Serie „Iss gut“

Berliner Boom: Bio als Lebensgefühl der Hauptstadt

In keiner anderen deutschen Stadt legen so viele Menschen Wert auf ökologisch produzierte Lebensmittel wie in Berlin. Teil 1 der Serie.

Biomarkt in der Altonaer Straße im Hansaviertel in Tiergarten. Viele Berliner kaufen bewusst Obst, Gemüse und Fleischprodukte aus der Bioproduktion

Biomarkt in der Altonaer Straße im Hansaviertel in Tiergarten. Viele Berliner kaufen bewusst Obst, Gemüse und Fleischprodukte aus der Bioproduktion

Foto: Reto Klar

Victoria Sutar ist jede Woche auf dem Okö-Markt am Kollwitzplatz. Die junge Engländerin kauft vor allem Fisch. Aber auch Obst und Gemüse stehen auf ihrem Einkaufszettel. „Das meiste kaufe ich hier für meine kleine Tochter ein“, sagt die 32-Jährige. Evelyn ist sechs Monate alt, sie soll von Anfang an gesund ernährt werden. Aber auch der Umwelt zu Liebe kauft Victoria Sutar möglichst oft Bio-Produkte.

Es ist Donnerstagmittag. Der Öko-Markt auf dem Kollwitzplatz hat seit 12 Uhr geöffnet, schnell wird es immer voller. Auffällig viele junge Frauen sind wie Victoria Sutar mit ihren Kleinkindern zum Einkaufen unterwegs. Zu ihnen gehört auch Christina Kohl (34), die ebenfalls jede Woche zum Öko-Markt kommt . Die junge Frau erwartet ihr zweites Kind. Das erste ist zweieinhalb Jahre alt. „Durch die Kinder habe ich angefangen, intensiver darüber nachzudenken, was wir essen“, sagt sie.

Bio als Berliner Lebensgefühl

Bio ist ein Lebensgefühl für Hunderttausende Berliner. Wenn Bio auf den Tisch kommt, isst nicht nur das Auge mit, sondern auch das Gewissen. Dieser Trend ist in keiner deutschen Stadt so verbreitet wie in Berlin. Nirgendwo sonst werden so viele Bio-Produkte verkauft wie hier. Doch ist Bio gleich Bio? Und ist Bio auch Öko? Oder ist das alles nur ein großes Geschäft?

„Bio ist in der Gesellschaft angekommen. Verbraucher wollen bewusst durch ihr Leben gehen“, sagt Hilmar Hilger, der Sprecher des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN). Eine aktuelle Studie über das Bioverhalten der Berliner kommt zum gleichen Ergebnis. Die Universität Hohenheim untersuchte im Auftrag der Supermarktkette Bio Company das Kaufverhalten der Berliner. 57 Prozent gaben an, dass sie ab und zu Bio kaufen. 42 Prozent tun das so oft wie möglich, zwei Prozent ausschließlich. Frauen achten eher auf Bio-Ernährung als Männer, 30- bis 59-Jährige häufiger als andere Altersgruppen. Beim Schulabschluss unterscheiden sich die Biokunden kaum. Wohl aber beim Einkommen: 37 Prozent Haushalte mit weniger als 2000 Euro Einkommen kaufen häufig Bio-Waren. In der Einkommensklasse über 4000 Euro sind es mehr als die Hälfte.

Politische Motive vor gesundheitlichen

Maria Beyer, 53, gehört zu denen, die ausschließlich Bio-Produkte kaufen. Sie ist Stammkundin auf dem Öko-Mark am Kollwitzplatz und in verschiedenen Bio-Supermärkten. „Ich tue das dem Tierschutz und der Umwelt zu Liebe“, sagt sie. Am wichtigsten sei ihr, regionale Produkte zu kaufen. Außerdem wolle sie sich gesund ernähren. „Hinzu kommt, dass Bio-Produkte mir deutlich besser schmecken.“

Die von Maria Beyer aufgezählten Gründe sind exemplarisch für den Kauf von Bio-Lebensmitteln. Laut Öko-Barometer, das vom Meinungsforschungsinstitut Infas im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums erhoben wird, wollen viele Kunden vor allem die Welt verändern und nennen politische Ziele. Sie setzen sich für artgerechte Tierhaltung ein (93 Prozent), wollen regionale Betriebe stärken (91 Prozent) und Lebensmittel mit weniger Zusatzstoffen konsumieren (88 Prozent). Erst an sechster Stelle geben Bio-Verbraucher individuelle Motive an: dass sie gesund leben wollen (84 Prozent), dass es ihnen auf den Geschmack ankommt (71 Prozent).

