Umwelt

Die Berliner sind Biomüll-Muffel

Mit 19 Kilo organischem Abfall pro Einwohner und Jahr landet Berlin im Vergleich der Bundesländer auf dem vorletzten Platz.

In einer braunen Biomülltonne in Dresden (Sachsen) liegen am 21.05.2015 Lebensmittel. Foto: Arno Burgi/dpa

In einer braunen Biomülltonne in Dresden (Sachsen) liegen am 21.05.2015 Lebensmittel. Foto: Arno Burgi/dpa

Foto: picture alliance Arno Burgi / HA

Die Berliner sind Biomüll-Muffel. Laut Berliner Stadtreinigung (BSR) stieg die erfasste Menge seit 2008 zwar um fast ein Viertel auf 68.000 Tonnen – aber mit eingesammelten 19 Kilogramm Biomüll je Berliner und Jahr liegt die Stadt im Vergleich der Bundesländer auf dem vorletzten Platz. Nur in Brandenburg wird noch weniger Biomüll gesammelt. In den anderen beiden Stadtstaaten Bremen (35 Kilo je Einwohner) und Hamburg (33 Kilo) findet sich deutlich mehr Biomüll in der Tonne. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 51 Kilogramm.

Immer noch landen 82 Kilogramm organische Abfälle pro Jahr und Kopf in den Restmülltonnen. Das entspricht einem Anteil von 40 Prozent Biomüll, der nicht sachgemäß entsorgt wird. Die immer noch weitgehend unbeliebte braune Tonne ist daher in Berlin nur zu rund einem Fünftel gefüllt. Viele Berliner sparen sich aus Ekel oder aus Kostengründen die gesonderte Trennung des Biomülls, oder aber die Vermieter bestellen erst gar keine Tonne bei der BSR.

Die Umweltverwaltung sieht die BSR in der Pflicht

Seit dem 1. Januar 2015 schreibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz die gesonderte Sammlung von Biomüll in ganz Deutschland vor. Seitdem müssen organische Abfälle eigentlich in jedem Haushalt getrennt gesammelt werden. Doch noch fehlt in rund 365.000 Berliner Haushalten eine Biotonne. "Wir stellen jedem eine Biotonne hin, der es will", sagt BSR-Sprecher Thomas Klöckner. "Zwingen können wir aber niemanden."

Die Grünen fordern nun, die Biotonne in ganz Berlin aufzustellen, um den Anteil des gesammelten Biomülls in der Stadt zu erhöhen. "Dann könnte eine zweite Biogasanlage gebaut werden, die den Anteil an Biogas erhöht", sagt die Umwelt-Expertin der Fraktion, Silke Gebel. "Wenn die BSR nicht kann oder will, dann müssen wir das Aufstellen der braunen Tonnen ausschreiben", fordern die Grünen im Abgeordnetenhaus. Einen entsprechenden Antrag lehnen die regierenden Parteien SPD und CDU nicht grundsätzlich ab, haben ihn aber vorerst vertagt.

Laut Abfallbilanz des Senates wäre ein Ausbau der Biomüllsammlung in der Stadt sinnvoll. Auch die BSR will sich beteiligen. "Wir werden mit den Wohnungsbaugesellschaften eng zusammenarbeiten und maßgeschneiderte Pakete anbieten", sagt BSR-Sprecher Klöckner. Denn gerade der Biomüll aus den Wohnungen ist für die Vergärungsanlage interessant. Der Grasschnitt aus den Gärten der Einfamilienhäuser eignet sich nach Angaben der BSR nicht so sehr zum Herstellen von Biogas wie Essensreste und andere organische Küchenabfälle. Den Forderungen der Grünen nach einer zweiten Vergärungsanlage steht die BSR daher vorerst skeptisch gegenüber. "Es macht keinen Sinn eine zweite Anlage zu bauen, wenn sie nicht ausgelastet ist", so BSR-Sprecher Klöckner.

Mit Zeitungspapier wird Geruchsentwicklung vermieden

Die Senatsumweltverwaltung sieht dagegen die BSR in der Pflicht, mehr Biomüll einzusammeln. "Das muss ganz klar die BSR umsetzen", sagt Sprecher Martin Pallgen. In der Innenstadt verfügen derzeit rund 80 Prozent der Haushalte über eine Biotonne, in den Außenbezirken sind es dagegen nur 20 Prozent. "Wir wollen grundsätzlich die flächendeckende Einführung der Biotonne, müssen vorher aber noch die Verbesserungsmöglichkeiten bei den Tonnen und der Abholung in den bereits angeschlossenen Gebieten bewerten und umsetzen", sagt Pallgen. Im Gegensatz zu Berlin gibt es in anderen Städten wie Hamburg, Frankfurt am Main und München spätestens seit dem vergangenen Jahr eine flächendeckende Biomüllsammlung. München hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, 70.000 Tonnen Biomüll zu sammeln – mehr als in Berlin bei nur rund einem Drittel an Einwohnern.

Um auch in Berlin die Akzeptanz der Biotonne zu erhöhen, hat die BSR mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM das Modellprojekt "Bio Logisch!" gestartet. Mit Broschüren und einem Informationsangebot vor Ort soll die Bereitschaft der Mieter verbessert werden, den Biomüll getrennt zu sammeln. Um die oft unangenehme Geruchsentwicklung in der Biotonne zu verhindern, empfiehlt die BSR, die Abfälle in Altpapier zu wickeln und so die Hemmungen gegen die getrennte Sammlung des Biomülls abzubauen.

In Berlin wird der Biomüll seit Juni 2013 in einer neuen Vergärungsanlage der BSR in Ruhleben behandelt. Dabei entstehen 2000 Tonnen Biogas. Gereinigt und aufbereitet wird es als Bio-Erdgas genutzt, um 150 der insgesamt 300 Fahrzeuge der BSR zu betanken. So spart das Unternehmen jährlich etwa 2,5 Millionen Liter Dieselkraftstoff. Insgesamt sammelt die BSR jährlich 1,3 Millionen Tonnen Müll ein. Davon entfallen 814.000 Tonnen auf Restmüll, 171.000 Tonnen auf Papier und Pappe, 85.000 Tonnen sind Verpackungen und 67.000 Tonnen Glas.

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