Potsdam –

Brandenburg ahoi!

300 Bootsverleiher und 65 Reedereien bieten Ausflüge auf Seen und Flüssen an

Potsdam. Vom Ausflugsdampfer Schlösser bestaunen, mit einer steifen Brise über’n See segeln oder die Welt vom Hausboot aus mit ganz anderen Augen sehen: Auf den rund 3000 brandenburgischen Seen und 33.000 Kilometern Fließgewässern ist vieles möglich.

„Egal, ob sportlich oder relaxt, ob mit Stoppuhr in der Hand oder ganz auf locker. In märkischen Gewässern ist für jeden Ausflügler etwas dabei“, so Patrick Kastner, Sprecher bei der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB). Etwa 300 kommerzielle Boots- und Vereinshäfen böten in der gerade startenden Wassersportsaison laut TMB ihre Dienste an. Darunter befinden sich den Angaben nach 65 Reedereien. Betreiber von Häfen und Marinas sowie Privatleute verfügten auf den Gewässern über rund 17.000 Liegeplätze. Tendenz steigend. Die Zahlen beziehen sich auf Brandenburg und Berlin. „Eigene Zahlen erheben wir nicht“, erklärte Kastner. Die Wasserreise-Region Brandenburg-Berlin könne man vor allem wegen der Gewässergeografie nur schwer getrennt betrachten. Insgesamt würde in beiden Bundesländern durch Wassertourismus ein Brutto-Jahresumsatz von etwa 200 Millionen Euro erwirtschaftet. Allein 32 Millionen Euro geben Ausflügler dabei während ihrer Bootstouren aus.

Finowkanal ist die älteste befahrbare Wasserstraße

Eine der attraktivsten Strecken führt seit ein paar Wochen über den 32 Kilometer langen Finowkanal zwischen Zerpenschleuse und Liepe (Schiffshebewerk Niederfinow). „Der Kanal ist nach Schleusenbauarbeiten am Teilabschnitt „Langer Trödel“ wieder durchgängig befahrbar. Es geht durch eine tolle Landschaft mit intakter Pflanzen- und Tierwelt“, so Kastner. 13 Schleusen würden einen Höhenunterschied von etwa 36 Metern ausgleichen. „Vier bis fünf Tage sollten Urlauber für diese schöne Tour einplanen“, so der TMB-Sprecher. Der Finowkanal ist die älteste befahrbare künstliche Wasserstraße Deutschlands.

Der Startschuss für die neue Saison fiel auch im ostbrandenburgischen Seenland Oder-Spree. Mit über 200 Seen verfügt diese Gegend über die größte nutzbare Wasserfläche Deutschlands in einer Reiseregion. 20 Millionen Besucher im Jahr sind brandenburgweit Spitze. „Wasser haben wir, soviel Sie wollen“, erklärte Ellen Rußig, Chefin des regionalen Tourismusverbands mit Sitz in Bad Saarow. Der „Renner“ schlechthin sei im Seengebiet die Märkische Umfahrt, ein 180-Kilometer-Rundkurs auf Spree und Dahme. Reiher und Eisvögel seien häufige Begleiter der Tour. „An manchen Tagen können Urlauber hier die Stille hören“, sagte Verbandsmitarbeiterin Katrin Riegel mit Augenzwinkern. „Start- und Zielpunkt der Umfahrt können beliebig gewählt werden“, ergänzt sie. Scharmützelsee und Schwielochsee gelten indes als ideale Segelreviere.

Zu schaffen machen touristischen Akteuren die seit 2015 geltenden verkürzten Schleusen-Öffnungszeiten. Statt wie zuvor bis 22 Uhr würden insbesondere Schleusen an der Dahme-Wasserstraße sowie an den Storkower Gewässern (Oder-Spree) werktags nur noch bis 18 Uhr betrieben. Betroffen sind aus Sicht der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH vor allem Kurzurlauber in der Vor- und Nachsaison. „Wenn Du nur zwei, drei Tage unterwegs bist und dann noch an der Schleuse warten musst, ist es schnell vorbei mit dem Urlaubsvergnügen“, so Kastner.

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