Lärm

Wie der Senat Berlin zu einer leiseren Stadt machen will

Autos, Eisenbahnen - Berlin ist oft viel zu laut. Der Senat will die Lärmbelastung senken.

Morgendlicher Berufsverkehr auf dem Kaiserdamm

Morgendlicher Berufsverkehr auf dem Kaiserdamm

Foto: Michael Kappeler / dpa

Flüsterasphalt statt Kopfsteinpflaster und Schmiermittel für die quietschende Straßenbahn: Die Großstadt Berlin soll lärmarmer werden. Ab diesem Jahr soll deutlich mehr Geld in den Lärmschutz fließen. 2016 und 2017 seien je 1,8 Millionen Euro statt der bisher 300 000 Euro jährlich eingeplant, teilte der Sprecher der Umweltverwaltung, Martin Pallgen, mit. Die Aufstockung sei dank einer Förderung des Bundes und EU möglich.

Berliner Vereine, Schulen und andere Veranstalter werben am kommenden Mittwoch für mehr Ruhe in der Stadt. Anlass ist der „Tag gegen Lärm“ am 27. April. Laut Deutscher Gesellschaft für Akustik soll der bundesweite Aktionstag auf Lärm und seine Wirkungen aufmerksam machen.

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In Berlin leben etwa 300.000 Menschen in Gegenden mit gesundheitsbelastendem Lärm von 55 Dezibel und mehr. Bis zum Jahr 2025 will der Senat diesen Geräuschpegel für rund 100.000 von ihnen unter diese Marke senken. Im Lärmaktionsplan sind verschiedene Maßnahmen festgeschrieben. Die häufigste Lärmquelle in der Stadt ist der Straßenverkehr.

Um den Verkehrslärm zu mindern, sollen weitere Straßen Flüsterasphalt bekommen. In diesem Jahr ist der Belag für die Lindauer Allee und den Eichborndamm in Reinickendorf sowie die Seeburger Straße in Spandau vorgesehen, wie Pallgen mitteilte. „Auf der Friesenstraße in Kreuzberg wird zudem Kopfsteinpflaster aus der Nachkriegszeit gegen lärmarmen Asphalt ausgetauscht“, ergänzt Bernd Lehming vom Referat für Immissionsschutz.

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Außerdem soll der Ausbau von Fahrradstreifen vorangetrieben werden. Aktuell sei etwa eine solche Fahrradspur auf der Gitschiner Straße in Kreuzberg geplant, so Lehming. Fahrradstreifen förderten nicht nur den Radverkehr, sondern sorgten auch für einen besseren Verkehrsfluss. „Wenn für Autofahrer nur noch ein Fahrstreifen pro Seite zur Verfügung steht, können sie nicht mehr ständig die Spur wechseln und den Verkehr zum Stocken bringen“, erläutert der Experte.

Auch Mittelinseln und Displays, die Autofahrern die Geschwindigkeit anzeigen, sollen helfen, die Geschwindigkeit und somit den Verkehrslärm zu mindern. Er gilt in der Stadt als häufigste Lärmquelle - obwohl laut Lehming bereits auf 80 Prozent der Straßen eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h gilt.

Schmiermittel für die Trams

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen mit einem speziellen Schmiermittel dafür sorgen, dass die Straßenbahnen in Kurven nicht mehr quietschen. Sensoren erkennen laut Sprecherin Petra Reetz, wann die Bahn in eine Kurve fährt und sorgen dann dafür, dass das Schmiermittel auf die Schienen kommt. Alle Straßenbahnen sollen mit der Technik ausgestattet werden.

Wo aktiver Lärmschutz nicht möglich ist, fördert der Senat seit 2014 passiven Schallschutz. Es gibt Zuschüsse für Schallschutzfenster oder die schalltechnische Aufarbeitung von Holzkastendoppelfenstern in Wohnhäusern an sehr lauten Straßen und Schienenwegen der BVG. Seit 2014 sind laut Pallgen bereits rund 900.000 Euro Fördermittel geflossen. Seit diesem Jahr stehen 670.000 Euro zur Verfügung - bislang waren es 500.000 Euro jährlich.