Berliner Bergführer

Berlin, deine Hügel: Hier will die Hauptstadt hoch hinaus

Zum ersten bundesweiten „Tag des Wanderns“ stellt ein neuer „Bergführer“ Berlins – nun ja – Hügellandschaft vor.

Berlins höchste Erhebungen können Gebirgsbewohner kaum beeindrucken

Berlins höchste Erhebungen können Gebirgsbewohner kaum beeindrucken

Foto: BMO

Die Alpen sind so nah. Zu erreichen ohne stundenlange Autofahrten, ohne ins Flugzeug nach München zu steigen oder in den Zug. Der Bus X83 bringt den Berliner in die Alpen. Einfach an der Kreuzung Nahmitzer Damm und Motzener Straße aussteigen und dann am roten Pfahl vorbei ins Gelände des Freizeitparks Marienfelde gehen. Immer die gepflasterten Straßen bergauf marschieren – bis auf den 77 Meter hohen Alpengipfel. Das ist zwar nur seine halboffizielle Bezeichnung und entstanden ist er auch nicht vor 30 Millionen Jahren, sondern ab 1950 durch die 30 Jahre lange Aufschüttung von Müll. Mittlerweile ist der Alpengipfel aber ein Biotop, in dem sich Feldlerche, Pirol, Moorfrosch und Knoblauchkröte wohlfühlen – und der auf jeden Fall eine Wanderung lohnt.

Am besten sofort. Erstmals wird am Sonnabend bundesweit der „Tag des Wanderns“ begangen. Unter dem Dach des Deutschen Wanderverbandes (DWV) haben Vereine und Landesverbände insgesamt 200 Veranstaltungen in den Bundesländern organisiert, davon allerdings nur eine einzige Wanderung in Berlin. Diese führt ab 11 Uhr vom S-Bahnhof Wannsee zum kleinen Wannsee über den Pohlesee zum Stölpchensee. Etwa 2,5 Stunden sind für die knapp zehn Kilometer vorgesehen (www.tag-des-wanderns.de).

Ziel des Deutschen Wanderverbandes ist es, mit dem neu geschaffenen Tag die Vielfalt des Wanderns und die vielen ehrenamtlichen Vereine mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. 69 Prozent aller Deutschen wandern, hat der Verband ermittelt. Damit sei es die beliebteste Outdooraktivität. Wanderer geben während ihrer Tages- oder Mehrtagesausflüge in Deutschland jährlich 7,5 Milliarden Euro aus und sind damit ein wichtiger Bestandteil des Tourismusmarktes. In Zukunft soll jedes Jahr der 14. Mai als „Tag des Wanderns“ im Kalender stehen. Das Datum geht auf die Gründung des Deutschen Wanderverbandes am 14. Mai 1883 zurück.

Am höchsten hinauf geht es in Pankow

Berggipfel sind beliebte Wanderziele. Insgesamt 55 Erhebungen haben die Autoren des neu erschienenen Buchs „Bergführer Berlin“ ausgemacht und einen Stadtführer für urbane Gipfelstürmer geschrieben. Doch da es in Berlin keine wirklich ernstzunehmenden Berge gibt, sind auch die Empfehlungen nicht immer ernst gemeint. Unter den Tipps befindet sich zum Beispiel auch das Berghain. Es liege „idyllisch zwischen den Gebirgstälern Friedrichshain und Prenzlauer Berg, aus welchen beiden es seinen Namen bezieht“, schreibt Autor Markus Gerold. Er gehe beim Berghain von einem vulkanischen Ursprung aus. Für echte Wanderfreunde ungeeignet ist ebenfalls der im Buch aufgeführte Kletterfelsen der Eisbären im Zoo sowie verschwundene Berge, wie der abgetragene Schwefelberg in Köpenick und der nie entstandene 1000 Meter hohe Berg, den hochmotivierte Planer auf dem Tempelhofer Feld gesehen haben.

Aber es gibt auch Erhebungen in Berlin für die es sich lohnt, die Wanderschuhe anzuziehen. Der Alpengipfel im Freizeitpark Marienfelde ist dabei noch lange nicht der höchste Berg. Die höchsten Hügel in Berlin sind die Arkenberge in Pankow – eine Bauabfalldeponie mit einer Höhe von 121,9 Meter. Den Gipfel erreicht der Wanderer, indem er den Bus 107 bis Arkenberge nimmt, durch die Kleingartenanlage läuft und dann links- oder rechtsherum um den Berg läuft – bis er eine Lücke im Zaun gefunden hat, so die Empfehlung der Autoren. Sie raten auch zu festem Schuhwerk und gutem Wetter für den mühsamen Aufstieg, da der Gipfel nicht mit Wegen erschlossen ist. Immerhin erwartet den Bergsteiger oben ein Rundumblick über den Berliner und Brandenburger Barnim bis zur Innenstadt.

Die Arkenberge haben den Teufelsberg mit einer Höhe von 120,1 Metern auf den zweiten Platz der Berliner Erhebungen verwiesen. Den Trümmerberg in Grunewald haben die Berliner längst genauso erobert wie den drittplatzierten Großen Müggelberg (114 Meter) in Köpenick, der immerhin der höchste natürliche Berg ist. Eine gewisse Berühmtheit hat mittlerweile auch der Kienberg (102,2 Meter) im Wuhletal erreicht. Wie ein echter Berg in den Alpen wird er jetzt mit einer Seilbahn ausgestattet, die zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) ab April 2017 auf einer Strecke von 1,5 Kilometern den Gipfel mit dem Tal verbindet.

Flugversuche von einem „rührenden Maulwurfshügel“

Otto Lilienthal verhalf dem Fliegerberg in Lichterfelde zu einer gewissen Bekanntheit. Im Buch wird er als „rührender Maulwurfshügel“ beschrieben. Tatsächlich ist der Berg, den Lilienthal 1894 für seine Flugversuche aufschütten ließ, 59,4 Meter (Seehöhe) hoch. Der eigentliche Gipfel ist nach der Überwindung von 15 Höhenmetern erreicht. Ausflügler können aber den Park und die Ruhe dort genießen.

Ebenfalls in einem Park liegt die Fritz-Schloß-Anhöhe (53,1 Meter), ein Trümmer- und Rodelberg im gleichnamigen Park in Tiergarten. „Für frische Berliner Bergsteiger ist die Anhöhe im Fritz-Schloß-Park wärmstens empfohlen“, schreibt Markus Gerold. Wenn das keine Aufforderung zum „Tag des Wanderns“ ist.

„Bergführer Berlin“,
W. Griebel, M. Gerold, H. Beutel, be.bra verlag, 176 Seiten, 16 Euro

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