Jahresabschluss

Berlin investiert 600 Millionen Euro in die Charité

Die Berliner Charité hat ihren Jahresabschluss vorgelegt - mit einem Überschuss. Das gelingt nur wenigen Kliniken in Deutschland.

Die Charité hat einen positiven Jahresabschluss vorgelegt

Die Charité hat einen positiven Jahresabschluss vorgelegt

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Das Land Berlin investiert in den kommenden Jahren in alle Standorte der Charité. Das versicherte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag.

Im Zeitraum 2009 bis 2022 flössen fast 600 Millionen Euro in Bauprojekte des Universitätsklinikums. Hinzu kommen investive Zuschüsse für Sanierungen von 34 Millionen Euro pro Jahr.

Bettenhochhaus in Zeit- und Kostenplan

Größtes Vorhaben ist zurzeit der Umbau und die Modernisierung des Bettenhochhauses an der Luisenstraße in Mitte. Zu dem 202,5 Millionen Euro teuren Gesamtpaket gehört auch ein Neubau für den zentralen OP-Bereich, die Intensivmedizin und die Rettungsstelle. Das Projekt liege weiterhin im Zeit- und Kostenplan, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl der Berliner Morgenpost. Die Eröffnung des Bettenturms sei für Ende dieses Jahres vorgesehen, ein genaues Datum wird noch nicht genannt.

Der Umzug der Stationen aus der Campus-Klinik, dem Modular-Ersatzbau, werde sich über mehrere Wochen erstrecken, wobei jede einzelne Station einschließlich der Patienten voraussichtlich an einem Tag umziehen soll. Der neue OP-Trakt werde in Etappen bezogen, sodass für einige Zeit beide OP-Bereiche in Betrieb sein werden, erläuterte Einhäupl. Eine Arbeitsgruppe, der neben dem Facility-Management auch Ärzte und Pflegekräfte angehören, bereite den Umzug vor.

Erste OP-Säle in Steglitz bereits modernisiert

Auch in den Campus Benjamin Franklin der Charité in Steglitz wird investiert. Ein Drittel der Stationen sei rundum erneuert, weitere Sanierungen und Modernisierungen seien kurz- und mittelfristig beabsichtigt, erläuterte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei. Im OP-Bereich sei die Modernisierung der ersten fünf Säle abgeschlossen, weitere fünf kämen in diesem Jahr dran. Die Erneuerung mehrerer Hochschulambulanzen sei über den Investitionsfonds des Landes Berlin für die wachsende Stadt finanziert.

Die Charité hat für 2015 erneut einen positiven Jahresabschluss vorgelegt. Das Plus beträgt 3,7 Millionen Euro. Damit gelang es dem Universitätsklinikum zum fünften Mal in Folge, das Geschäftsjahr mit schwarzen Zahlen abzuschließen. 2008 wies die Charité am Ende des Jahres noch ein dickes Minus von 56,6 Millionen Euro aus. Das zeige, dass man eine nachhaltige Konsolidierung verfolge und keine „Einmaleffekte“ produziere, sagte Einhäupl. „Die Charité ist in der Lage, wirtschaftlich zu arbeiten.“

Bund finanziert Universitätskliniken nicht ausreichend

Die Universitätskliniken in Deutschland gelten als Supramaximalversorger. Sie behandeln seltene Krankheiten und schwerste Fälle. Sie decken ein breites medizinisches Spektrum ab und verfügen über renommierte Ärzte. Das alles hat seinen Preis. Der wird jedoch vom Bund nicht ausreichend finanziert. Darüber klagen Kliniken wie Gesundheits- und Wissenschaftspolitiker gleichermaßen. Effekt dieses Dilemmas: Rund zwei Drittel der Universitätskliniken in Deutschland schreiben rote Zahlen, nur zehn bis 15 Prozent schaffen einen positiven Jahresabschluss, erzielen also mehr als eine Million Euro Überschuss.

