Potsdam –

Universität Potsdam sorgt für Verjüngung der Landeshauptstadt

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Patrick Goldstein

Eine neue Studie zeigt, wie Wirtschaftskraft und Lebensgefühl durch die Hochschule geprägt werden

Potsdam. Die Universität Potsdam sorgt bei direkten Mitarbeitern sowie Angestellten von Partnern der Hochschule für einen jährlichen Einkommenseffekt von 364,6 Millionen Euro. Zu diesem Schluss kommt eine gestern in der Landeshauptstadt vorgestellte Studie.

Unter der Überschrift „Die Universität Potsdam als Wirtschaftsfaktor“ untersuchte das Europäische Institut für Sozioökonomie im Auftrag der Hochschule die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ihrer Arbeit. Dazu zähle etwa die starke Ansiedlung von Forschungseinrichtungen, die mit der Universität kooperieren und sich zu diesem Zweck in ihrer Region angesiedelt haben. Diese Unternehmen schaffen 4150 Vollzeitstellen. Davon sind rund 2400 Arbeitsplätze in Brandenburg. Die Universität selbst beschäftigt 4500 Menschen, die überwiegend in Brandenburg wohnen (2600 Arbeitnehmer), stellt die Untersuchung fest.

Zu den zentralen Zielen der Studie zählte, festzustellen, welche Grundlagen für zukünftige Mittelzuweisungen an die Universität bestehen. Der Leiter der Untersuchung, Eike Emrich, kommt zu dem Ergebnis, dass die Finanzierung der Universität für das Land Brandenburg eine lohnende Investition darstelle, „die erhebliche sozioökonomische Effekte nach sich zieht, die Innovationsleistungen in der Region stimuliert und gesellschaftspolitische Impulse setzt“.

Dazu zählt auch ein verjüngender Effekt für die Stadt. Entgegen dem Brandenburger Trend sorge die Universität für einen Zuzug von 18- bis 25-Jährigen. Dies komme einem „Jungbrunnen“ gleich. Ohne den Anziehungseffekt der Hochschule würde sich Potsdam zu einer Stadt der Senioren entwickeln, einer „Pensionopolis“.

Die Universität Potsdam wurde im Juli 1991 gegründet. Seit 2001 agiert sie auch als sogenannte Gründerhochschule: Mit der Fachhochschule Potsdam wurde das Brandenburgische Institut für Existenzgründung und Mittelstandsförderung (BIEM) ins Leben gerufen. Es will in Lehre und Forschung unternehmerisches Denken und Handeln an Brandenburgs Hochschulen unterstützen. Zwischen 2011 und 2015 gab es der jetzt vorgelegten Studie zufolge jährlich 36 Gründungen von Start-ups.

Laut jüngsten Zahlen hatte die Uni im Wintersemester 2014/2015 20.500 Studenten, davon 5200 Anfänger. Zum Vergleich: An den Hochschulen Berlins gab es im Wintersemester 2015/16 175.651 Studierende. Potsdamer Vorzeigefächer sind etwa Kognitionswissenschaften, Psychologie und Geowissenschaften. Die meisten Studenten zieht die Philosophische Fakultät an.

Ausführlich beschäftigt sich die Untersuchung mit Lebensbedingung und Stimmung Potsdamer Studenten. Sie wohnen zu etwa gleichen Teilen in Berlin (46 Prozent) und Potsdam (45 Prozent). Bei knapp mehr als einem Drittel ist kein Elternteil Akademiker. Auf einer Skala von null („gar nicht zufrieden“) und zehn („außerordentlich zufrieden“) lag der Mittelwert bei der Frage „Wie zufrieden sind Sie mit der Universität?“ bei 6,6. Im Durchschnitt stehen Potsdamer Hochschülern monatlich 863 Euro zur Verfügung. Sie gehen 15 Stunden arbeiten.

Insgesamt zeigte sich Universitätspräsident Oliver Günther durch die Ergebnisse der Studie bestärkt. „Als größte Universität Brandenburgs tragen wir maßgeblich zur Leistungs- und Zukunftsfähigkeit des Landes bei“, sagte Günther.