Eier sind die Bio-Spitzenreiter

Auch Hilmar Hilger sieht ein Bündel höchst unterschiedlicher Motive, lieber in den Bio- als in den Industrie-Apfel zu beißen: von politischen über christliche oder anthroposophische bis hin zu individualistischen. „Bio-Verbraucher wollen etwas verändern. Sie sind nicht an ihrem Ziel angekommen.“ Sie wollen einen Bezug zu dem, was sie kaufen. „Sie wollen den Prozess mitbestimmen – vom Acker über den Laden zum Verbraucher“, sagt Hilmer.

Diese Kaufgründe unterliegen Moden. Hat der faire Handel in den letzten drei Jahren 17 Prozentpunkte eingebüßt, so hat die Freiheit von Gentechnik um elf Prozentpunkte zugelegt. Wichtiger sind auch der Geschmack (plus zwölf Prozent) und die Behandlung (plus acht Prozent) der Nahrungsmittel geworden.

Und was legen die Kunden in ihren Warenkorb? Absolute Spitzenreiter unter den Bio-Produkten sind laut Öko-Barometer Eier. Jeder dritte Verbraucher kauft ausschließlich Bio-Eier, eine weiteres Drittel häufig. Gut die Hälfte der Befragten erwirbt regelmäßig Bio-Obst und Bio-Gemüse. Kartoffeln sind mit 43 Prozent die dritthäufigste Produktgruppe, gefolgt von Fleisch und Wurst (40 Prozent), Milchprodukten (38 Prozent) und Brot (37 Prozent).

Ein gewaltiges Umsatzplus

Die Branche boomt. Ihr geht es besser als dem Rest der Ernährungswirtschaft: Der Umsatzmonitor des BNN, an dem sich 20 Großhandelsunternehmen beteiligen, weist ein Umsatzplus von 11,4 Prozent aus. Damit liegt das durchschnittliche Wachstum im Naturkostgroßhandel seit 2006 bei zehn Prozent. Für den Naturkost-Facheinzelhandel lässt sich für 2015 ein Umsatzvolumen von 3,04 Milliarden Euro errechnen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft hat sogar einen Betrag von 8,64 Milliarden Euro errechnet – allerdings für die gesamte Öko-Branche, zu der der Naturkostfachhandel, Lebensmitteleinzelhandel, Reformhäuser, Bäckereien und der Versandhandel gehören.

Bio-Lebensmittel werden vor allem in Supermärkten gekauft, so übereinstimmend das Öko-Barometer und die Berlin-Studie der Universität Hohenheim. Jeder zweite Befragte kauft dort ein. Discounter rangieren in Berlin auf Platz zwei. Jeder dritte Verbraucher besucht Biosupermärkte, jeder vierte Wochenmärkte. Jeder fünfte kauft im Bioladen ein. Der Ort hängt allerdings vom Einkommen ab: Wer unter 2000 Euro hat, geht eher zum Discounter (42 Prozent) und seltener in den Biosupermarkt (22 Prozent). Bei Kunden mit mehr als 4000 Euro Einkommen ist es exakt umgekehrt. Auch Wochenmärkte und selbstständige Bioläden sind eher bei Wohlhabenden beliebt.

Eike Boldt, 57, ist Vater von vier Kindern. „Wir können es uns nicht leisten, ausschließlich Bio-Lebensmittel zu kaufen“, sagt er. Bei Fleisch und Eiern würden aber alle in der Familie großen Wert darauf legen. Auch Gemüse würden sie meist auf dem Öko-Markt kaufen. Das macht aus Javier Garcia, 36. Der Spanier lebt seit vier Jahren in Berlin und kauft immer donnerstags das Gemüse für die ganze Woche auf dem Markt am Kollwitzplatz. „Ich bin krank und muss besonders darauf achten, dass ich mich gut ernähre“, sagt er.

Vier Ketten auf dem Markt

Vier Unternehmen teilen sich den Berliner Markt der Bio-Supermärkte: Bio Company und LPG als lokale Einzelhändler, Denn’s und Alnatura als Filialen überregionaler Anbieter. Umsatzzahlen nennen nur die Bio Company (134 Millionen Euro für 2015) und LPG (60 Millionen Euro). Für die Company bedeutet das ein Plus von 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen betreibt 50 Märkte und hat 1390 Mitarbeiter. LPG hat acht Märkte aufgebaut.

