Prenzlauer Berg

Mutlu kündigt Kiez-Institution in Prenzlauer Berg

Grünen-Politiker Özcan Mutlu tritt für bezahlbare Wohnungen ein. Als Vermieter setzt er laut einem Bericht auf Mieterhöhungen.

Gyöngyi Blank mit ihrer Tochter Ibolya vor dem Kosmetikstudio

Gyöngyi Blank mit ihrer Tochter Ibolya vor dem Kosmetikstudio

Foto: Dirk Jericho / BM

Berlin – Im kommenden Jahr hätten sie Firmenjubiläum feiern können. 30 Jahre. Eine beeindruckende Zahl. So lange hätte Gyöngyi Blanks Kosmetikstudio in der Stargarder Straße 74 in Prenzlauer Berg dann bestanden. Dass nun auf einmal Schluss ist, liegt an den neuen Vermietern: der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu und seine Ehefrau. Die „Berliner Woche“ hatte über das überraschende Aus des kleinen Kiezgeschäfts berichtet.

Eigentlich war schon alles geplant für die Zukunft. 2017 wollte Gyöngyi Blank die Leitung des Studios ihrer Tochter übergeben. Am 1. November dieses Jahres werden nun aber die Türen geschlossen. Sechs Angestellte und eine Auszubildende würden ihren Job verlieren, berichtet die Zeitung. Blank sagt, sie habe immer pünktlich die Miete gezahlt.

Das Ehepaar Mutlu sei im August 2015 neuer Eigentümer geworden. Die Miete für das Geschäft sollte sich verdoppeln, sei ihr in einem Schreiben mitgeteilt worden. Blank hatte nichts dagegen, wollte aber einen längerfristigen Mietvertrag, zur Planungssicherheit. Der habe sich nämlich bisher immer nur um ein Jahr verlängert. Doch das hätten die beauftragten Verwalter abgelehnt. Ein persönliches Schreiben, mit der Bitte um Klärung, an die neuen Vermieter war zunächst unbeantwortet geblieben. Blank hatte im Oktober den Wunsch geäußert, „hier weiterhin tätig zu sein, auch mit der Maßgabe der Zahlung einer marktüblichen Miete“. Die Vermieter reagierten, allerdings mit einer Kündigung. Das Schreiben sei von Sevim und Özcan Mutlu unterschrieben.

Blank hätte der geforderten Mieterhöhung nicht zugestimmt und eine Anpassung an eine ortsübliche Gewerbemiete verweigert, habe nun Sevim Mutlu behauptet. Deshalb wolle sie das Mietverhältnis nicht mehr fortsetzen. Gegenüber der Berliner Woche wollte Mutlu sich nicht festlegen, was mit dem Laden weiter passiert. Wahrscheinlich werde sie ihn nicht wieder vermieten, sondern selbst gewerblich nutzen und damit Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Eigenartig: Ähnlich äußerte sich auch Blanks Tochter, die potenzielle Nachfolgerin: „Ich möchte unseren Familienbetrieb fortführen und die Arbeitsplätze erhalten.“