Prognose

In Berlin fehlen 151.000 Fachkräfte

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Jürgen Stüber

Vor allem im Dienstleistungsgewerbe fehlen viele Fachkräfte. Das ergibt eine Prognose der IHK.

Berlin.  Bis zum Jahr 2030 werden in Berlin 151.000 Fachkräfte fehlen. Das geht aus dem Fachkräftemonitor hervor, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin am Montag vorstellte. Bereits in diesem Jahr gibt es in Berlin einen Engpass von 34.000 Stellen. Im Jahr 2030 könnte die Berliner Wirtschaft dann 1,15 Millionen Stellen besetzen, doch es wird nur 998.000 Bewerber geben, was einem Defizit von 12,5 Prozent entspricht.

„Die größten Engpässe gibt es in Berlin schon jetzt im Dienstleistungssektor“, sagte der IHK-Arbeitsmarkt­experte Simon Margraf. Er sieht hier ein Defizit von 29.000 Fachkräften. „Ferner fehlen 7000 Industriefachkräfte und 6100 im Gastgewerbe“, sagte Margraf. Bis 2030 wird die Lage brisanter. „Ab 2025 gehen die Babyboomer in Rente. Und auch die Rente mit 63 reduziert das Fachkräfteangebot dauerhaft“, erklärte Margraf. So wird zum Beispiel der Bedarf im Dienstleistungssektor bis zum Jahr 2030 auf mehr als 110.000 Stellen steigen.

Betrachtet man einzelne Berufsgruppen, werden 2030 die höchsten Engpässe bei Berufen im Management und der Verwaltung mit 38.000 Stellen bestehen, gefolgt von den Betriebs- und Volkswirten (20.700), Erziehungs- und Lehrberufen (17.400) sowie Recht und Verwaltung (10.300).

Defizit von 20 Prozent droht im Gesundheits- und Sozialwesen

„Eine Sonderstellung nimmt das Gesundheits- und Sozialwesen ein, das keinen konjunkturellen Schwankungen unterliegt“, sagte Constantin Terton, der Chefvolkswirt der IHK Berlin. Zwar ist der Arbeitsmarkt derzeit gesättigt, von 2016 an rücken Angebot und Bedarf durch den demografischen Wandel aber kontinuierlich auseinander. „Im Jahr 2030 werden 36.000 Fachkräfte fehlen“, so Terton. Jede fünfte Stelle kann dann nicht besetzt werden. „Hier gibt es einen direkten Bedarf, politisch etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun“, sagte Terton. So wird etwa bei den Erziehungsberufen, sozialen und hauswirtschaftlichen Berufen jede dritte der benötigten 70.000 Stellen nicht besetzt werden können.

„In Berlin werden vor allem beruflich qualifizierte Kräfte fehlen“, sagte Terton voraus. Die Rede ist von 124.000 gegenüber 31.000 akademischen. „Da tut sich eine Schere auf“, so Terton. „Bis 2030 wird der Anteil der beruflich qualifizierten Menschen am Engpass von 60 auf dann 80 Prozent steigen.“

Der Mangel wird sich in Berlin noch verschärfen

Die Zahl der Berliner, die zum Arbeiten in die Stadt kommen, steigt zwar. Das reicht aber für den zunehmenden Bedarf nicht aus. Durch die positive Konjunkturentwicklung in Berlin verschärft sich der Mangel. Zuletzt hatte das Amt für Statistik einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von drei Prozent für das Jahr 2015 diagnostiziert. Christian Wiesenhütter, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, bezweifelt, dass das Fachkräfteproblem durch den Zuzug von Asylbewerbern zu lösen ist. „Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass zehn Prozent im ersten Jahr in den Arbeitsmarkt integriert werden können“, sagte Wiesenhütter. „Geschätzte 80 Prozent haben keine abgeschlossene Berufs- oder akademische Ausbildung.“ Er fordert von der Politik verlässliche Zahlen und eine erfolgreiche Sprachausbildung für Asylbewerber.

Die IHK sagt einen „Wettbewerb der Standorte“ voraus und fordert deshalb von der Politik attraktive Rahmenbedingungen, damit Arbeitskräfte auch in Zukunft nach Berlin kommen. Zudem werde es zu einem „Wettbewerb der Branchen“ kommen, sagte Wiesenhütter voraus.

Der Monitor zeigt Prognosen für acht Bundesländer und 48 IHK-Regionen an und erfasst damit 60 Prozent des Gebietes der Bundesrepublik. Alle Daten sind im Internet abrufbar unter www.fachkraeftemonitor.berlin.