Strafprozess

Anklage wegen Anlegens einer Cannabisplantage

Gökhan B. und Sonja O. waren ein Paar und betrieben eine Cannabisplantage. Sie trennten sich. Ein Wiedersehen gab es als Angeklagte vor Gericht

Nach der Entdeckung einer Cannabisplantage in einer Wohnung im Stadtteil Reinickendorf haben die drei Angeklagten am Donnerstag vor einer Moabiter Strafkammer Geständnisse abgelegt.

Es handelt sich um ein ehemaliges Paar und den Stiefbruder der Frau. Der 38-jährige Hauptangeklagte Gökhan B. übernahm zu Beginn des Prozesses die Hauptverantwortung für die Taten. Es tue ihm sehr leid, dass er seine ehemalige Lebensgefährtin in die Sache hineingezogen habe. Er und Sonja O. lebten 13 Jahre zusammen und haben zwei gemeinsame Töchter.

Gökhan B. verkaufte in zehn Fällen in seiner in der Tiergartener Lessingstraße gelegenen Wohnung Marihuana an einen Kunden in 100-Gramm-Portionen für jeweils 700 Euro. Zudem war er der Initiator einer Cannabisplantage, die in der Wohnung des 28-jährigen Gunnar T. betrieben wurde. Sie wurde im Juli 2013 eingerichtet und etwa ein Jahr später von der Polizei entdeckt. Gunnar T. versorgte vor allem die Pflanzen. Sonja O. verkaufte in Vertretung ihres Lebensgefährten auch das Cannabis an Kunden.

Sonja O.s Verteidigerin erklärte vor Gericht, die Beziehung ihrer Mandantin mit Gökhan B. habe sich im Laufe der Jahre verändert. Die heute 36-Jährige sei zunehmend in eine emotionale Abhängigkeit geraten. Ihre Beteiligung an dessen Drogenhandel sei darauf zurückzuführen. Der Vorwurf, Gökhan B. habe Sonja O. gewaltsam in seiner Wohnung festgehalten und gezwungen, wegen der Betreuung der Kinder eine Verzichtserklärung zu unterschreiben, wurde vom Staatsanwalt mit Hinweis auf das ohnehin zu erwartende Urteil eingestellt.

Das Gericht hatte sich mit dem Staatsanwalt und den Verteidigern auf maximale Höchststrafen geeinigt. Voraussetzung dafür seien umfassende Geständnisse. Gökhan B. soll in diesem Falle zu höchstens drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt werden. Sonja O. und Gunnar T. wurden Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt.