Behördenchaos

Aufenthaltsort von 24.000 Flüchtlingen in Berlin unbekannt

Die Behörden wissen von vielen Flüchtlingen nicht, wo sie nach erster Meldung abgeblieben sind. Manche melden sich ein zweites Mal an.

Im vergangenen Jahr ließen sich am Lageso 79.000 Menschen als Flüchtlinge oder Asylbewerber registrieren

Im vergangenen Jahr ließen sich am Lageso 79.000 Menschen als Flüchtlinge oder Asylbewerber registrieren

Foto: dpa Picture-Alliance / Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Die bundesweit chaotischen Zustände bei der Registrierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zeigen sich auch in Berlin. Die neue Zahl, die die Probleme der Behörden zeigt, stammt von der Senatsverwaltung für Soziales. Demnach ließen sich im vergangenen Jahr 79.000 Menschen beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) als Flüchtlinge oder Asylbewerber registrieren. Davon haben aber nur 55.000 hier einen Asylantrag gestellt.

Wo die übrigen 24.000 Menschen geblieben sind, ist laut Sozialverwaltung unklar. Damit gibt es bei fast jedem dritten in Berlin registrierten Flüchtling keine Erkenntnisse über den jetzigen Aufenthaltsort.

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In den Behörden wird gemutmaßt, dass vor allem Einreisende aus den Balkanstaaten, deren Antrag meist abgelehnt wird, wieder in ihr Herkunftsland gefahren sein könnten. Möglich sei aber auch, dass sich einige in einem anderen Bundesland bei den Behörden gemeldet hätten, beispielsweise um in der Nähe von Verwandten oder Freunden zu sein.

Antragsstau bei Registrierung weitgehend abgearbeitet

Der Antragsstau bei der Registrierung von Flüchtlinge ist laut Sozialverwaltung dagegen weitgehend abgearbeitet. Die Menschen in den Unterkünften seien inzwischen „fast ausnahmslos“ registriert, sagte der Sprecher der Sozialverwaltung, Sascha Langenbach, am Freitag der Berliner Morgenpost. Vor etwa zwei Wochen rief das Lageso zudem öffentlich dazu auf, dass sich auch privat untergebrachte Flüchtlinge registrieren sollten. Bisher habe es daraufhin aber erst zwanzig Meldungen gegeben. Die Sozialverwaltung wertet das als Zeichen, dass es in Berlin nicht mehr viele unregistrierte Flüchtlinge geben könne.

Auch bundesweit haben die Behörden mit der ordnungsgemäßen Erfassung neu ankommender Flüchtlinge ihre Not. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind im vergangenen Jahr etwa 13 Prozent der Asylsuchenden nach ihrer Registrierung nicht in der Unterkunft angekommen, die ihnen zugewiesen wurde. Zukünftig sollen Flüchtlinge nach ihrer Registrierung einen fälschungssicheren „Ankunftsnachweis“ mit einem Fingerabdruck erhalten.