Offene Gärten

118 Berliner öffnen ihre Gärten für alle

Tage der offenen Gärten: Besitzer von 118 Privatgärten in Berlin und Brandenburg gewähren am Wochenende Einblicke in ihre „Heiligtümer".

Foto: Reto Klar

Im Staudengarten von Sybille Voormann in Frohnau gibt es alles von knallgelben Zitronen bis hin zu dunkelroten Rosen. Die Berlinerin passt ins Bild. Sie trägt eine rosa Gartenschürze und ein glitzerndes Paillettencap. Sie ist Besitzerin des 1700 Quadratmeter großen Grundstücks und passionierte Gärtnerin. Von einer erhöhten Steinterrasse aus, die zur Hälfte überdacht ist, kann sie den Blick über den gesamten Garten schweifen lassen. Obwohl große Birken die Grünfläche umranden, ist es bei Sonne sehr hell. An der Hauswand wächst ein roter Rosenstrauch in die Höhe. „Meine Mutter hat die Rosen vor 50 Jahren gepflanzt“, erzählt Sybille Voormann. Hosta, Pfauenradfarn, Süßdolde und Helleborus wachsen rund um die geschwungene Rasenfläche. Ein Hingucker sind die Mohnblumen und der Rhododendron. Zwischen den Pflanzen gibt es Sitzgelegenheiten und eine Hollywoodschaukel.

Pastellfarbene Rosen, leuchtende Azaleen und prächtiger Rhododendron. Der Juni bringt malerische Blüte nach Berlin. Bei der Aktion Offene Gärten 2016 öffnen in diesem Jahr die 118 schönsten privaten Stauden-, Rosen-, Wasser-, Wald- und Künstlergärten in und um Berlin ihre Pforten. Neben Gärten, die seit vielen Jahren dabei sind, gibt es wieder einige Newcomer. Die Haupttermine im Sommer sind der 4. und 5. Juni. Besucher können sich Tipps und Anregungen holen oder einfach nur eine Tour durch die Gärten machen. Ob Orchideen, Schwimmteiche, Gartenführungen oder Kaffeekränzchen. Die Initiative Offene Gärten Berlin-Brandenburg (INOG) und die Urania Potsdam bieten ein vielfältiges Programm.

Sybille Voormann gehört zu den Mitbegründern des INOG und ist eine der Gastgeberinnen. Ihren Garten, der aus drei zusammengefassten Grundstücken besteht, hat sie von ihren Eltern geerbt. Seit 2005 bepflanzt sie ihn liebevoll. Der Teich im hinteren Teil war früher mal ein Pool, in dem ihr Vater gern geschwommen ist. Während sie erzählt, zupft Voormann alte Äste ab. „Man lebt mit dem Garten und freut sich jedes Mal, wenn etwas Neues blüht“, sagt sie lächelnd. Zwischen 200 und 300 Besucher kamen 2015. Zum diesjährigen Termin präsentiert eine befreundete Künstlerin ihre Vogelbilder im Garten. Für die Besucher gibt es außerdem Getränke auf der Terrasse und bei Bedarf auch Pflanzenableger.

Teatime mit Zitronenkuchen zwischen englischen Rosen

Eine typisch englische Teatime zwischen englischen Rosen gibt es im Garten von Gundi Freitag und Andreas Berndt. Duftende rote und rosafarbende Rosen wachsen neben weißen Sorten und liefern ein farbenprächtiges Bild. Auf die großen gelben Rosen ist Gundi Freitag besonders stolz. Die meisten Rosensträucher im Garten der zwei Berliner sind alte Sorten. „Die blühen im Gegensatz zu den modernen Rosensorten nur einmal im Jahr“, sagt sie. Immer von Ende Mai bis Mitte Juni. Da bietet sich der Besuchertermin am 5. Juni hervorragend an. Auch Züchtungen von David Austin sind auf dem 280 Quadratmeter großen Grundstück der Kleingartenanlage Bornholm II zu finden. Der Engländer züchtet seit den 60er-Jahren die berühmten englischen Rosen. Und auch sonst ist Gundi Freitag ein Englandfan. Zur Teatime wird sie für ihre Gartenbesucher einen Zitronenkuchen backen – einen Lemon Drizzle Cake.

Seit sechs Jahren teilt sie sich nun den Garten mit Andreas Berndt. Neben gepflegtem Rasen, Pfingstrosen, lauschigen Sitzecken und hübschen verschlungenen Pfaden gibt es ein Tomatenhaus aus Holz und Plexiglas. Ende Juli werden dort pralle rote Tomaten hängen. In vier Hochbeeten wächst weiteres Gemüse. Dank der guten Erde und dem sonnigen Platz gibt es gute Erträge, sagt Gundi Freitag stolz. Besuchern gibt sie gern Tipps, was die Pflege und Gestaltung solcher Hochbeete angeht. Neben dem Termin bei den Offenen Gärten stellt sie im Sommer oft ein Schild an die Straße und lädt Besucher in ihren Garten ein. Sie können einfach klopfen oder rufen. Eine Klingel gibt es nicht.