Der Charité ist das im Geschäftsjahr 2015 erneut gelungen. Der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl und Alexander Hewer, Leiter des Geschäftsbereichs Finanzen und Einkauf, konnten am Montag vor Journalisten das 3,7-Millionen-Euro-Plus vermelden. Das Jahresergebnis ist bereits vom Wirtschaftsprüfer testiert – mit dem schönen Datum 29. Februar.

Operatives Jahresergebnis von 33,4 Millionen Euro

An der Charité standen Einnahmen in Höhe von knapp 1,3 Milliarden Euro Ausgaben von rund 1,26 Milliarden Euro gegenüber. Zu den Einnahmen gehören ein in den Hochschulverträgen vereinbarter Landeszuschuss von 202,3 Millionen Euro. Damit bezahle das Land die Ausbildung von 600 Ärzten und weiterer Mitarbeiter, er diene nicht dazu, etwaige Defizite auszugleichen, betonte Einhäupl. Das operative Ergebnis betrug im vergangenen Geschäftsjahr sogar 33,4 Millionen Euro, fast drei Millionen mehr als 2014. Dafür wurde 2014 mit 7,6 Millionen Euro ein rund doppelt so hoher Jahresüberschuss ausgewiesen.

Die Differenz zum tatsächlich erzielten Plus sei vor allem den stark gestiegenen Rückstellungen geschuldet, die die Klinikleitung gebildet hat, erläuterte Alexander Hewer. Diese wurden im Vergleich zum Vorjahr um 45,9 Millionen Euro, das sind mehr als 13 Prozent, auf 390,5 Millionen Euro angehoben. Das ist absolut und prozentual der größte Anstieg in den vergangenen Jahren. Hewer sprach deshalb von einem konservativen, also einem kaufmännisch vorsichtigen Jahresabschluss.

Rückstellungen wegen hoher Pensionslasten

Die Rückstellungen sind vor allem wegen hoher Pensionslasten notwendig. Gut die Hälfte der Summe, 198,4 Millionen Euro, entfallen darauf. Gleichzeitig leidet die Charité wie auch viele andere Institutionen unter dem sinkenden Rechnungszins, den die Bundesbank vorgibt. Der lag 2011 noch bei 5,1 Prozent, 2015 bei 3,9 Prozent und wird in diesem Jahr voraussichtlich auf 3,1 Prozent sinken. Das Universitätsklinikum sei angesichts seiner 700 Beamten stärker von Pensionsrückstellungen betroffen als andere Unternehmen mit Landesbeteiligung, so Hewer.

Der Personalbestand der Charité stieg im Vergleich zum Vorjahr im Krankenhausbetrieb um 27 volle Stellen auf 6610, in Forschung und Lehre um 87 volle Stellen auf 1910. Insgesamt sind an der Charité rund 13.200 Menschen beschäftigt, viele in Teilzeit.

Verweildauer der Patienten im vergangenen Jahr gesunken

Die Zahl der stationär behandelten Patienten stieg in der Charité im Jahresvergleich um knapp 5000 oder zwei Prozent auf gut 135.000. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten sank von 5,95 auf 5,82 Tage. Dennoch legte das Universitätsklinikum bei den schweren Fällen tendenziell stärker zu. Die Bettenzahl blieb mit 3011 stabil, die Zahl der ambulanten Fälle stieg um knapp 7000 auf rund 663.000.

Von der im Jahr 2013 gebildeten Gewinnrücklage (34,7 Millionen Euro) nahm die Fakultät im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Euro in Anspruch. 2016 sollen es 6,4 Millionen sein. Dieses Vorgehen sei gewollt und planmäßig, betonten Hewer und Dekan Axel Radlach Pries. Das Geld fließe in Forschung und Lehre. Die Charité stehe derzeit vor einer Welle neuer Berufungen von Professoren, erklärte der Dekan.

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