Berlin

Lollapalooza will in Berlin bleiben

In diesem Jahr soll das Festival im Treptower Park stattfinden. Doch noch gibt es keine Genehmigung. 2017 könnte das Maifeld der neue Ort werden

Über die Genehmigung der diesjährigen zwei Festivaltage im Treptower Park besteht noch nicht hundertprozentige Gewissheit. Da erklären die Veranstalter von „Lollapalooza“ bereits, auch 2017 ein Open-Air-Spektakel mit dutzenden Bands in Berlin abzuhalten. Über den künftigen Ort hüllte man sich am Montag allerdings in Schweigen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gibt es eine Anfrage von Lollapalooza für das Maifeld. Bevor dafür aber ein Termin zustande käme, müsste eine Vielzahl von Bedingungen erfüllt sein. Denn die Veranstaltungsorte des Olympiaparks Berlin sowie die benachbarte Waldbühne sind für 2017 gut gebucht.

Ursprünglich wollten die Konzertmacher am Montag mit der Leiterin des Straßen- und Grünflächenamtes Treptow-Köpenick, Ingrid Lehmann, über den Stand der Genehmigung und die Lagepläne von Lollapalooza am neuen Standort informieren. Am 10. und 11. September kommen 45 Bands nach Berlin, um vor täglich 45.000 bis 50.000 Zuschauern zu spielen. Dann überraschte Festivalsprecher Tommy Nick mit dem Hinweis, es werde auch 2017 in Berlin ein Lollapalooza geben. Nur eben nicht im Treptower Park. Wohin es geht, behalte er bis September für sich.

Die Nachricht ist die neueste Wende des noch frischen, aber turbulenten Zuzugs der internationalen Rockshow nach Berlin. Im vergangenen Jahr debütierten die Macher vor den Hallen des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Jeweils 45.000 Zuschauer kamen an zwei Tagen, feierten bei Bands wie den Libertines, klagten aber über viel langes Warten an den Toiletten und Ständen.

Dann entschied das Land Berlin, in seinen Hangars Flüchtlinge unterzubringen. Das bedeutete das Ende an diesem Standort für 70 bis 90 Shows, Messen und Ausstellungen. Die Tempelhof Projekt GmbH, die das Objekt verwaltet, geriet in Zugzwang. Als Ersatzfläche einigte man sich mit Lollapalooza auf den Treptower Park. Der gilt als Gartendenkmal und wird bis Sommer nach siebenjährigen Arbeiten in zwei Bauabschnitten für dann insgesamt 17 Millionen vollendet sein. Viele Anwohner und Gastronomen sind aus Sorge um Park und Umsatz gegen das Festival. Die Online-Petition „Kein Lollapalooza im Treptower Park in Berlin“ haben 5200 Menschen signiert.

Zehn Mietparteien dürfen ins Hotel ziehen

Bei der gestrigen Präsentation der vorläufigen Planung zeigte sich, dass die Veranstalter die Einigung mit Bezirk und Bürgern gesucht haben. So wurde zehn Mietparteien, die in unmittelbarer Festivalnähe leben, angeboten, während der Konzerttage in ein Hotel zu ziehen. Kritikerin Sigrid Schubert, deren Figurentheater Grashüpfer sich im Park befindet, holte man ins Boot, indem sie nun Vorstellungen im Rahmen des Kinderprogramms des Festivals geben wird.

Die beiden Hauptbühnen werden südlich der Puschkinallee errichtet. Wie lange die Sperrung der Straße vor, während und nach dem Festival dauern wird, ist noch nicht geklärt. Eine Umleitung wird voraussichtlich über die Straße Am Treptower Park erfolgen.

Betroffen sind auch BVG-Linien. Zwei weitere Bühnen stehen am Spreeufer sowie nahe dem Haus Zenner. Der Hafen wird nicht zum Festivalgelände zählen. Als Aussteller im sogenannten „Grünen Kiez“ können sich ab dem 11. Mai Berliner Start-ups und Nichtregierungsorganisationen bewerben, sagte Festivalleiterin Fruzsina Szép. „Büsche und Bäume werden wir umzäunen“, sagte Amtsleiterin Ingrid Lehmann. Als herausragende offene Fragen nannte sie den Verlauf des Außenzauns sowie die Standorte der Toiletten.

In wesentlichen Fragen dagegen herrschte Harmonie. „Die Wege und Wiesen werden mit Lastverteilungsplatten bedeckt und geschützt“, so Lehmann. Sie erwarte trotzdem, dass es zu erheblichen Schäden kommen wird. „Wir gehen davon aus, dass der Rasen neu herzustellen sein wird“, sagte sie. Dies werde insbesondere nach Regenwetter erforderlich. Die Veranstalter müssen für die etwaige Beseitigung von Schäden eine Summe hinterlegen, die das Bezirksamt bestimmt.

Ingrid Lehmann rechnet damit, dass sie bis Ende Mai eine Genehmigung erteilen kann. Offen ist noch der Schutz des Sowjetischen Ehrenmals, das südlich des Festivalgeländes liegt. Zehn Botschafter ehemals sowjetischer Staaten hatten in einem Brief an Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) und den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gebeten, das Open-Air-Festival an einen anderen Standort zu verlegen.

Die Abwanderung an einen neuen Ort in 2017 bereiten die Veranstalter jetzt vor. Schon vor der Entscheidung für Treptow hatte man sich unter anderem für die Trabrennbahn Karlshorst und das BER-Areal interessiert. Das Maifeld war im fraglichen Zeitraum schon an die Feuerwerker der „Pyronale“ vergeben. Aus dem Umfeld der Verwaltung hieß es, für 2017 habe Lollapalooza neuerlich angefragt. Es gebe Verhandlungen. Allerdings spielten für einen geeigneten Termin zahlreiche Faktoren eine Rolle. Neben den bereits vergebenen Terminen kämen nur solche Zeitabschnitte infrage, in denen es keine Konflikte mit Veranstaltungen etwa in Olympiastadion oder Waldbühne gibt. Der Hoffnung der Festivalbetreiber auf mehr Publikum würde das Areal indes viel Raum bieten: Das Maifeld ist für 200.000 Menschen konzipiert.