„Wir wachsen mit dem Geld, welches wir erwirtschaften“, sagt LPG-Geschäftsleiter Ludwig Rieswick. LPG hat 2014 aus der Insolvenz die traditionsreiche Biobäckerei „UFA Bäckerei in der UFA Fabrik“ übernommen – heute Ben’s Bakery. Nächstes Ziel für den Herbst 2016 ist ein LPG-Markt in Moabit. „Zusätzlich betreiben wir seit vielen Jahren unseren eigenen Großhandel Bio Pool GmbH, eine Verteilstelle für unsere regionalen Bauern“, sagt Rieswick. „Unsere Basis bilden unsere Mitglieder“, sagt Rieswick. „Basierend auf zwei Preisen wählt der Kunde selbst, ob eine Mitgliedschaft lohnt. Bisher haben sich rund 23.000 Berliner für eine Mitgliedschaft entschieden.“

Alnatura nannte kürzlich ein Gesamtplus von zirka zehn Prozent. Damit steht dennoch fest: Der Biohandel wächst mehr als doppelt so stark wie der Berliner Einzelhandel insgesamt (plus 5,7 Prozent laut Amt für Statistik).

Auch Supermärkte stellen um

Kaum ein Berliner Supermarkt oder Discounter, in dem es keine Bio-Produkte gibt. Auch Kunden von Aldi, Penny, Edeka und Rewe stellen Waren mit unterschiedlichen Bio-Siegeln in ihre Regale und hoffen vor allem auf Gelegenheitskäufer, die sich und ihrer Familie etwas Gutes tun wollen und statt der 59-Cent-Milch zum Bioprodukt für 1,09 Euro greifen, welches direkt daneben steht.

Annika Klintmalm, 27, zum Beispiel kauft meist in normalen Supermärkten ein, greift dort aber so oft es geht, zu Bio-Produkten. „Bei Käse, Eiern, Obst und Gemüse gucke ich sehr genau hin, woher die Produkte kommen“, sagt sie. Ab und zu kauft sie aber auch auf dem Öko-Markt, dann meist Fleisch. „Weil ich das selten esse, kann es ruhig teurer sein.“

Edeka hat für seine Märkte, Center und Reichelt-Filialen zwar keine regionalen Zahlen, sieht seinen Bio-Anteil am Umsatz in Berlin aber „doppelt so hoch wie in anderen Regionen in unserem Geschäftsgebiet“, so Pressereferentin Alexandra Antonatus. „In Kreuzberg haben wir die höchste Nachfrage, in Spandau oder Süd-Neukölln die geringste“, präzisiert sie. Die meisten Kunden kaufen die Eigenmarke (Edeka Bio), die der EU-Öko-Verordnung genügt.

Edeka vertreibt seit September 2015 auch Alnatura-Produkte. Sie sind Bio-zertifiziert, die Qualität geht über die EU-Anforderungen hinaus. „Auch hier gibt es von den Kunden eine starke Nachfrage.“

Die stärksten Produkte gehören zum Frische-Sortiment: Milch, Joghurt und im Ranking weiter unten als erster Artikel im Trockensortiment die Bio-Reiswaffeln. „Auch beim Bio-Fleisch mit dem blauen Tierschutzlabel ist die Nachfrage der Verbraucher in Berlin deutlich höher ist als in anderen Regionen“, sagte Antonatus.

Rewe will keine Zahlen nennen. Das Unternehmen hat Bioprodukte seit 1988 in den Regalen. „Viele unserer Bioprodukte tragen neben dem EU-Bio-Siegel auch noch das Naturland-Label“, erklärt ein Unternehmenssprecher. „Der Anteil der Naturland-Produkte, die unter der Marke Rewe Bio vermarktet werden, soll weiter steigern.“ Rewe unterhält ein Netzwerk von Vertragsbauern. Der Konzern strebt langfristigen Kooperationen für Bio-Produkte aus Deutschland an.

Auch Aldi Nord reagiert auf die geänderten Konsum- und Ernährungsgewohnheiten von Verbrauchern in Deutschland und hat seine Eigenmarke „GutBio“ ausgebaut. Dabei handelt es sich um Produkte mit dem EU-Biosiegel.

