Bei Demonstration

Erdogan-Gedicht - Festnahme von Piraten-Chef löst Kritik aus

Berlins Piraten-Chef Bruno Kramm ist festgenommen worden, weil er öffentlich aus dem Böhmermann-Gedicht zitierte. So reagiert das Netz.

Berlins Piratenchef Bruno Kramm ist am Freitag auf einer Demonstration in Berlin festgenommen worden. Er hatte aus dem Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zitiert, und zwar die Zeile "Kurden treten, Christen hauen". Er muss jetzt mit einer Strafanzeige wegen Paragraf 103 des Strafgesetzbuches rechnen, der die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe stellt. Der Vorfall löste eine heftige Diskussion vor allem in den sozialen Netzwerken aus.

Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, hat kein Verständnis für Kramms Aktion. „Da wollte wohl jemand noch schnell auf den Zug aufspringen“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Kramm habe mit dieser Reaktion der Polizei rechnen müssen, sagte der CDU-Abgeordnete Burkard Dregger. Er habe gegen Auflagen der Versammlungsbehörde verstoßen, die das Verwaltungsgericht für rechtskräftig erklärt hatte. Im Übrigen sei Kramm lediglich zur Aufnahme seiner Personalien vorübergehend festgenommen worden.

Der Chef der Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, äußerte sich bei Twitter. Das Zitat sei keine Schmähkritik, das Vorgehen der Polizei deshalb nicht rechtmäßig.

Christian W. schreibt bei Facebook: "Da beleidigen offensichtlich die Ordnungskräfte die Intelligenz der Öffentlichkeit. Seit wann sind diese vier Worte eine Majestätsbeleidigung?"

Das sieht auch Lorenz B. so: "Gerade die zitierte Zeile fällt ja wohl am wenigsten unter Schmähkritik. Wie es Kurden und Christen (neben Schwulen, Armeniern, Journalisten, Juden, Schülerinnen, Bergarbeitern und Oppositionellen) in der Türkei ergeht, lässt sich leicht verifizieren."

Etwas anders sieht das Sandra W.: "Also erst dachte ich auch was soll das denn. Wenn man den Artikel liest, dann gab es offenbar die klare Auflage, es nicht zu zitieren. Mich würde deshalb eher interessieren, wie das Gericht diese Auflage im Detail begründet hat - da gehört der Aufschrei eigentlich hin."

Michael N. fordert klare Konsequenzen: "An Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten, man sollte ihn (Erdogan, Anm. d. Red.) endlich zur unerwünschten Person erklären und mal den Botschafter zur ernsthaften Aussprache einladen"

Und Marco W. ruft zu einer Reaktion auf: "Sollten wir da nicht alle nächsten Freitag, jeder mit nem Megafon (und Rollschuhen?), hingehen und das Gedicht zitieren? Wer ist dabei?

>>> Die gesamte Diskussion bei Facebook <<<

Auch auf Twitter wurde der Vorgang diskutiert: