Kultur

Kunst gratis bestaunen: Das Gallery Weekend in Berlin

Berliner Galerien laden an diesem Wochenende zum Gallery Weekend. Was Sie nicht verpassen sollten.

Zum Gallery Weekend reisen Sammler aus der ganzen Welt nach Berlin

Zum Gallery Weekend reisen Sammler aus der ganzen Welt nach Berlin

Foto: Reto Klar

Das Gallery Weekend feiert dieses Jahr seinen 12 Geburtstag. Am letzten Aprilwochenende laden zahlreiche Galerien zu einem Rundgang ein.

Gezeigt wird das „Best of“ des Jahres: 54 Galerien bestreiten das offizielle Programm, das sich auf drei Tage erstreckt. Nach wie vor ist dieser Termin der lukrativste im ganzen Jahr für Berliner Galeristen.

Beim "Gallery Weekend" öffnen auch Privatsammler und Museen ihre Räume von Freitag bis Sonntag. Bierflaschen und Weißweingläser mit quatschenden Gästen gehören vor den Häusern zum Erkennungszeichen.

Am Donnerstag beginnt das "Gallery Weekend" mit einem Empfang

Für Sammler und Galeristen geht das "Gallery Weekend" bereits am heutigen Donnerstagabend mit einem Empfang im Hau 1 in Kreuzberg los. Das begehrte Dinner – auf Einladung – am Sonnabend findet diesmal im alten Kraftwerk Rummelsburg statt.

Per Schiff kommen die Gäste an, rund 1000 stehen auf der Liste, meistens werden es mehr. Gerade internationale Sammler lieben diese Milieuwechsel in der Stadt. Gäste aus Nordamerika und Asien seien gut vertreten, heißt es aus dem Planungsbüro des Gallery Weekends.

Das Programm

  • Eine Auswahl aus dem Programmmarathon: St. Agnes wird in diesem Jahr erstmals vollständig bespielt, der Garten wird fürs Publikum zugängig. Großobjekte von Katharina Grosse und Elmgreen & Dragset sind hier outdoor, allerdings fehlen wohl die Blumen, aber daran wird die Kunst nicht scheitern.


  • Die Galerie König rüstet mit gleich vier Ausstellungen mächtig auf. Anette Kelm eignet sich mit ihren artifiziell arrangierten Fotografien die große Halle an, ziemlich mutig.

  • Claudia Comte besetzt die Kapelle mit ihren Holzskulpturen. Am Standort Dessauerstraße wird das alte West-Berlin mit Malerei von K.H. Hödicke wiederbelebt. Er hat um die Ecke seit Jahren sein Atelier. Eigen + Art setzt auf Hauskünstler Carsten Nicolai, CFA gibt dem „bad boy“ Christian Rosa ein Forum, der sich mit der soften Kandinsky-Abstraktion und seinem Bohemien-Leben ziemlich gut zu vermarkten weiß.

  • Galerie Crone dagegen entschleunigt, hängt die monomanischen Blätter mit den Mikrozeichen von Grande Dame Hanne Darboven auf. Und noch eine Lady, Jahrgang 1949: Meyer/Riegger entdeckt die Schweizer Malerin Miriam Cahn, bekannt für ihren frühen Flüchtlingsbilder, wieder. Tobis Rehberger hingegen packt bei neugerriemschneider kunterbunte Geschenke für „seine“ 65 Künstler“ ein - versteckt in seinen kunstvollen Papierskulpturen, die sogar in der Küchennische der Galerie Platz finden.

  • Isa Genzken, Franz Ackermann und Ai Weiwei etwa revanchieren sich mit eigenen Arbeiten. „Künstler-Kooperation“ – so heißt das Thema dieser inspirierenden Gruppenausstellung. Turner-Preisträger Mark Wallinger „röntgt“ bei Carlier/Gebauer in den „id-Paintings“ seinen eigenen Körper. Und Wolfgang Tilmans zeigt in der Galerie Buchholz seinen persönlichen Darkroom: sein Fotostudio.

Fotografie ist bestens vertreten

Bei Kicken in Mitte gibt es einen Parcours quer durch Deutschland, Ost wie West, fotografiert von Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Helga Paris und Gabriele und Helmuth Nothelfer.

Galerie Neu erfindet sich neu und nimmt mit der Amerikanerin Anne Collier, 46, erstmals überhaupt eine Fotografin mit Frauenporträts in ihrem Programm auf. Wer einmal einen ganz anderen Tomi Ungerer sehen will, der sollte unbedingt die Galerie Fuchs auf die Liste setzen: Dort zeigt der genialische Kinderbuchillustrator 30 seiner aktuellen, herrlich bösen Collagen, die zeigen, wo der alte Herr seine kreativen Energien lässt.

Der Geheimtipp für alle "Gallery Weekend"-Besucher

Nicht verpassen sollte man bei Société Newcomerin Petra Cortright, 29 Jahre, aus L.A., man könnte sie eigentlich Mrs. Digital nennen, sie manipuliert ihre Videos, malt online und lässt Icons auf ihrer Webside tanzen, dass es Freude macht. Wem das gefällt, muss sich unbedingt den britischen Ed Fornieles (Arratia Beer) anschauen.

Twitter, Instagram und Tumblr benutzt er als Grundlage für seine Internet-basierten Projekte, die „Facebook sitcom“ ist nur eines davon. Sein Alter Ego ist ein Fuchs, der auch in Berlin herumwuselt. Diesmal wird der Gürtel enger gebunden, wir müssen uns mit ihm einer radikalen Diät unterziehen: die der Selbstoptimierung. Wir sollten uns auf alles einstellen: „Die Geist: Flesh Feast“ heißt seine Schau. Ein Diät-Starterpaket soll es geben.

Politisches in der Galerie Kow

Den eindeutig politischsten Akzent des Galerie Weekends setzt die Galerie Kow. Im Doppelpack beschäftigen sich Tobias Zielony und Hiwa K mit den Themen Flucht, Flüchtlingen und Vertreibung. Hiwa K, 1975 im Irak geboren, kam 2002 selbst als politischer Flüchtling nach Deutschland. Nächstes Jahr werden wir noch mehr von ihm sehen – auf der Documenta in Kassel.

Alle wichtigen Informationen im Überblick:

Wann:
29. April bis 01. Mai 2016

Wann genau:
Freitag von 18 bis 21 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von 11 bis 19 Uhr

Wo:

  • Galerie Buchholz, Fasanenstr. 30
  • Galerie .Arratia beer, Postdamer Str. 87
  • Galerie Crone, Rudi-Dutschke-Str. 26
  • Galerie Meyer Rieger, Friedrichstr. 235
  • Galerie Kicken, Linienstr. 161 A
  • Galerie neugerriemschneider, Linienstr. 155
  • Galerie Michael Fuchs, Auguststr. 11-13

Kosten:
Gratis