Geldwäsche

Vorwürfe gegen Kudamm-Bühnen-Investor

Das Landgericht verhandelt am Dienstag eine Räumungsklage gegen die Kudamm-Bühnen. Theaterdirektor Martin Woelffer wehrt sich.

Theaterdirektor Martin Woelffer kämpft um den Erhalt seiner Spielstätte

Theaterdirektor Martin Woelffer kämpft um den Erhalt seiner Spielstätte

Foto: Reto Klar

Kurz vor der Verhandlung einer Räumungsklage gegen den Betreiber des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm tauchen neue Vorwürfe gegen den Investor auf. Der Anwalt von Theaterdirektor Martin Woelffer hält einem Bericht des "Spiegel" zufolge die Firma nicht für klageberechtigt. Die 29. Zivilkammer des Landgerichts Berlin wird die Klage unter dem Aktenzeichen 29 O 407/15 am Dienstag verhandeln.

Wie berichtet, soll der Bauträger Cells Bauwelt das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm abreißen und als Ersatz eine neue Bühne im Tiefgeschoss errichten. Teile der Bebauung des Karrees zwischen Kudamm und Lietzenburger Straße, Uhland- und Knesebeckstraße sollen weichen – bis auf die Gebäude an der Uhlandstraße und das Hochhaus auf dem Areal des Kudamm-Karree.

Schwer durchschaubares Firmengeflecht

Hinter dem Bauvorhaben steht ein kompliziertes Firmengeflecht. Scheinfirmen seien das, schreibt jetzt der "Spiegel" und beruft sich dabei auf Reiner Geulen, Woelffers Anwalt. Dessen 36-seitiger Schriftsatz soll dem Nachrichtenmagazin vorliegen. Die Investorin (Mars Propco1) ist mit dem Bauträger, Finanzfirmen in Luxemburg und Panama und einem Moskauer Immobilieninvestor verflochten.

Dem Geulen-Dossier zufolge ist der Geschäftszweck der Mars Propco 1, "hohe Investitionssummen aus dem Nicht-EU-Ausland zu akquirieren" und dem "Steuerrecht der EU und der Bundesrepublik zu entziehen". Laut "Spiegel" folgert Geulen daraus, eine solche Firma sei nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht klageberechtigt.

Anwalt weist Vorwurf zurück und beruft sich auf Kündigung

Der Anwalt der Propco weist laut "Spiegel" diesen Vorwurf der Geldwäsche zurück. Die Klägerin macht nun am Gericht geltend, der Mietvertrag sei seit Längerem beendet. Sie stützt sich dabei auf eine fristlose Kündigung und begründet diese damit, dass die Theaterbetreiber weder eine Nutzungsentschädigung noch Betriebskosten gezahlt hätten. Die Anwälte Woelffers berufen sich dagegen auf politische Zusagen und durch Investorenwechsel entstandene Unklarheiten.

Unterdessen haben die Betreiber von Theater und Komödie am Kurfürstendamm fast 7500 Unterstützer für den Erhalt ihrer Spielstätte gefunden. Auf der Online-Petitionsplattform Change.org kämpfen Woelffers Mitstreiter für die von Max Reinhardt gegründeten Bühnen, die von der Familie Woelffer seit mehr als 60 Jahren geführt werden.

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