Forderungen

Halten bald wieder ICE-Züge am Bahnhof Zoo?

Verkehrssenator Geisel hat zum zehnjährigen Bestehen des Berliner Hauptbahnhofs mehr Fernverkehr an anderen Stationen gefordert.

Der Bahnhof Zoo am Hardenbergplatz in Charlottenburg.

Der Bahnhof Zoo am Hardenbergplatz in Charlottenburg.

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) hat die Deutsche Bahn aufgefordert, am Berliner Bahnhof Zoologischer Garten wieder Fernverkehrszüge halten zu lassen. Der einst wichtigste Zughalt in der City West müsse ebenso wie der Ostbahnhof stärker in den Fernverkehr eingebunden werden, sagte Geisel am Sonnabend während einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Berliner Hauptbahnhofs.

Zeitgleich mit der Inbetriebnahme der neuen Zentralstation am Spreebogen am 28. Mai 2006 hatte die Bahn alle Stopps ihrer schnellen Intercity-Expresszüge (ICE) in Zoo gestrichen. Dort halten seither nur noch S-Bahnen, Regionalzüge sowie wenige Fernzüge, die von anderen Eisenbahnen betrieben werden. Seit 2014 legt auch der Interregio-Express (IRE), der ein- bis zweimal täglich zwischen Berlin und Hamburg pendelt, am Bahnhof Zoo einen Zwischenstopp ein. Der Zug gilt jedoch bahnintern als Regionalzug.

Bahn lehnt Fernzughalt aus Kapazitätsgründen ab

Die Deutsche Bahn reagierte zurückhaltend, allerdings nicht völlig ablehnend auf Geisels Forderung. Man könne über alles reden, sagte der Konzernbevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, der Berliner Morgenpost. „Die Pünktlichkeit der Züge hat für uns aber Vorrang.“ Eine Wiederaufnahme des ICE-Verkehrs am Bahnhof Zoo stehe daher derzeit nicht zur Diskussion.

Die Bahn begründete schon in der Vergangenheit das Aus für den Fernverkehr am Bahnhof Zoo mit Kapazitätsproblemen auf der sogenannten Stadtbahn. Die führt in Ost-West-Richtung quer durch die Stadt, an der Strecke liegen neben dem Hauptbahnhof auch die Stationen Alexanderplatz, Friedrichstraße und Charlottenburg sowie der Ostbahnhof und der Bahnhof Zoo. Für den Fernverkehr stehen auf der Trasse nur zwei Gleise zur Verfügung. Jeder zusätzliche Zughalt würde die Kapazität der wichtigen Verbindung weiter verringern, so die Bahn.

Bereits eine kleine Abweichung eines einzelnen Zuges würde zudem reichen, um den gesamten Fahrplan auf der Trasse durcheinanderzubringen. Zuletzt hatte die Bahn das Regionalverkehrsangebot zwischen Berlin und Potsdam stark ausgebaut. Die Züge fahren in Spitzenzeiten im Viertelstundentakt. Auch wegen Bauarbeiten kommt es immer wieder zu teils erheblichen Verspätungen.

>>Kommentar: Der Bahnhof Zoo muss zurück ans Netz

Geisel will die Gegenargumente der Bahn nicht gelten lassen. Gestützt auf einen 2015 vom Abgeordnetenhaus verabschiedeten Auftrag an den Senat, sprach er sich für mehr Fernzughalte am Zoo und am Ostbahnhof aus. „So, wie es im Pilzkonzept auch vorgesehen ist“, und verweist auf den anhaltenden Einwohnerzuwachs in Berlin.

Als „Pilzkonzept“ wird die Verkehrsplanung bezeichnet, die die Deutsche Bahn vor allem mit Unterstützung des Bundes nach der deutschen Wiedervereinigung in Berlin umsetzte. Es beinhaltet, dass die bestehende Ost-West-Trasse (Stadtbahn) und die Ringbahn durch eine neue Nord-Süd-Bahntrasse ergänzt und verknüpft werden. Am Schnittpunkt von Stadtbahn und Nord-Süd-Verbindung entstand daraufhin der neue Hauptbahnhof – Europas größter Kreuzungsbahnhof. Ergänzt wird die Zentralstation durch drei Bahnhöfe an den Peripherien, die neu gebaut oder ausgebaut wurden. Das sind die Bahnhöfe Südkreuz, Spandau und Gesundbrunnen.

Erstmals gebe es mit dem Hauptbahnhof in Berlin eine Station, an der Züge aus allen Richtungen halten können, würdigte Bahnchef Rüdiger Grube das „Pilzkonzept“. Dieses sei voll aufgegangen. Am Hauptbahnhof hielten inzwischen mehr als 1300 Züge am Tag. Und von keiner Bahnstation in Europa aus gebe es mehr Verbindungen in andere Länder. Der Bahnhof werde täglich von rund 300.000 Reisenden und Besuchern passiert. „Hochgerechnet sind das 110 Millionen Gäste im Jahr – sechs Mal so viele wie am Berliner Flughafen Tegel“. Grube kündigte weitere Serviceverbesserungen an. So würden ab Frühsommer alle Bahnsteige mit Anzeigen ausgerüstet, die nicht nur über den nächsten Zug, sondern auch über die folgenden Verbindungen informieren. Zudem sollen alle 56 Fahrtreppen modernisiert werden. Sie sollen etwa Sensoren erhalten, die technische Störungen sofort in die Betriebszentrale übermitteln.