Gewalt am Kottbusser Tor

"Dieser Senat verwandelt Berlin in eine Art von Sin City"

Der Regierende glaubt nicht, dass die Polizei am Kottbusser Tor vor der Kriminalität kapituliert hat. Die Reaktionen auf Facebook.

Berlins Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD)

Berlins Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD)

Foto: Gregor Fischer / dpa

Nach monatelanger Debatte um die gestiegene Kriminalität am Kottbusser Tor hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bestritten, dass es rechtsfreie Räume gebe. Gleichzeitig räumte er in den ARD-„Tagesthemen“ am Montagabend ein, an manchen Orten wie dieser schwierigen Gegend in Kreuzberg sei es dringend erforderlich, die Lage zu verbessern. Indirekt kritisierte Müller Innensenator Frank Henkel (CDU), der endlich handeln müsse.

Auf der Facebook-Seite der „Berliner Morgenpost“ werden Müllers Aussagen kontrovers diskutiert.

Nutzer Jörg N. meint : „Zum Handeln gehört Personal bei der Polizei Berlin, und das hat die SPD in den letzten Jahren auch unter Herrn Glietsch kräftig abgebaut.“ In die selbe Kerbe schlägt der Kommentar von Klaus D. „Es ist leicht, Henkel zum Handeln aufzufordern, nachdem jahrelang durch den rot-roten Senat das Personal abgebaut wurde.“

Der Regierende hat eben diesen Vorwurf im Interview mit den „Tagesthemen“ zurückgewiesen. In der laufenden Legislaturperiode seien bereits 1000 zusätzliche Polizisten eingestellt worden, und für die Jahre 2016/17 kämen noch einmal 360 hinzu, betonte Müller.

Facebook-Nutzer Klaus W. hält Müllers Argumentation für nicht stichhaltig. „Vergessen werden dabei immer zwei Fakten“, schreibt Klaus W. „Ungefähr 400 Beamte werden jedes Jahr in den Ruhestand versetzt, das sind etwa 2000 in einer Legislaturperiode... Die eingestellten Nachwuchsbeamten werden zunächst zwei Jahre ausgebildet, sind also nicht einsatzfähig. Fehlen also unter dem Strich Jahr für Jahr mehr Beamte, die für uns auf der Straße Sicherheit produzieren können.“

>>>Wie die Polizei am Kottbusser Tor Kriminelle jagt<<<

Den Aspekt der Sicherheit in Berlin sieht Facebook-Nutzer Murat T. weit kritischer als der Regierende Bürgermeister. „Dieser Senat verwandelt Berlin in eine Art von „Sin City“, schreibt T. „Einbrecher, Drogendealer, Taschendiebe, Clans - sie aller können schalten und walten, wie sie wollen. Der normale Bürger wird zum Spielball des Verbrechens.“

Dies würde Müller so wohl nicht stehen lassen. Im „Tagesthemen“-Interview wies er darauf hin, dass die Zahl der Taschendiebstähle zwar zugenommen habe. Allerdings sei die Zahl der Tötungsdelikte und der Gewaltdelikte Jugendlicher zurückgegangen.