Medien

Drei Kandidaten für die Intendanz des RBB

Die Entscheidung über den künftigen Intendanten des RBB steht bevor. Zur Wahl stehen drei Journalisten.

Die bisherige Intendantin Dagmar Reim hört im Juni aus privaten Gründen auf

Die bisherige Intendantin Dagmar Reim hört im Juni aus privaten Gründen auf

Foto: RBB Presse & Information

Am 7. April findet die nächste Rundfunkratssitzung statt, an diesem Tag werden die Anwärter für die Intendanz des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) vorgestellt. Die zehnköpfige Findungskommission des RBB-Rundfunkrats hat in den vergangenen Wochen nach einem Nachfolger für Dagmar Reim, die Ende Juni ihr Amt aus privaten Gründen aufgeben wird, gesucht und mit ihnen Gespräche geführt. Geplant war, die Rundfunkräte über die Kandidaten der Findungskommission am 18. März zu unterrichten, dieser Termin wurde aber mehrmals nach hinten verschoben. Daher ist es auch möglich, dass ein Gutteil der Rundfunkräte nicht bereit ist, am 7. April bereits über die Intendanz zu entscheiden und Bedenkzeit beansprucht.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost stehen dabei drei Kandidaten zur Auswahl: ARD-Programmdirektor Volker Herres, Patricia Schlesinger, Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation des NDR-Fernsehens, und Theo Koll, ZDF-Studioleiter in Paris. Ein interner Kandidat ist nicht in engere Wahl gerückt. RBB-Justiziar Reinhart Binder, Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter und RBB-Programmchefin Claudia Nothelle hatten sich beworben. Ganz aus dem Rennen sei Claudia Nothelle allerdings nicht, heißt es im Rundfunkrat. Sie könnte dann wieder interessant werden, wenn man sich auf keinen der externen Kandidaten einigen könne. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Für den künftigen RBB-Intendanten steht dann aber eine spannungsreiche Zeit bevor, glaubt doch praktisch die gesamte Führungsebene des RBB, selbst für den Job des Intendanten am besten geeignet zu sein.

Susanne Pfab, Generalsekretärin der ARD, deren Name im Vorfeld der Intendantenwahl auch genannt wurde, sei „nie ernsthaft“ in der Bewerberrunde gewesen, heißt es von einem Entscheider, der namentlich nicht genannt werden möchte. Hingegen hatte die Findungskommission des RBB-Rundfunkrats Interesse an Christine Strobl, Programmgeschäftsführerin der ARD-Produktionstochter Degeto. Doch vergangene Woche sagte sie öffentlich ab.

Die Kraft von Argumenten und Überzeugung

Eine mögliche Kampfkandidatur könnte ein Problem für Volker Herres werden. Er hat in dieser Runde am meisten zu verlieren: Der 58-Jährige ging nach seiner Zeit beim ZDF 1987 zum NDR, 1995 wurde er Chefredakteur des Senders. Seit 2007 ist er Programmverantwortlicher der ARD. Seinen Führungsstil hat er in einem Interview einmal wie folgt beschrieben: „Ich habe in meinem Leben nur ganz selten auf den Tisch gehauen. Ich neige nicht zu Brachial-Gesten, sondern setze eher auf die Kraft von Argumenten und Überzeugung.“ Volker Herres ist einer der mächtigsten Männer des NDR. Offen ist daher, ob er sich eine Kampfkandidatur antut, nur, um einen der kleineren Sender des ARD-Verbundes zu führen.

Der zweite Kandidat ist ebenfalls 58 Jahre alt, allerdings hat Theo Koll in seiner Laufbahn deutlich mehr Wert auf journalistische Arbeit gelegt. „Die Wunderwaffe des ZDF“ sei er, war in einem Porträt in der „Welt“ zu lesen. Er moderierte die ZDF-Politiksendung „Frontal 21“, leitete Politik- und Zeitgeschehen im ZDF, führte durch die Sendung des Theatermagazins „Foyer“ auf 3Sat, war Auslandskorrespondent in London, derzeit ist er Korrespondent in Paris. Theo Koll gilt als der von der Berliner CDU favorisierte Kandidat. Bei der Vorstellungsrunde habe er einen „sehr guten Eindruck hinterlassen“, berichtet ein Mitglieder der Findungskommission.

Die SPD wiederum bevorzugt dem Vernehmen nach Patricia Schlesinger. Die 55-Jährige hat praktisch ihr gesamtes Berufsleben beim NDR verbracht. Sie hatte dort volontiert, moderierte die TV-Sendung „Panorama“, war Korrespondentin für die ARD in Washington und leitet seit 2007 den Programmbereich Kultur und Dokumentation des NDR. Ein Teil der Familie der Norddeutschen stammt aus der früheren DDR, ihr Großvater war für kurze Zeit Gesundheitsminister in Sachsen. Dass aus biografischen Gründen Ostdeutschland für Patricia Schlesinger keine terra incognita ist, spricht aus Sicht ihrer Befürworter für die Leitung eines Senders aus Berlin und Brandenburg.

In einem Porträt, das im „Hamburger Abendblatt“ 2013 erschien, war folgendes zu lesen: „Hört man sich im Sender um, wird Patricia Schlesinger gern so beschrieben: kühl, gradlinig, direkt, meinungsfreudig, manchmal zickig. ,Was heißt hier manchmal zickig? Das sagt man interessanterweise nur bei Frauen. Männer gelten als durchsetzungsstark, Frauen als zickig. Es geht um die Lust an Auseinandersetzung und bei Frauen auch darum, nicht alles persönlich zu nehmen, das ist manchmal schwierig.’ Sie macht eine kleine Pause. ,Kühl stimmt nicht, den Rest würde ich so unterschreiben.’“

RBB braucht mehr Zuschauer

Entscheidend für den Rundfunkrat ist, dass der RBB künftig mehr Zuschauer für sein Fernsehprogramm findet. Während der RBB zufrieden mit der Arbeit der Rundfunkstationen ist – Antenne Brandenburg ist in der Region Berlin/Brandenburg Marktführer, Radioeins hat nach Jahren der Quotenschwankungen eine stabile Hörerschaft –, gilt das nicht für den TV-Sender. Kein Sender der dritten Programme wird weniger gesehen, 2015 lag der bundesweite Marktanteil bei 1,1 Prozent.

Leicht wird es der Reim-Nachfolger nicht haben, das Programmbudget für alle Produktionen also für TV, Radio, Online liegt bei 341 Millionen Euro; einzelne Zahlen weist der RBB nicht aus, doch auch aus diesem dürren Material lässt sich schließen, dass aufwendige Produktionen nicht möglich sind. Auch das ist ein Grund dafür, dass Führungskräfte von privaten TV-Sendern, die durchaus interessiert waren, von einer Bewerbung abgesehen haben. Wer wenig Geld habe, der müsse halt besonders kreativ sein, sagt einer, der mit der Entscheidungsfindung vertraut ist. Darauf wird es wohl hinauslaufen: Nach Jahren des Sparens soll nun ein erfindungsreicher, journalistisch erfahrener Kopf die öffentlich-rechtliche Anstalt führen.