Pilotprojekt

Diese Berliner Schulen sollen schnell gebaut werden

Bildungssenatorin Scheeres legt Modellprojekt vor. Die Grünen fordern generelles Umsteuern und orientieren sich an Hamburg

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will den Schulneubau berschleunigen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will den Schulneubau berschleunigen

Foto: Reto Klar

Berlin braucht deutlich mehr Schulplätze als bisher angenommen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte am Montag: „Innerhalb der nächsten neun Jahre wächst die Zahl der Schüler um rund 25 Prozent.“ Starker Zuzug nach Berlin sei der Grund. Das bedeute, dass allein an den allgemeinbildenden Schulen in den kommenden acht Jahren etwa 75.000 zusätzliche Schulplätze gebraucht würden.

Hier soll gebaut werden:

  • Friedrichshain-Kreuzberg: Emanuel-Lasker-Oberschule (Neubau einer Grundschule)
  • Spandau: Wolfgang-Borchert-Schule (Erweiterung und Umbau der Schulanlage), Inklusive Grundschule Goltzstraße (Neubau), Lily-Braun-Gymnasium (Sporthallenbau), Heinrich-Böll-Oberschule (Ersatzbau)
  • Charlottenburg-Wilmersdorf: Anna-Freud-Oberstufenzentrum (Neubau), Oberstufenzentrum Kfz (Neubau)
  • Steglitz-Zehlendorf: Schule am Stadtpark (Sporthallenbau)
  • Mitte: Chausseestraße/Boysenstraße (Neubau einer Grundschule)
  • Pankow: Jeannre-Barez-Schule (Erweiterung), Tesla-Gemeinschaftsschule (Neubau Sporthalle)
  • Lichtenberg: Grundschule (Neubau), Brodowin-Grundschule (Sporthallenbau)
  • Reinickendorf: Neuer Standort am Freiheitsweg (Sporthallenbau)
  • Marzahn- Hellersdorf: Integrierte Sekundarschule An der Schule (Neubau), Grundschule an der Wuhle (Sporthallenbau), Franz-Carl-Archad-Grundschule (Sporthallenbau)

Scheeres will den Schulneubau nun beschleunigen, um schnell mehr Schulplätze zu schaffen. Dafür plant sie ein Pilotprojekt, mit dem Ziel, elf Schulen und sieben Turnhallen schneller zu bauen als bisher. Eine Task Force soll dafür sorgen, dass die Planung schneller geht, Bauteams sollen alle Beteiligten an einen Tisch bringen, um die für den Bau notwendigen Schritte abzustimmen. Dies könnte dazu führen, dass die Schulbauten in vier statt wie bisher in acht Jahren errichtet werden könnten, sagte Scheeres.

Grüne halten Verwaltungsreform für notwendig

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Stefanie Remlinger, bezweifelt allerdings, dass sich durch das von der Senatorin vorgeschlagene Modell eine echte Beschleunigung des Schulbaus erreichen lässt. „Derzeit dauert ein Neubau neun Jahre. Selbst wenn es zwei Jahre schneller gehen sollte, ist das immer noch viel zu lange“, sagte Stefanie Remlinger der Berliner Morgenpost.

Die genannten Modellschulen seien zudem schon in der Investitionsplanung des Landes enthalten. Häufig sei es aber vor allem die Planungsphase davor, die Jahre dauert. Und dann müsse geklärt werden, wer das Kostenrisiko trage, wenn die Bauten doch teurer als geplant werden.

Die Grünen schlagen stattdessen eine Verwaltungsreform vor, angelehnt an das Hamburger Modell. Demnach sollen die Schulbauten in regionale Landesbetriebe übertragen werden, die dann mit eigenem Kapital wirtschaften können. In Hamburg dauert ein Schulbau nur zwei bis drei Jahre. „Eine solche Beschleunigung ist im bestehenden System unmöglich“, sagte Remlinger.

Hamburg hatte 2010 den Landesbetrieb Schulbau gegründet

Die Grünen, aber auch die Linken im Abgeordnetenhaus favorisieren den Weg, den Hamburg eingeschlagen hat. Hamburg hatte 2010 den Landesbetrieb Schulbau gegründet. Grund: Die Bewirtschaftung der Gebäude war von der Schulbehörde über Jahre vernachlässigt worden, der Sanierungsstau lag bei 2,5 Milliarden Euro. Der neue Landesbetrieb funktioniert unabhängig von der jährlichen Haushaltsplanung. Die Schulgebäude gingen als Sondervermögen in den Betrieb ein.

Dieser erhält zudem marktübliche Mieten von der Schulbehörde und eine Kreditermächtigung. „So kann der Betrieb unabhängig von den Verteilungskämpfen in der Verwaltung wirtschaften“, sagte Daniel Stricker, Sprecher der Hamburger Finanzbehörde. Für die 350 Hamburger Schulgebäude sei ein Bedarfsplan erarbeitet worden, der nun nach Dringlichkeit abgearbeitet werde.

Elternvertreter hoffen auf eine Verkürzung der Bauzeit

Berliner Elternvertreter hoffen nun, dass auch das Modellprojekt von Bildungssenatorin Sandra Scheeres ähnlich wie in Hamburg eine dramatische Verkürzung der Bauzeit möglich macht. Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, sagte der Berliner Morgenpost: „Fatal wäre es, wenn Berlin nur noch auf vorgefertigte Modulbauten zurückgreifen würde, die den künftigen pädagogischen Standards nicht entsprechen.“ Das will auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres nicht. „Natürlich werden wir auch weiterhin modulare Ergänzungsbauten errichten“, sagte sie. Daneben müsse es aber unbedingt auch vollständige Schulneubauten geben.

Ein Beispiel dafür, wie lange Schulbauten dauern können, ist die Tesla-Schule an der Rudi-Arndt-Straße in Prenzlauer Berg. Sie ist seit 2010 Gemeinschaftsschule, und seitdem ist auch klar, dass hier ein neuer Schulbau benötigt wird. Der Bedarf wurde auch anerkannt, doch die Planungen mussten immer wieder revidiert werden, weil immer neue Kostenfaktoren auftauchten. Schließlich wurde entschieden, statt des Neubaus einen Modularen Ergänzungsbau aufzustellen.

Zusätzlich werden aber auch eine Sporthalle, eine Mensa und verschiedene Fachräume benötigt. Das alles soll in einem Mehrzweckbau unterkommen, der nun als Modellprojekt beschleunigt werden soll. Denn schon wieder gab es Einwände, dass die Kosten weit über dem üblichen Rahmen für eine Sporthalle liegen. Solche Verzögerungen werde es nicht mehr geben, so Scheeres. Ihr Modellprojekt würde für eine schnelle Planung und Bauumsetzung sorgen, weil es alle Beteiligten an einen Tisch bringe.