Neuer Hauptstadtflughafen

Plan B für die BER-Eröffnung

Technikchef hält Eröffnung 2017 weiter für möglich. An Alternativen wird dennoch gearbeitet

Berlin/Schönefeld.  Der Zeitpuffer ist zwar arg geschmolzen, doch Flughafen-Technikchef Jörg Marks ist überzeugt, den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld wie angekündigt im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb nehmen zu können. „Dazu stehen wir“, sagte Marks am Dienstag bei einer Veranstaltung der Initiative Hauptstadt Berlin. Bezogen auf den ursprünglich anvisierten Eröffnungstermin 1. Juli 2017 gebe es inzwischen vier Monate Verzug. „Wir sind damit im Oktober 2017, aber immer noch sauber im zweiten Halbjahr“, sagte Marks, der seit 19 Monaten als oberster Bauleiter verantwortlich für die Fertigstellung des BER ist.

Schrittweiser Umzug nach Schönefeld bis 2018 möglich

Doch trotz des öffentlich auch von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld vorgetragenen Optimismus arbeitet die Flughafengesellschaft offenbar bereits intensiv an einem Plan B. Das Worst-Case-Szenario sieht nach Informationen der Berliner Morgenpost dabei vor, den BER als Ganzes erst im Frühjahr 2018 in Betrieb zu nehmen. Die Bekanntgabe einer erneuten Terminverschiebung gilt jedoch wegen der bevorstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus als wenig populär. Könnte doch eine solche Entscheidung negativ auf den BER-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) zurückfallen, der ja auch Regierender Bürgermeister von Berlin ist – und das auch nach der Wahl am 18. September bleiben will.

Die zweite Alternative ist eine zeitlich stark gestreckte BER-Eröffnung. Demnach würde zunächst nur ein Teil des Terminalgebäudes, zum Beispiel das schon fast komplett fertiggestellte Pier Nord, eröffnet. Dieser könnte dann von kleineren, derzeit noch in Tegel ansässigen Airlines im Alltag erprobt werden. Damit würde ein alter Plan aufleben, den schon der vorherige Flughafenchef Hartmut Mehdorn ernsthaft erwogen hat. Der hatte bereits im Sommer 2013 eine Teilinbetriebnahme des BER-Terminals vorgeschlagen und in der Ferienfluggesellschaft Germania auch schon einen dafür gut geeigneten Partner gefunden. Der Plan war damals jedoch vom Flughafen-Aufsichtsrat – vor allem wegen zusätzlicher Kosten in Millionenhöhe – verworfen worden.

Das Aufsichtsgremium könnte zwei Jahre später jedoch zu einem anderen Ergebnis kommen. Der größte Vorteil der Variante: Sie würde erheblich Zeitdruck aus der politischen Debatte nehmen. Denn luftfahrtrechtlich geht der BER nicht mit Eröffnung des neuen Terminals in Schönefeld in Betrieb, sondern erst mit der Nutzung der für den neuen Airport eigens angelegten südlichen Start- und Landebahn. Doch diese wird bei einem kleinteiligen Umzug von Tegel nach Schönefeld anfangs gar nicht benötigt. Die wenigen Maschinen etwa der Germania oder anderer kleinerer Airlines könnten über die bereits in Betrieb befindliche Nordbahn starten und landen.

Die 3600 Meter lange Asphaltpiste, die formal derzeit noch zum Flughafen Schönefeld Alt (SXF) gehört, war erst im Vorjahr umfangreich saniert und modernisiert worden. Über sie kann also ohne Probleme zusätzlicher Flugverkehr abgewickelt werden. Diese Variante hat gleich zwei Vorzüge. Die großen Airlines wie Air Berlin oder die Lufthansa-Gruppe müssten nicht mitten im Winter umziehen. Die Jahreszeit gilt wegen der Witterungsunbilden und der zusätzlich erforderlichen Enteisungen der Maschinen als betriebstechnisch besonders störanfällig, da ist viel Routine im Betrieb notwendig.

Eine Verlegung von Personal und Technik mitten im Winter könnte den gesamten Flugplan nachhaltig durcheinanderbringen. Vor allem aus diesem Grund favorisieren die Hauptkunden des BER wie Air Berlin oder die Lufthansa einen Umzug zu einem Zeitpunkt, wenn ohnehin der Flugplan gewechselt wird. Und das ist zweimal im Jahr der Fall: Ende Oktober oder Ende Mai/Anfang Juni.

Der zweite Vorzug dieser Variante: Formal beginnt die Sechs-Monate-Frist für die Schließung von Tegel ebenfalls erst mit der Inbetriebnahme der Südbahn. Das BER-Terminal ließe sich nach diesem Szenario selbst im Dezember und damit noch 2017 publikumswirksam eröffnen, die meisten Airlines könnten dann dennoch flugplantechnisch günstig und ohne Zeitdruck im Frühjahr 2018 umziehen.

Einen konkreten Eröffnungstermin für den BER will die Flughafengesellschaft aber erst nennen, wenn die Behörden die beiden Nachträge zur Baugenehmigung bestätigt haben. Der eine Nachtrag umfasst alle genehmigungsrelevanten Unterlagen zum Umbau der Entrauchungsanlage, den anderen bezeichnete Marks als „Lumpensammler“, in dem alle anderen notwendigen Umbauten erfasst werden. Während der erste Antrag, verpackt in 90 Leitz-Ordnern, inzwischen zur Prüfung beim zuständigen Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald eingereicht ist, soll der zweite voraussichtlich im April oder Anfang Mai eingereicht werden. Marks rechnet in beiden Fällen nicht mit Auflagen, die ihn noch vollständig aus dem Tritt bringen können. „Wir gehen fest davon aus, dass der Flughafen in diesem Sommer baulich fertiggestellt werden kann“, so der Technikchef. Die Inbetriebnahme aller Anlagen werde sich dann bis zum Frühjahr 2017 hinziehen, im Anschluss sei dann die eigentliche Erprobung, der sogenannte Orat-Prozess, geplant.

Sanierung der Kabeltrassenim BER-Terminal abgeschlossen

„Wir haben in den letzten Monaten sehr viel aufgeräumt und sind eigentlich auch auf einem guten Weg“, berichtete Marks. So seien etwa die Probleme mit den Kabeltrassen inzwischen gelöst: „Die Trassensanierung ist jetzt im Prinzip fertig.“ Unter anderem seien 40 Kilometer Tragsysteme neu eingebaut und 5500 Kilometer Kabel neu eingezogen worden. Um den Flughafen zum Eröffnungstermin Juni 2012 doch noch irgendwie fertigzubekommen, waren in den Trassen oft viel zu viele Kabel verlegt worden.

Der Technikchef forderte mehr öffentliche Unterstützung für den Bau. „Wir brauchen jetzt einen Aufstand der Anständigen, die dieses Projekt fertig haben wollen“, sagte Marks. „Dieser Flughafen ist alternativlos. Er muss jetzt wirklich kommen.“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.