zeichen, „dass die Not besonders groß ist“. Auch bei den sogenannten Lehrer-Castings, mit denen der Senat Bewerber für die freien Stellen in den Schulen sucht, zeige sich, dass es noch größere Probleme als in den Vorjahren gebe genügend geeignete Bewerber zu finden, so Erdmann.

Angehende Lehrer werden mit höherem Gehalt gelockt

In der Bildungsverwaltung heißt es indes, dass das Angebot den Referendaren die Möglichkeit gebe, frühzeitig eine unbefristete Einstellung zu erhalten. Der Senat lockt die angehenden Pädagogen zudem mit einem höheren Gehalt. Wer gleich als Vollzeitlehrer arbeitet, soll etwa 3000 Euro brutto im Monat verdienen, mehr als doppelt so viel wie im herkömmlichen Referendariat (1130 Euro).

Dafür ist allerdings die Arbeitsbelastung deutlich größer: Während Referendare an ihrer Ausbildungsschule zehn Schulstunden wöchentlich eingesetzt werden und davon mindestens vier Wochenstunden selbstständig unterrichten sollen, würden sie nach GEW-Angaben im berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst 19 Wochenstunden allein vor der Klasse stehen. Hinzu kommen die Pflichtseminare.

Die Senatsverwaltung geht davon aus, „alle Stellen besetzen zu können.“ Auch GEW-Chef Erdmann glaubt, dass es „in einem Wahljahr“ gelingen werde, alle Stellen zu besetzen – aber der Anteil der Lehrer mit voller Fachausbildung werde nicht sehr hoch sein. Erdmann warnt vor den Folgen: „Die Lehrer mit Fachausbildung können sich aussuchen, an welche Schule sie gehen wollen. Das werden nicht unbedingt Brennpunktschulen sein – obwohl gerade dort Lehrer mit pädagogischer Ausbildung gebraucht werden.“

Laut Bildungsverwaltung müssen zum neuen Schuljahr noch rund 1350 Lehrerstellen besetzt werden. Im Februar seien 1080 Personen eingestellt worden. Derzeit liefen Einstellungsverfahren für 650 neue Lehrkräfte.