EKBO

Evangelische Kirche: Homosexuelle dürfen heiraten

Schwule und Lesben können wie heterosexuelle Paare in einem Traugottesdienst heiraten. Das hat die Evangelische Kirche beschlossen.

Am Ende ihrer zweitägigen Frühjahrstagung hat die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Sonnabend beschlossen, dass schwule und lesbische Paare genauso heiraten können wie Mann und Frau.

Der Traugottesdienst wird künftig für alle gleich sein. Nach dem Trauversprechen folgt der Ringwechsel. Dokumentiert wird der Gottesdienst durch eine Eintragung ins Kirchenbuch. Die Landeskirche ist die dritte, die eine ganz reguläre Trauung für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht – nach Hessen-Nassau und dem Rheinland.

>> Kommentar: Endlich Gleichstellung!

Dröge: "Mich freut das klare Ergebnis"

Das Abstimmungsergebnis für die Gleichstellung der Gottesdienste fiel eindeutig aus: Das Gesetz wurde mit 91 von 105 abgegeben Stimmen angenommen. „Mich freut das klare Ergebnis“, sagt Bischof Markus Dröge. Nicht zuletzt sei es gefallen, nachdem alle Argumente gehört worden seien.

Auch Präses Sigrun Neuwerth lobt die eindeutige Entscheidung der Synode und spricht von einem „Erkenntnisgewinn im Zuge der Debatte“. Der Propst Christian Stäblein spricht davon, dass Gottes Liebe unteilbar sei. „Das ist der theologische Kern unseres Beschlusses.“ Die Gleichstellung homosexueller Ehen in den evangelischen Kirchen Berlins beginne am 1. Juli, verkündet Bischof Markus Dröge.

Seit 2002 bietet die Landeskirche Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft eine Segnung an. Ein Traugottesdienst war bislang nicht vorgesehen. Die Synode hatte sich in Berlin vor einem Jahr für eine Öffnung ausgesprochen und die Kirchenleitung damit beauftragt, die Gleichstellung vorzubereiten.

Lesben- und Schwulenverband begrüßt die Entscheidung

Die Kirchenleitung erarbeitete dazu die notwendigen Ergänzungen, die jetzt vorliegen. Traugottesdienste für Ehepaare und für Paare in eingetragener Lebenspartnerschaft sind damit rechtlich und liturgisch gleichgesetzt. Das wird auch im Kirchengesetz verankert.

Der Lesben- und Schwulenverband begrüßte die Entscheidung. „Die Evangelische Kirche ist einen großen Schritt gegangen“, sagt Geschäftsführer Jörg Steinert. Auch die katholische Kirche und Moschee-Gemeinden seien nun gefordert. Papst Franziskus hat gerade in einem Schreiben zu Liebe und Familie mit Blick auf Homosexuelle die Katholiken aufgefordert, solche Lebensweisen anzuerkennen, die den Partnern Stabilität und Halt geben. Eine Gleichstellung mit der Ehe schloss das Oberhaupt der Katholiken jedoch aus.

Darlehen für Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam

Ebenfalls beschlossen wurde, ein zinsloses Darlehen in Höhe von 3,25 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam bereitzustellen. Voraussetzung für die Finanzierung sei aber, dass die Kosten für den ersten Bauabschnitt von 26 Millionen Euro gesichert seien, sagte Kirchen-Sprecherin Heike Krohn-Bräuer. Die Gesamtkosten des Projekts betragen 37,8 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich am Bau des Turms mit zwölf Millionen Euro. Bis Ende 2016 sollen zur Schließung der Finanzierungslücke Spenden eingeworben werden. Der Wiederaufbau muss bis 2018 beginnen, damit die Baugenehmigung nicht verfällt.

Der Turm der Garnisonkirche hat über einen Zeitraum von mehr als 230 Jahren die Silhouette Potsdams geprägt. Er war Teil des berühmten Dreikirchenblicks der Innenstadt. Im Juni 1968 wurde die Kirche auf Beschluss der DDR-Regierung gesprengt. Obwohl das Gotteshaus im April 1945 zerstört worden war, konnte der Turm bis zur Sprengung immer noch als Kirchenraum für Gottesdienste genutzt werden. Eine Einsturzgefahr bestand nicht.

Kirchturm soll ein Lernort deutscher Geschichte werden

Nach dem Mauerfall bezeichnete die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung in Potsdam die Sprengung als einen „Akt kultureller Barbarei“. Der Stadt Potsdam sei damit eine architektonische Meisterleistung von europäischem Rang verloren gegangen, heißt es in einem Beschluss der Landeskirche.

Seit Jahren ist das Thema des Wiederaufbaus der Garnisonkirche auf der Tagesordnung in Potsdam. Gegner der Rekonstruktion sehen in ihr ein Symbol des Militarismus. Die Landeskirche will den wiedergewonnenen Kirchturm daher künftig als einen exponierten Lernort deutscher Geschichte nutzen. Es soll eine Kirche sein „ohne Hemmschwelle, in der eine sehr weite religiöse Kommunikation eröffnet wird und spezielle Angebote für Touristen, Passanten und Interessierte entwickelt werden“, so die Begründung des Beschlusses. Eine offene Kirche solle entstehen, in der jeder herzlich willkommen ist.