Lärm

Wo Berlin besonders laut ist - und wo besonders leise

Berlin hat besonders laute Plätze und besonders stille. Ein Überblick, wo man Ruhe finden kann und welche Plätze man meiden sollte.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Der Straßenverkehr ist in Berlin die Lärmquelle Nummer eins. Am lautesten ist es Berechnungen zufolge aber für die Anwohner an vielgenutzten Eisenbahnstrecken. Wer vor dem Lärm und der Hektik flüchten will, finden in der Stadt spezielle Orte der Ruhe.

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An Bahnen ist es am lautesten

Der Straßenverkehr ist in Berlin die häufigste Lärmquelle. „Die höchsten Schallpegel sind aber dort zu ‎verzeichnen, wo Gebäude besonders nah an vielgenutzten Eisenbahnstrecken liegen“, erläutert Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt. Besonders laut ist es demnach für die Anwohner der Ringbahnbahnstrecke in den Hinterhäusern der Ebersstraße in Berlin-Schöneberg. Hier werden tagsüber 80 Dezibel erreicht. Auch in Alt-Glienicke im Bereich des Grünauer Kreuzes ist es mit 83 Dezibel besonders laut. ‎

Krach durch Straßenverkehr

Wer Ruhe sucht, sollte diese Straßen meiden:

  • Leipziger Straße in Mitte (bis zu 80 Dezibel)

  • Hindenburgdamm in Steglitz (bis zu 76 Dezibel)

  • Tempelhofer Damm in Tempelhof (bis zu 77 Dezibel)

  • Berliner Allee in Weißensee (bis zu 77 Dezibel)

  • Frankfurter Allee in Friedrichshain (bis zu 77 Dezibel).

Dies sind laut Umweltverwaltung die lautesten Straßen in der Stadt. Laut ist es auch für die Anwohner der Stadtautobahn. Für den Ortsteil Halensee berechnen Experten eine tägliche Lärmbelastung von bis zu 75 Dezibel. Nach Aussage des Lärmexperten Bernd Lehming von der Umweltverwaltung klagen aber auch Anwohner an weniger befahrenen Straßen über Lärm. Vor allem nachts störe es viele Menschen, wenn einzelne Raser unterwegs seien.

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Fluglärm

Fluglärm betrifft derzeit vor allem Berliner, die im Umkreis des Flughafens Tegel in Spandau, Reinickendorf und Pankow leben. 21.000 Menschen wohnen in Bereichen, in denen es so laut ist, dass Experten Gefahren für die Gesundheit sehen. Vom Flughafen Schönefeld sind auf Berliner Gebiet vor allem Menschen im südlichen Bohnsdorf betroffen. So laut, dass er als gesundheitsschädlich gilt, ist der nächtliche Fluglärm. 200 Menschen leben in Gebieten, in denen nachts gesundheitsrelevante Schwellenwerte für Lärm überschritten werden.

Museum der Stille

Wer echte Ruhe sucht, findet sie etwa im „Museum der Stille“. Nur zwei Bilder des russischen Künstlers Nikolai Makarov mit nebelhaften Wolken- und Landschaftsfragmenten hängen dort. Mitten im lebhaften Szene-Bezirk Mitte sollen Gäste in diesem sparsam beleuchteten Raum zu sich selbst und zur Ruhe kommen können. Makarov wollte einen Ort schaffen, der weder religiös noch esoterisch angehaucht ist. „Interessant ist, dass auch viele junge Leute, die mit Lärm und Informationen zugeschüttet werden, diesen Ort wertschätzen“, sagt Makarov. Manche Besucher kämen für ein paar Minuten, andere blieben auch zwei Stunden.

Räume der Stille

Etwa zwei Millionen Menschen haben seit 1994 den „Raum der Stille“ im Brandenburger Tor besucht. „Und es ist trotzdem still. Niemand isst, spricht oder raschelt mit einer Zeitung“, sagt Maria Diefenbach, Vorsitzende des Förderkreises Raum der Stille. Die Gruppe habe den Raum ins Leben gerufen, um einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen der Hektik der Großstadt entfliehen können. „Man braucht Momente der Stille, um leben zu können“, sagt Diefenbach. Der Raum ist 30 Quadratmeter groß. Es gibt zehn Stühle und einen Wandteppich. Auch auf dem Messegelände kann man in einem „Raum der Stille“ zur Ruhe kommen. Die evangelische Kirche hat den Raum für Messebesucher und Mitarbeiter eingerichtet.

Museen und Bibliotheken

Räume, in denen es sehr still ist, gibt es in vielen Museen. Eine eher beklemmende Stille herrscht im dunklen, 35 Meter hohen Holocaust-Turm des Jüdischen Museums. „Hier traut sich niemand zu sprechen“, sagt Museumssprecherin Katharina Schmidt-Narischkin. Auch Bibliotheken sind Orte der Ruhe. Gesprochen wird aber oft trotzdem. Die Amerika-Gedenkbibliothek bietet denen, die sich gestört fühlen, Ohrstöpsel an.