Redmond Nielsen setzt vor allem auf Blütenvielfalt. Zwischen geradlinig konzipierten Neubauten hat er ein kleines Gartenparadies erschaffen. Der professionelle Gartendesigner ist vor sieben Jahren nach Deutschland gezogen. Als er 2011 in den Rohbau in die Dresdener Straße in Mitte kam, machte er sich sofort an die Arbeit. Wer heute an der Straße bei Hausnummer 34 steht, mag kaum glauben, wo er sich wenige Sekunden später mit einer Tasse Kaffee oder Kräutertee wiederfindet. Der Kontrast könnte nicht stärker sein. Ein 250 Quadratmeter großer farbenfroher Garten inmitten moderner weißer Wohnblöcke. Idylle mitten in der Stadt. „Es ist aber eine Herausforderung“, sagt der Amerikaner, während er Kater Daryl im Arm hält. In den Wintermonaten gelangt durch die tief stehende Sonne kein Licht in den Garten.

Mitte: Pfingstrosen und Zypressen zwischen Neubaublocks

Dafür hat Nielsen aber darauf geachtet, sowohl immergrüne und strukturgebende Pflanzen, wie 17 große Zypressen, als auch zartrosa- und pinkfarbene Pfingstrosen, Geranien und Taglilien als Farbtupfer zu pflanzen. „Es ist wichtig für mich, dass es hier das ganze Jahr über blüht“, sagt Redmond Nielsen. Besonders sind auch die Hasenohren, bei denen sich die Blätter tatsächlich wie die flaumigen, weichen Ohren eines Hasen anfühlen. Daneben sprießen winzige Blümchen und Zierzwiebeln aus der Erde. Redmond Nielsen hat auch Akazien, Heuchera, Fingerhut, Hosta, Astern, Kakteen aus Spanien und Kräuter wie Minze in seinem Garten. „Und das hier ist ein Heptacodium miconioides aus China“, erklärt er stolz. Das Geißblattgewächs trägt auch den prahlerischen Namen Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch. Besuchern steht dieser Garten am 10. Juli und am 17. September, jeweils von 10 bis 17 Uhr offen.

Rosenliebhaber werden auch vom Zehlendorfer Rosengarten von Rosemary und Rainer Bischoff begeistert sein. Der Patchworkgarten, wie ihn Rainer Bischoff nennt, besteht aus drei Gartenräumen. Von einem mit Schattenpflanzen gestalteten Vorgarten geht es am Haus vorbei auf einen Rasen. Hier gibt es einen naturbelassenen Teich mit Seerosen, Goldfischen und einem Holzdeck. „Ja, da kann man tatsächlich drin schwimmen“, sagt Rainer Bischoff und lacht. Über einen Klinkerweg gelangt man in den größten Raum, den Rosengarten. Pastellfarbene und kräftige gelbe Rosen sowie pinkfarbener Rhododendron entfalten hier ihre Blüte. Und nur eine rote Rose. Die kommt nicht so gut mit Nebenbuhlern aus, erklärt Rainer Bischoff. Eine Kletterhortensie rankt sich an einem Walnussbaum etwa zehn Meter in die Höhe.

Geschaffen wurde der Rosengarten von der Gartenplanerin Mona Kerkow. Zusammen mit ihr gibt Bischoff gern Führungen über sein 800 Quadratmeter großes Grundstück. Außerdem wachsen hellblauer Zierlauch, Glyzinien, Allium und duftender Flieder bei den Bischoffs. Weiter hinten steht ein hübscher Teepavillon. Getragen von vier Säulen liegt er gegenüber einer sonnenüberfluteten Terrasse. Ein Highlight ist das Schwarzwasserbecken, in dem das Wasser mit Lebensmittelfarbe eingefärbt ist. So kann man nicht ins Wasser blicken, stattdessen spiegelt sich die Umgebung an der Oberfläche. Ein schöner Effekt, findet das Ehepaar. Auf die Offenen Gärten freuen sich die beiden schon. „Es macht jedes Mal großen Spaß“, sagt Rainer Bischoff. „Und man führt tolle Gespräche. Es lohnt sich, dabei zu sein.“


Beschreibungen, Adressen und Öffnungszeiten der Gärten auf www.offene-gaerten-berlin-umland.de und im Programmheft. Zusammen mit der Besucherplakette für 3 Euro ist es an bestimmten Vorverkaufsstellen erhältlich. Mit der Plakette ist der Zutritt in alle Gärten der Aktion frei. Haupttermine am 4. und 5. Juni und 18. September, Einzeltermine bis März 2017.