Kommentar

Pro und Kontra: Sonderabgabe für Berlin-Flüge

Der BUND spricht sich für eine Sonderabgabe für Berlin-Flüge aus, um den Flugverkehr zu begrenzen. Was spricht dafür, was dagegen?

Fliegen soll teurer werden, damit weniger geflogen wird. Das fordert der BUND. In einem Papier heißt es, dies könne auch erreicht werden, indem dem Luftverkehr seine Klimakosten angelasten werden, etwa zehn Euro pro Tonne CO2.

Da eine solche Regelung die Änderung nationaler und internationaler Gesetze bedeutet, schlägt der BUND eine Klimaabgabe für Berlin-Flüge von acht Euro pro Passagier im Jahr 2020 vor. Mit den Erlösen sollen Klimaschutzprojekte finanziert werden.

>> Umweltverband schlägt Sonderabgabe für Berlin-Flüge vor

Pro: City Tax für Flüge

Von Lorenz Vossen

Wachstum hat seine Grenzen – oder seinen Preis. Berlin erlebt das gerade beispielhaft auf seinem Wohnungsmarkt. Über den Wolken ist das anders. Dort wächst der Luftverkehr nahezu grenzenlos, gleichzeitig sinken die Preise für Flugtickets. Wer letzten Sommer per Flugzeug verreisen wollte, zahlte bis zu 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Diese Entwicklung ist aus Sicht der Reisenden erfreulich, auf den zweiten Blick aber bedenklich. Flugzeuge belasten die Umwelt nahezu doppelt so stark wie Autos und 20 Mal so stark wie die Bahn. Was nützt das Ziel eines klimaneutralen Berlin 2050, wenn die Luftfahrtbranche nicht ihren Teil beitragen muss?

Die vom BUND unter anderem geforderte Abgabe für Berlin-Flüge, mit der dann Klimaschutzprojekte finanziert werden sollen, ist deshalb eine Überlegung wert. Eine solche Maßnahme wäre vergleichbar mit der Übernachtungssteuer City Tax – diese hat den Tourismus auch nicht gebremst, im Gegenteil. Sollten die Passagierzahlen trotzdem zurückgehen, könnte man sich vielleicht den teuren Ausbau des BER sparen.

Kontra: Wir wollen Gäste

Von Andreas Abel

Der Bund für Umwelt und Naturschutz ist eine zu Recht geschätzte Institution. Mit der Forderung „Das Fliegen muss teurer werden, damit weniger geflogen wird“, liegt er allerdings daneben. Es ist nicht nur erfreulich, dass Berlin so viele Freizeit-Touristen, Kongressteilnehmer und Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen in die Stadt kommen, anzieht, es ist lebensnotwendig.

Die Gäste sorgen für einen Umsatz von zehn bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Davon profitieren nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern zum Beispiel auch der Einzelhandel und der Kulturbereich. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Säulen Berlins, daran sollte niemand leichtfertig herumsäbeln.

Ein spezieller Aufschlag für Berlin-Flüge ist nicht zielführend. Warum die Attraktivität der Stadt künstlich verringern? Wer die Zahl innerdeutscher Flüge senken will, sollte sich zunächst für attraktivere Angebote bei der Bahn starkmachen, dann würde auch die Nachfrage nach Flügen sinken. Und auch wer Billigflüge eindämmen will, sollte das auf internationaler Ebene tun, nicht auf lokaler.