Sternfahrt am Sonntag

Fahrrad-Demo in Berlin: Das sind die wichtigsten Fakten

Mit einer Sternfahrt in die City am Sonntag soll der „Volksentscheid Fahrrad“ vorangebracht werden. Verkehrsbehinderungen erwartet.

An der letzten Sternfahrt in Berlin nahmen 120.000 Radfahrer teil

An der letzten Sternfahrt in Berlin nahmen 120.000 Radfahrer teil

Foto: dpa

Die Fahrradlobby macht mobil in Berlin. Für Sonntag ruft der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) zur 40. Fahrradsternfahrt auf. Im vergangenen Jahr rollten nach Veranstalterangaben 120.000 Radfahrer von verschiedenen Startpunkten am Stadtrand zum Großen Stern. Auch 2016 wird das Umweltfestival im Tiergarten das Ziel der Demonstranten sein, die auf ihrem Weg auch über die Stadtautobahn radeln werden.

Kommentar: Mehr Platz für Fahrräder

Rechtzeitig zur „weltgrößten Fahrrad-Demonstration“ haben sich die Berliner Grünen entschieden, den Volksentscheid für eine bessere Fahrradinfrastruktur auch offiziell zu unterstützen. „Wir haben den Gesetzentwurf der Initiative und unsere eigenen Beschlüsse und Anträge im Abgeordnetenhaus nebeneinandergelegt“, sagte der Landesvorsitzende Daniel Wesener am Mittwoch bei einem Pressegespräch in einem Fahrradladen in Mitte. Dabei habe man eine große Übereinstimmung festgestellt.

Der Rad-Volksentscheid sei eine Reaktion auf eine „verfehlte Politik, die in den 90er-Jahren stecken geblieben“ sei, sagte Wesener. Radfahrer seien in Berlin vielerorts noch Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse. „Wer Rad fährt in Berlin, lebt gefährlich“, sagte Wesener, der selbst meistens mit dem Rad unterwegs ist. Er verwies auf die sieben Radfahrer, die in diesem Jahr bereits auf Berlins Straßen gestorben sind.

Fraktionschefin Antje Kapek präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan der Grünen, in dem sich viele Forderungen des Volksbegehrens wiederfinden. So verlangen auch die Grünen Fahrradstreifen auf allen Hauptstraßen, kreuzungsfreie Radschnellwege aus den Außenbezirken in die Innenstadt, ein Netz von Fahrradstraßen, sicherere Kreuzungen durch farbige Markierungen und eine räumliche Trennung des Auto-, Rad- und Fußverkehrs. „Es geht uns um die Menschen, die sich heute noch nicht trauen, Rad zu fahren“, sagte Kapek. Auch die Baustellen müssten von der Verkehrslenkung Berlin künftig so eingerichtet werden, dass Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern Vorrang vor den „Komfortinteressen“ der Autofahrer hat.

In München gibt es 58 Fahrradstraßen, in Berlin 17

In der wachsenden Stadt mit zunehmendem Verkehr mache es Sinn, auf mehr Radverkehr zu setzen. „Es gibt kein anderes Verkehrsmittel, das so schnell und kostengünstig ausgebaut werden kann wie der Radverkehr“, sagte die Fraktionsvorsitzende, die mit ihrer Kollegin Ramona Pop sowie den Parteichefs Wesener und Bettina Jarasch das grüne Spitzenquartett für die Wahlen am 18. September bildet.

Die Grünen bemühten sich aber auch, keine ideologische Konfrontation zwischen Rad- und Autofahrern aufzubauen. Die Verkehrsarten zu trennen sei auch im Interesse der Autofahrer. Selbst der mächtige Autoclub ADAC habe sich hinter Teile des Rad-Volksentscheides gestellt.

Kapek, die lange in den Niederlanden gelebt hat, verwies auf die Erfahrungen dort. Es sei völlig normal, dass jeder auch Rad fahre, selbst wenn er ein Auto besitze. Die Holländer seien sehr gut darin, Radspuren durch Barrieren oder rote Farbe von den Autofahrbahnen abzutrennen. Und wenn man wissen wolle, wie ein Fahrradparkhaus funktioniere, könne man in Amsterdam sehen, was alles möglich ist, sagte die Kreuzbergerin.

Vom Senat erwarten die Grünen, dass er das Budget für den Radverkehr deutlich aufstockt. Bisher seien es fünf Euro pro Einwohner und Jahr, wirklich ausgegeben würden davon aber nur 3,40 Euro. Diese Summe müsste mindestens verdreifacht werden, so die Grünen-Forderung, zudem brauche es mehr Personal, das Radverkehr plant und umsetzt. „Das ist Ingenieurskunst“, sagte Kapek.

>>>Wie Berlins Straßen für Radfahrer attraktiver werden sollen<<<

Andere Städte seien deutlich weiter. So habe das viel kleinere München 58 Fahrradstraßen, Berlin biete dagegen nur 17. Paris wolle seine Radstreifen auf 700 Kilometer verdoppeln, Berlin schaffe nur sieben zusätzliche Kilometer pro Jahr. Dem Senat werfen die Grünen vor, sich ohne Not in eine Konfrontationshaltung zu den Bürgern zu begeben, die das Volksbegehren angeschoben haben. Die offizielle Kostenschätzung von mehr als zwei Milliarden Euro, die Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel vorgestellt hatte, halten die Grünen für unseriös und überhöht. Die Grünen gehen davon aus, dass die Anliegen des Volksentscheids mit Investitionen von 13 Euro pro Kopf und Jahr zu stemmen wären.

Die Ökopartei forderte vor allem die SPD auf, mit den Initiatoren nach Kompromissen zu suchen, so wie das auch beim Volksbegehren für günstigere Mieten geschehen war. Aber beim Thema Fahrrad habe der Senat „auf Abwehr geschaltet“, sagte Landeschef Wesener. Wobei die Grünen davon ausgehen, im Falle einer Regierungsbeteiligung im Herbst selbst auf die Initiatoren zugehen zu können.