40 vegane Produkte der Berliner Marke Veganz kommen von Mai an in die mehr als 1700 Filialen des dm-Drogeriemarkts. Die Kette hatte zuletzt eine Kooperation ihrer Eigenmarke dmBio mit Naturland gestartet. „Möglichst viele Artikel der Eigenmarke sollen künftig das Naturland-Zeichen tragen“, erklärt das Unternehmen. Zuletzt hatte dm Alnatura-Produkte ausgelistet. Berichten zufolge gibt es zwischen beiden Firmen einen Rechtsstreit um Markenrechte.

Doch auch die Bio-Branche steht vor einer digitalen Transformation. Die Mehrheit der Biomarkt-Kunden lehnt Onlinekäufe zwar noch ab, für ein Drittel ist das zumindest vorstellbar. 13 Prozent haben schon im Internet bestellt – Hauptgrund Bequemlichkeit. Boxen oder die Lieferung von Rezeptzutaten kommen nur für jeweils acht Prozent der onlineaffinen Biokundschaft in Frage. Für die Online-Verweigerer ist das Einkaufserlebnis unverzichtbar. Jeder dritte von ihnen will die Produkte sehen und anfassen. Jeder zehnte lehnt Online grundsätzlich ab. „Wir behalten diese Entwicklung im Auge, derzeit ist aber kein Online-Shop geplant“, sagt Georg Kaiser, Geschäftsführer der Bio Company.

Landwirtschaft in Brandenburg

Bio-Kunden kaufen gern regional: Die Waren stammen aus einer vertrauten Umgebung. Die Transportwege sind kurz, die Produkte deshalb frischer und der Treibhauseffekt ist durch kurze Wegstrecken niedriger. Doch reicht das Potenzial von Brandenburg, um alle Berliner satt zu bekommen? Nein, sagt das Landwirtschaftsministerium des Nachbarlandes. Die Bauern der Mark können nur 36 Prozent des benötigten Schweinefleischs, 88 Prozent des Geflügels und 68 Prozent der Rohmilch liefern. Dennoch spielt Ökolandbau in Brandenburg eine große Rolle. Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Ministeriums 767 Öko-Betriebe im Land angemeldet. Damit wirtschaften 14,2 Prozent der 5400 Agrarbetriebe im Land ökologisch. Standen zuletzt 113.000 Hektar Flächen im Ökolandbau, wurden im Jahr 2015 insgesamt 136.223 Hektar für eine Bewirtschaftung nach der EU-Ökoverordnung angemeldet. Das entspricht 12,9 Prozent der Ökofläche der gesamten Bundesrepublik.

In Deutschland wirtschafteten laut Bundeslandwirtschaftsministerium Ende des Jahres 2014 insgesamt 23.398 landwirtschaftliche Betriebe auf 1.047.633 Hektar Fläche ökologisch. Das sind 8,2 Prozent der Betriebe auf etwa 6,3 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Die Größe der Bio-Landwirtschaftsbetriebe ist umstritten. Hardliner der Branche sind gegen Betriebe mit mehr als 200 Hektar und Bio-Eier-Farmen mit 30.000 Hennen – auch wenn jedes Huhn vier Quadratmeter Auslauf hat und nur Biokörner frisst. „Eine Form der großindustriellen Produktion, die es mittlerweile auch im EU-Biobereich gibt, lehnen wir entschieden ab“, erklärt Georg Kaiser (Bio Company). Sein Unternehmen wolle die kleinen und bäuerlichen Strukturen in der Region fördern. Das klingt romantisch, beantwortet aber nicht die Frage, wie sich vier Millionen Berliner nachhaltig ernähren sollen.

Dass die Bio Company das brandenburgische Volksbegehren gegen Massentierhaltung mit mehr als 10.000 Euro unterstützt hat, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, mag manche ihrer Kunden erfreuen. Auch mehr als 100.000 Bürger sprachen sich gegen die öffentliche Förderung der Massentierhaltung und für ein Klagerecht der Verbände gegen die Genehmigung von Mastbetrieben aus.

Brandenburgische Landwirte laufen dagegen Sturm. Interessant dürfte es nun werden, nachdem der Landesbauernverband Brandenburg in diesem Monat mit Henrik Wendorff einen Bioland-Ökobauern mit einem 970-Hektar-Hof aus Märkisch Oderland zu seinem Vorsitzenden gewählt hat.

Urbane Konzepte

Begrenzte Schlacht- und Erntemengen im Nachbarland werfen die Frage auf, welchen Beitrag Berlin bei der Produktion von Bio-Lebensmitteln im urbanen Umfeld leisten kann. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich etwa die ECF Farm Berlin. Das Unternehmen züchtet in Tempelhof Buntbarsche. 400 Kilogramm dieser Süßwasserfische werden wöchentlich verkauft und vor allem über Kaiser’s-Filialen und den Feinkosthändler Rogacki vermarktet. Mit dem Abwasser der Fischzucht wird Gemüse gedüngt, das am Stand in der Markthalle Neun an der Kreuzberger Eisenbahnstraße 41-42 verkauft wird. Weil sie nach der Ernte nie im Kühlhaus lagerten, sollen sie besonders wohlschmeckend sein, wie Marketing-Chef Christian Echternacht sagte. Die Fische bekommen nur zertifiziertes Bio-Futter.

Echternacht und sein Mitgründer Nicolas B. Leschke wollen nicht nur Fisch und Gemüse verkaufen, sondern auch das Konzept dieser so genannter Aquaponikfarmen. Eine Farm haben sie im vergangenen Jahr in die Schweiz exportiert, in diesem Jahr entstehen Farmen n Brüssel und Wien. „Schon heute sind über eine Milliarde Menschen von Fisch als Proteinquelle abhängig, hingegen sind 85 Prozent der Weltmeere überfischt oder stehen kurz davor“, erläutert Echternacht die ökologische Bedeutung des Konzepts.

Eine andere Idee testet der Lebensmittel-Großhändler Metro. Im Friedrichshainer Großmarkt wachsen in einem Gewächshaue auf einer Fläche von fünf Quadratmetern Kräuter- und Gemüsesorten. Die vertikale Anbauanlage versorgt jede einzelne Pflanze mit der optimalen Menge an Nährstoffen und Licht. Metro will mit ihrem InStore-Farming Innovationen für den Handel der Zukunft erproben. Die Technik hierfür stammt vom Start-up Infarm. Die Gründer, Guy Galonska, sein Bruder Erez und dessen Partnerin Osnat Michaeli, sind 2012 aus Israel nach Berlin gekommen, um ihre Ideen für urbane Mikrogärten umzusetzen. Das Pilotprojekt wird durch die Metro Group betreut.

Das Pankower Paar Jaq (37) und Kevin (31) baut schon länger auf dem Balkon und sogar in der Wohnung Gemüse an. „Das geht auch, wenn man wenig Platz hat“, sagen sie. „Das Meiste produzieren wir selbst.“

"Iss gut": Von grün bis vegan - die Morgenpost-Serie

  • 10. April In der ersten Folge ergründen wir die Trends des Bio-Booms und seine wirtschaftliche Dimension. Wir bringen Licht ins Dickicht der konkurrierenden Gütesiegel, wir hinterfragen das Nachhaltigkeitsversprechen der Branche und analysieren die Motive der Verbraucher.
  • 11. April In der zweiten Folge erhält ein Berliner Ernährungswissenschaftler das Wort, der über neue wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Ernährungsform berichtet.
  • 12. April Im dritten Teil begeben wir uns auf eine Expedition und erkunden, woher eigentlich Wurst und Steak kommen und woran der Verbraucher gutes Fleisch erkennt.
  • 13. April Zwischen Direktvermarktung und Großhandel: Wir gehen auf eine Landpartie und sehen uns konventionelle und Bio-Bauernhöfe an. Mit welchen Schwierigkeiten haben die Unternehmen zu kämpfen?
  • 14. April Der Trend zum Saft: Wie gesund sind Smoothies? Vor allem grüne Gemüse sind beliebt. Außerdem stellen wir Geräte, Saftbars und Online-Angebote vor.
  • 15. April Vegan ist das neue Bio. Die Berliner Szene ist vielfältig. Dazu Tipps, worauf sie bei veganer Ernährung achten sollten.
  • 16. April Wir setzen uns zu einer Berliner Familie an den Esstisch, die ihre Ernährung für eine Woche testweise auf Bio umgestellt hat. Was kostet das Bio-Essen und wie schmeckt es den Kindern?
  • 17. April „Vegan ist auch keine Lösung“: Zum Abschluss unserer Serie sprechen wir mit Promiköchin und Autorin Sarah Wiener über Prinzipien gesunder Ernährung.

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